Die hässlichsten Cover, die ich kenne

von Volker Dohr

Wie jede gute Geschichte beginnt auch diese beschissen und beschissen heißt in diesem Fall, dass sich meine Eltern scheiden ließen. Ohne da ins Detail zu gehen ist das vor allem aufgrund eines Umstandes doppelt beschissen gewesen: Das Haus wurde verkauft und musste geräumt werden. Das bedeutete, ich würde mich allem, was ich bei meinem Auszug mit 20 zurückgelassen hatte, nochmal stellen müssen. Nun ist eine Jugend beziehungsweise die Konfrontation damit in zehn von zehn Fällen eher peinlich und nicht anders war es konsequenterweise in meinem Fall. Da lagen noch hunderte CDs, die ich irgendwann mal warum auch immer gekauft habe und die wir nun lachend und mit zig Anekdoten versehen in Obi-Kartons packten mit dem Ziel, sie in der neuen Wohnung, im neuen Leben, am besten dort zu verstauen, wo sie nie jemand finden würde und keine peinlichen Nachfragen enstehen könnten.

Kam etwas anders, denn sie landeten im Regal. Einige davon wollte ich noch zu MP3s konvertieren und weil mir das Aussortieren zwischen cool und Schrott zu blöd war, packte ich kurzerhand alle in den Freund aller irgendwas sammelnden Menschen: das Expedit.

Dort fristeten sie ihr Dasein bis gestern – ich habe nämlich noch immer keine einzige davon in den alten iMac geschoben, der als einziger Rechner hier noch ein CD-Laufwerk hat und damit in der Lage ist, das Zeug seiner physischen Gestalt zu entheben und seelenlose Digitalmusik draus zu machen.

Aus mir heute schon nicht mehr bekannten Gründen hab ich eine davon gesucht. Wie das so ist, wenn man einfach nur Kram nach einem Umzug in ein Regal packt, stolperte ich über all die anderen. So entstand die Idee zu diesem Beitrag, der den hässlichsten Covern gewidmet ist. Denn sie sind so peinlich, dass man die Geschichten eigentlich keinem erzählen will – oder konsequenterweise allen. Viel Spaß.

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Das ist mehr oder weniger eigentlich selbsterklärend: “Hey Grafiker, bau mal ein Random-Herr-der-Ringe-like!” Alles drin: Typ mit Schwert, Schwert mit zu den Sternen gerichtetem Strahl (it’s magic!), wilder Wolf oder sonstige Bestie als best-buddy, Burg im Hintergrund, Winter und dieser Vorsprung, auf dem er steht, der all das ein wenig wie eine miese Kopie eines Bildes von Caspar David Friedrich wirken lässt, das selbiger vermutlich weggeworfen hätte.

Warum gekauft? Anzeige im “RockHard”. Jung und dumm und voll reingefallen. Musik ist übrigens auch scheiße.

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Ich glaube es ist nicht nötig zu erwähnen, wo Luca Turilli, dessen Side-Project “Luca Turilli” heißt, hauptberuflich tätig ist. Ja? Gut, dann weiter.

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So sehr ich auch darüber nachdenke, es will mir nicht einfallen, woran mich diese Schwarz-Weiß-Rot-Farbgebung erinnert. Abgesehen davon, dass außer “All men play on 10″ und “Sign of the hammer” eigentlich nur Füllmaterial auf dem Album ist, hätte man das auch getrost liegenlassen können. Hab ich nicht.

Warum gekauft? Siehe rechts unten. War jung und brauchte das Geld für was anderes.

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Das ist jetzt auch ne blöde Geschichte: Da versucht man, sich von seiner Vergangenheit in Form einer Band namens “Ausländer Vernichtsungskommando” (szenebekannter unter AVK) zu distanzieren, straighten Oi! zu machen und sich betont antifaschistisch zu geben und dann so ein Bild. Schlagring, ja, super dialogorientiert, so macht man die Szene für Außenstehende attraktiv. Ansonsten bildlich zwar voll auf Klischee-Skin, aber sorry, den Faustverstärker hätte es halt nicht gebraucht. Außerdem bin ich bis heute der Meinung, der Sänger (unser Kollege in der Bildmitte) sieht aus wie eine ganz schlechte Version von Xander Cage.

Warum gekauft? Oioi! “Wenn man sich einmischt” ist immer noch klasse, “Wilder Osten” auch. “Lied über Frauen” sorgte dafür, dass der Auftritt der Band in Mannheim nach massiven Protesten von links völlig zurecht abgesagt wurde – hoffnungsloser Klischee-Sexismus, den diverse RTL-Comedians nicht schlimmer hinbekämen. Alles in allem eine Combo die versucht hat, in Sachen “Wir sind nicht rechts!” was zu reißen, dabei aber prollmäßig abgekackt ist.

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Nun gut, es ist 1983 und damals, ein Jahr bevor ich zur Welt kam, kann man Menschen mit so einem Cover vermutlich noch schockieren. Metal ist nicht mehr ganz in den Kinderschuhen aber der Trigger über satanische Symbolik zieht noch voll. Zudem ist es die Erstveröffentlichung einer Band die später dafür bekannt werden wird, zu den drei wichtigsten Trashmetal-Bands zu gehören und dabei diejenige zu sein, die sich im Gegensatz zu den beiden anderen quasi nie weiterentwickelt hat. All killer, no filler von “Evil has no boundaries” (der Urschrei!) über “Die by the sword” (naja gut, passt ja doch ein wenig zum Cover irgendwo) und letztlich dem titelgebenden Track. Alles in allem also ein Must-Have ohne wenn und aber. Mit beschissenem Cover.

Warum gekauft? Einfach mal aufklappen. Hannemann in feinstem blond mit dem umgedrehten Kreuz in der Hand wirkt so theatralisch, ich muss heute noch lachen. Möge er mir das von oben aus nicht übel nehmen. Danke.

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Christliche Skins – wenn man mal ehrlich ist, kann sowas nur schief gehen. Da kommen böse Nachfragen, was das denn mit dem ganzen Spirit-of-69-Scheiß zu tun hätte und inwiefern die Working-Class, die man sonst so gerne beömmelt, nun plötzlich religiös sein kann. Die Jesus Skins schaffen den Spagat zwischen “Woche Arbeit, Wochenende Suff” fast, aber eben auch nur fast. Wo Jewdriver deutlich besser unterhalten, ist das alles viel zu ernst. Es bleibt die ewige Hook “Thor war ein Verbrecher und Odin war ein Thor – und wer an so ne Scheiße glaubt, den knöpfen wir uns vor”, garniert mit Lamern wie “Kirchenasyl”, der zwar inhaltlich aktueller denn je ist, aber einfach nicht ins Korsett passt. Kann man hören, kann man keine Party zu machen, zündet folglich als Oi!-Scheibe nicht.

Warum gekauft? Die Abwandlung vom Crucified-Skin fand ich einfach irgendwie lustig.