random:notes

fast eine tolle Sache

Selbständigkeit ist eine wunderbare Sache, aber ein zweischneidiges Schwert. In etwa so erkläre ich das Studenten, die mich fragen, ob sie nach der Ausbildung eine Festanstellung suchen oder erst einmal Freelancer machen sollen, immer. Es hilft da nix, zu beschönigen, die Leute sollen wissen, was sie erwartet. Und dass es eben auch zu Problemen kommen kann. Unter anderem mit der Krankenversicherung. Was Festangestellten selbstverständlich erscheint, ist in dem Fall nämlich alles andere als locker. Dass deshalb vielfach drauf verzichtet wird, beschäftigt aktuell die sozialen Medien unter dem Hashtag #hollerkaputt. Kurz zusammengefasst geht es darum, dass eine Krebserkrankung einen Menschen ohne Krankenversicherung an den existentiellen Rand bringt. Viele helfen, was gut ist. Was ebenso wichtig ist: Der Focus verschiebt sich auf das Problem Selbständigkeit, oder besser gesagt: die damit einhergehenden Hürden. Hier deshalb meine Erfahrungen aus journalistischer Sicht. read on my dear »

Die “Fallout”-Jahre, Teil 9.

So lange ich mir im letzten Post auch Gedanken über eine Entscheidung, die jeden Menschen an seine moralischen Grenzen bringen würde, gemacht habe, so schnell entscheidet “Fallout 4″, was ich mit Kellogg anstellen soll: Ihm eine Kugel verpassen. Das ist der Zeitpunkt, an dem wir mal über Dialoge sprechen sollten, darüber, dass Teil 4 im Gegensatz zu seinen Vorgängern schon sehr abgespeckt mit Optionen daherkommt. Frühere Teile waren Textwüsten, die Dialoge ellenlang und komplex und man hatte irgendwo auch immer die Möglichkeit, aus der Nummer mit Reden rauszukommen. Das ist nun Geschichte. Es ist runterreduziert, vereinfacht, der Tiefgang fehlt. Was, wenn ich Kellogg gar nicht töten wollte? Wenn ich sagen wollte “Ist ok, du hast Mist gebaut und nun sieh zu, dass du Land gewinnst”? Gibt’s nicht. Oder ich hab es nicht gefunden, kann natürlich auch sein. Glaube ich aber weniger. Und ja, es fehlt. Der Rollenspiel-Teil dieses Rollenspiels ist teils arg mager ausgefallen und gerade bei dieser Entscheidung fällt das besonders auf.

Nun ist er also tot und ich will meiner Wege gehen. Verlasse das Haus und in diesem Moment bricht sie aus den Wolken: Die Prydwen, das verdammt mächtigste Luftschiff, dass es in dieser Welt noch gibt, Hauptquartier der Bruderschaft. Da kommen sie nun angerückt mit voller Kraft, so dermaßen imposant, dass mir die Luft wegbleibt und einfach nur “FUCK YEAH!” brüllen will. Sie sind gekommen. Sie werden hier aufräumen. Sie wollen mit mir reden. Die Zeit für Entscheidungen, die endgültig sind, sie rückt näher.

Und damit auch die Zeit, Tschüss zu Dogmeat zu sagen. Lange war er bei mir, mittlerweile sind locker über 30 Stunden mit dem Spiel ins Land gezogen. Jetzt jedoch besteht die Möglichkeit, Paladin Danse höchstselbst mitzunehmen. Der Drei-Meter-Mann in seiner schimmernden Powerrüstung, ein Typ, der alles wegstecken können wird. Der nun anbietet, sich mir anzuschließen! Mir kleinem Zivilisten, der bis vor einigen Tagen noch ein harmloser Typ war, jetzt aber zu einer Tötungsmaschine wurde, einem Durchsetzer, der ohne mit der Wimper zu zucken tut, was seiner Meinung nach getan werden muss. Die Wandlung des Charakters ging so schnell, dass kaum Zeit war, einmal innezuhalten und nachzudenken. Ich bin Charles Bronson geworden, ob ich es wollte oder nicht. Auch das nimmt mir “Fallout 4″ ab und beraubt mich damit der Möglichkeit, es anders zu machen – auf meine Tour, wie auch immer die aussehen mag. Ein “Rollen”spiel eben, in dem ich eine Rolle gestalte, nicht eine vorgefertigte übernehme. Das sind Kritikpunkte, ja. Das wiegt schwer und tut wenn ich nun mit etwas Abstand darüber nachdenke auch weh. Vor allem, weil der Vergleich mit den Vorgängern auftauchen muss und hier eben ein ganz anderes Erlebnis geboten wurde.

Während ich jedoch in diesem Spiel versinke, denke ich nicht daran. Wie auch? Ich sitze an Bord eines Vertibirds und bediene eine Minikanone. Wie lange habe ich mir genau so eine Szene gewünscht? Wie soll ich nachdenken in diesem Moment, wo ich mich überlegen fühle, wo ich weiß, dass ich die Welt besiegen kann, wo ich wie ein kleiner, gemobbter Junge auf dem Schulhof bin, dem plötzlich die starken Jungs zur Seite stehen? Ich denke nicht. Ich handle nur noch. Rede mit dem Ältesten Maxson, einem knallharten Militärtypen, der nur eins will: Das Institut finden, zerstören und fertig. Bis dahin scheint es, dass er durchaus Respekt vor den Typen hat: Man kennt sie nicht, man weiß wenig über sie. Ich werde erst einmal recherchieren müssen, Dinge herausfinden, ehe wir zuschlagen. Davor schaue ich mich jedoch gerne auf diesem riesigen Luftschiff um, das voller faszinierender Technik ist, ordentlich aufgereihte Powerrüstungen inklusive. Ja, das schindet Eindruck, ja, hier fühle ich mich zum ersten Mal in dieser Welt wirklich sicher. Hier wird mir nichts passieren. Wer hier auch anrücken möge, er wird keine Chance haben.

Erneut schweife ich ab, lasse die Hauptstory ruhen. Kümmere mich stattdessen darum, bei der Bruderschaft Pluspunkte zu sammeln, in dem ich kleinere Jobs erledige. Es ist nichts Wildes, aber Paladin Danse findet Gefallen dran und mir gefällt, dass er mich mag. Ein Mal sprechen wir länger miteinander. Ich habe die Option, im Dialog auf “Flirten” zu klicken, sie ist gelb umrandet, es ist also nicht sicher, ob sie von Erfolg gekrönt sein wird, wenn ich sie wähle. Mache ich dennoch, warum soll mein männlicher Charakter nicht auch einmal mit einem anderen Mann flirten dürfen, wo das hier alles ohnehin so derart männerbündlerisch ist, dass die paar Emotionen auch nix ausmachen. Es klappt. Paladin Danse mag mich noch mehr. Ich fühle mich noch sicherer, mit dem Typen an meiner Seite.

Was steht nun an? Eigentlich sollte ich zurück nach Diamond City, um mit Chandler-Roman-Nick und der Reporterin Piper über die Ereignisse sprechen. Habe ich grade keine Lust zu. Stattdessen bilde ich Nachwuchs der Bruderschaft aus, kümmere mich um deren interne Probleme und merke dabei, dass ich ganz schön skrupellos wurde: Ein Typ klaut Vorräte und reicht sie weiter, weil er nach einer Schlacht keine Lust mehr auf Ghule töten hatte, weil er erkannte, dass das auch mal Menschen waren. Ich finde ihn, stelle ihn und habe die Möglichkeit, ihn nicht zu verpfeifen. Mache es aber dennoch, liefere ihn voll aus, lass ihn ins Messer laufen, wohlwissend, dass er dafür mindestens aus der Bruderschaft geschmissen wird, wenn nicht Schlimmeres. Es macht mir nicht eine Sekunde lang etwas aus, diese Entscheidung zu treffen – auch wenn ich für ihn hätte lügen können. Keine Chance. Niemand bescheißt die Bruderschaft. Niemand sprengt die Einheit. Es ist so verdammt falsch auf menschlicher Ebene und fühlt sich doch hinsichtlich der Gemeinschaft so richtig an.

Was wäre eigentlich, wenn Danse ein Synth wäre, einer jener Roboter, die die Bruderschaft ohne zu zögern tötet, wann immer sie ihnen über den Weg läuft?

Die “Fallout”-Jahre, Teil 8.

(Danke an alle Eltern, die sich im Vorfeld dieses Beitrags einer Frage gestellt haben, die nicht unbedingt bequem war, aber die dennoch antworteten.)

Bis auf den letzten Satz hat dieser Teil nichts mit einem Videospiel zu tun.

Vor einigen Monaten, als ich noch bei Facebook war (ich habe meinen Account gelöscht, weil mir der Umgang mit rechten Beiträgen nicht geschmeckt hat, gelinde gesagt), führte ich eine lange Diskussion mit einem Freund, den ich sehr mag. Es ging darum, was wir tun würden, wenn unser Kind entführt und von Kinderschändern missbraucht würde. Ich glaube an den Rechtsstaat, daran, dass alles, was mit Strafe und Sanktion zu tun hat, niemals in der Hand eines einzelnen liegen darf, sondern immer auf einer Übereinkunft namens “Gesetz” berufen muss, die wir selbst zwar weder teilen noch verantworten müssen, aber deren Bedingungen wir nun mal unterliegen. Schmeckt sie uns nicht, besteht die Möglichkeit der Änderung, weshalb ich Kommentare a la “Raubkopierer müssen ins Gefängnis, Kinderschänder nicht!” auch immer extrem angepisst lese. Dann macht eben eine Petition, sprecht mit Abgeordneten, tut etwas, statt nur Pixel zu langweiligen Texten zu machen, die ich so oder so ähnlich schon tausend Mal gelesen hab.

Der Freund war der Ansicht, dass er den Typen töten würde, wäre es sein Kind. Sein Argument war, dass ich das ohne Kinder nicht nachvollziehen könnte. Ohne die Erfahrung, wie es ist, wenn deine Tochter unter dem Weihnachtsbaum krabbelt, einige Monate später ihre ersten Worte spricht, lernt zu laufen, wie es ist, wenn dein Leben nicht mehr nur darauf basiert, dass du und deine Frau eine Einheit sind, sondern da etwas ist, dass dir so viel mehr gibt, so viel mehr abverlangt. Ich ignorierte das, für mich war das, was an Gesetzen geschrieben steht, größer als eine Rechtfertigung für Selbstjustiz, die nur auf der eigenen Geschichte beruht. Und das, obwohl ich gut genug weiß, dass jeder der Superheldencomics, die wir lesen, nichts anderes ist: Der Teil zwischen Exekutive und Judikative existiert nicht mehr, es ist eine Personalunion. Batman führt gleichermaßen Staatsgewalt, die ihm nicht zusteht, aus, wie er auch richtet. Konsequenterweise auf die Spitze treibt das eigentlich nur Lobo, der direkt auch das Urteil ausführt, tödliche Gewalt anwendet, etwas, um das sich Superman und Batman wunderbar gerne drücken, so ein bisschen White Knight wollen sie ja dennoch sein.

Ich kann nicht sagen, was ich tun würde, wenn mein Kind betroffen wäre. Ich kann nicht beantworten, was wäre, wenn ich einem Menschen, der mein Kind ohne Lösegeldforderung verschleppt und sonst was mit ihm anstellt, antun würde. Warum will er kein Geld? Was macht er mit dem Kleinen? Sexueller Mißbrauch, Organentnahme, was ist es? Die Fragen würden mich zerfressen, sie würden die Beziehung zu meiner Frau zerstören, sie würden mein Leben nie mehr das gleiche wie zuvor sein lassen. Das ist eine Gedankenwelt, die so verdammt düster ist, dass ich nicht hinabsteigen will, dass ich nicht dem begegnen möchte, der wir vielleicht irgendwo alle sind, der sagt: Erledige das selbst. Sei Charles Bronson, pfeiff auf die Cops, die machen eh nix, die finden den eh nicht. Mach es auf deine Tour, sein ein “Mann”, sei das Gesetz. Ich will es mir nicht vorstellen. Ich KANN es mir nicht vorstellen. Ich hoffe, dass ich es mir niemals vorstellen muss.

Und dann steht er vor mir, Kellogg, der Mann, der meinen Sohn entführt hat, der kein Lösegeld wollte, der ihn einfach nur geholt hat.

Die “Fallout”-Jahre, Teil 7

Vorab ein Lob an mich selbst: Täglich etwas zu schreiben ist gar nicht so einfach, wie man sich das vielleicht denken mag. Ich schreibe hier sonst so wenig, dass es tatsächlich eine Überwindung ist. Andererseits bin ich in der Zeit wunderbar “raus” aus der Welt, höre Musik (heute die wunderbaren “Hemelbestormer”) über die Kopfhörer und mache Worte zu Sätzen und Sätze zu Absätzen und einen Text aus Nichts. Und ich will mich einfach selbst dazu bringen, mich irgendwo auch motivieren. Dazu braucht es übrigens keine Latte an Kommentaren – bislang hat keiner der Beiträge auch nur einen bekommen. Ich sehe ja an den Abrufzahlen, dass sie gelesen werden und das langt schon vollauf. Und ich verstehe auch, wenn sie jemand nicht lesen will, weil er sich vor Spoilern schützen möchte. Alles prima also! Teil 7, here we go.

Was auch immer Nick, dieser Detektiv, der direkt einem Chandler-Roman entsprungen sein könnte, getan hat, muss schon übel sein, denn der Kerl ist verdammt gut bewacht. Jemand will nicht, dass ich zu ihm vordringe, aber jemand hat deutlich weniger Feuerkraft als ich, der mittlerweile mit einem halben Dutzend stets griffbereiter Pistolen, Gewehre, Maschinenpistolen und sogar einer Schrotflinte mit zusätzlichem Explosivschaden daherkommt. An dieser Stelle ein kleines Lob an den Soundtrack, der immer dann dynamisch wird, wenn es nötig ist und immer dann atmosphärisch und ruhig, wenn es so sein soll, etwa beim durchstreifen fremder Gegenden. Das hat Inon Zur gut gemacht, auch wenn ich sonst mit seinen Scores wenig anfangen kann.

Nachdem ich Nick auf die blutige Tour rausgeholt habe, kann der zunächst auch nur auf die Journalistin verweisen, die angeblich mehr über diese ganze Truppe, die Leute verschleppt, weiß. Ach, und das konnte sie mir davor nicht sagen, ohne dass ich Nick retten musste? Komischerweise nicht. Nick bietet auch recht zügig an, sich anzuschließen, aber ich habe Dogmeat, ich brauche grade keine weitere Begleitung. Ich mag den Kleinen. Er ist äußerst gut im Wahrnehmen von Feinden und gibt alles, um mich zu schützen. Ein richtiger Hund (dies schreibt der Besitzer eines Chow Chows, der gelegentlich mal anschlägt, wenn er irgendwas nicht mag, ansonsten aber gerne den Tag mit schnarchen verbringt). Es ist verdammt herzergreifend, wenn die Gegner ihn runterballern und er jault und ein Stimpack benötigt, um wieder auf die Beine zu kommen (man kann auch einfach warten, aber das ist moralisch schon sehr grenzwertig). Natürlich gebe ich ihm eins, obwohl ich “nur” noch 27 im Inventar habe. Das ist schließlich mein Hund! Nick kommt also erst einmal nicht mit.

Zudem schweife ich erneut ab: Das, was von Boston noch übrig ist, ist einfach zu groß, um nicht einmal den Fluss entlang zu gehen oder die Altstadt zu durchqueren. Man hat sich da redlich bemüht, ein schönes Abbild der Stadt zu schaffen, was wichtig ist, findet sich hier wieder. Etwa der “Freedom Trail”, gleich noch mit einer Quest dazu. Man soll ihn entlanglaufen und ich bin ein wenig blöd, denn: Meine letzte Reise als Spielejournalist führte nach Boston, finanziert durch Ubisoft sollte ich mir dort “Assassin’s Creed 3″ ansehen und zum Rahmenprogramm gehörte, eben jenen Trail auch einmal abzulaufen. Ich hätte mich also dran erinnern können, dass man einfach nur einer roten Spur auf dem Boden folgen muss. Stattdessen raffe ich nicht, wo es nun weitergehen soll, lande versehentlich in einem Park und muss dort einen gigantischen Supermutanten namens “Swan” bekämpfen, der so dermaßen über ist, dass ich beinahe alles an Munition und Heiltränken los bin, ehe er tot ist.

Dann finde ich diesen Comic-Laden, der natürlich Grognaks Axt im Foyer liegen hat. Grognak, dieser Conan-Fake, der schon seit dem ersten Teil der “Fallout”-Reihe in Heftform dabei ist. Liest man sie, verbessert sich der Umgang mit Waffen. Wo, wenn nicht in einem Comic-Laden könnte man zahleiche der Hefte finden? Richtig. Ich ballere mich Stockwerk um Stockwerk nach oben – für einen Comic-Laden ist das alles ganz schön groß – und finde dabei heraus, dass offenbar auch ein Grognak-Film angedacht war. Inklusive Kostüm, das ich finden und tragen kann und das so lächerlich aussieht, dass es selbst in der Endzeit nicht klar geht, in sowas herumzulaufen.

Zwischenzeitlich besteht die Möglichkeit, eine weitere Begleitung mitzunehmen: Cait, die ich in einer Art Wrestling-Club finde. Aber sie nervt. Sie ist angepisst, disst mich grundlos und auf sowas habe ich keine Lust. Soll mal nach Sanctuary Hills, der Ausgangs-Stadt des Spiels gehen. Vielleicht hole ich sie später ab. Was ich auch werde und dann wird sich herausstellen, dass sie eine heftige Geschichte zu erzählen hat und ich ihr einfach helfen muss.

Ich bin sowieso so ein verdammter Helfersyndrom-Typ, wähle immer die freundlichen Antworten, gehe nie auf Konfrontation, nehme nie die Option “Um Belohnung bitten”, deren Erfolg davon abhängt, wie hoch Charisma und Intelligenz sind (und ich habe von beidem genug, um erfolgreich zu sein). Meine Figur agiert selbstlos, freundlich, zuvorkommend, daran glaubend, dass sich das lohnt. Ich vergesse mal wieder, dass die Zeit, in der das Spiel stattfindet, eine ist, in der Regeln nicht mehr vorhanden sind und ich auch das Arschloch rauslassen könnte. Aber so bin ich nun mal, ich, der Typ am Controller, sein Wesen, seine Herangehensweise an die Dinge.

Genug gedrückt. Es gibt Hinweise. Ein Typ namens Kellogg soll hinter der Entführung meines Sohnes stecken. Dafür hat er sich eine Kugel in den Kopf verdient – nachdem er mir gesagt hat, wo der Junge ist. Munition aufstocken, Stimpacks kaufen. Das wird nicht unblutig weitergehen.

Die “Fallout”-Jahre, Teil 6.

Back topic, jetzt aber wirklich.

Diese Bruderschafts-Quests langweilen mich dann doch nach einigen Stunden. Immer nur der gleiche Kram. Außerdem war da noch was: Meinen. Sohn. Finden. Hilft alles nix, ich muss nach Diamond City. Wo man erst mal eine Journalistin nicht reinlassen will. Die Alte ist sicher von der Lügenpresse, ist doch eh klar. Die Frau lacht neben mir auf der Couch weil “Haha ein Journalist, der eine Journalistin in einem Videospiel scheiße findet” schon irgendwo unlogisch wirken mag, aber so ist das nun mal. Sie keift wie blöd, sie geht mir auf den Sack, ich will nur in diese Stadt, meine Info holen und dann weitersehen. Keine Lust auf so einen Blödsinn drum herum. Blöd nur, dass dieser Blödsinn den weiteren Spielverlauf elementar ausmacht, denn in Diamond City stimmen viele Dinge so absolut gar nicht.

Das finde ich dann in den kommenden Stunden raus, während ich schon wieder in Nebenquest um Nebenquest stolpere. Da mal einem Radiomoderator mit Minderwertigkeitskomplexen ausgeholfen, dort ein paar Eimer Farbe besorgt. Irgendjemand will immer was und das ist genau diese Sache, wegen der ich große Städte in Rollenspielen so gerne meide: Sie schmeißen dich mit Aufgaben zu, du verlierst restlos die Übersicht und arbeitest irgendwann nur noch nach Liste ab. Hab ich nur bedingt Lust zu.

Die Reporterin, die eingangs so nervte, stellt sich als veritable Informationsquelle raus. Sie spricht davon, dass immer wieder Menschen verschwinden und da mehr dahinter stecken müsste, als der Bürgermeister der Stadt zugeben möchte. Zudem werde ich Zeuge einer ziemlich blutigen Auseinandersetzung in einer Bar, die für einen der Beteiligten mal eben mit dem Tod endet. Ein “Synth” soll er sein, so eine Art Terminator, nur noch besser, nicht so leicht durchschaubar, nicht auf töten gedrillt. Einfach nur ein Ersatz-Menschlein, gebaut, programmiert, mit Erinnerungen und Seele versehen. Wow, haben sie das also geschafft, eine Seele zu basteln. Respekt. Trotzdem sind die Dinger irgendwie “Nicht echt” (Was ist eigentlich echt? Ist der Mensch nur echt, wenn er biologisch echt entstanden ist oder bilden wir uns auf den Reproduktionsakt nur mythisch überhöht was ein und realisieren nicht, dass wir auch beliebig maschinell reproduzierbar wären? Hallo, “Matrix”!) und in Diamond City will man sie nicht, also legt man sie um.

Kann ich damit leben? Dass gerade vor meinen Augen Leben zerstört wurde? Halt, Schritt zurück: war das denn Leben? Was ist das überhaupt, “Leben”? Entsteht es da, wo Abtreibungsgegner reinkloppen und Kliniken anzünden, weil man darin anderer Meinung ist? Kann es nur entstehen, wenn zwei Menschen daran beteiligt sind, deren Existenz ebenfalls auf der Beteiligung von zwei Menschen beruht? So langsam dreht die Story gut auf und die Fragen hinter den Ereignissen beginnen, mich zu beschäftigen. Pluspunkt, muss man auch erst einmal schaffen, vor allem in einem Mainstreamgame.

Ich drücke mich vor einer Antwort, vor einer Stellungnahme. Ich will meinen Sohn wiederhaben, denn wenn ich eines weiß, dann das: Er ist mein Sohn, mein Junge, ich bin ohne ihn bedeutungslos, meine Existenz macht überhaupt keinen Sinn, wenn er nicht da ist, dieses ganze Spielchen hier basiert darauf, dass mein Job lautet, ihn zu finden. Worauf hätte man sonst die Story aufgebaut? Eben. Lassen wir diese Synths also erst einmal beiseite. Konzentrieren wir uns auf die Journalistin, darauf, was sie über einen Detektiv namens Nick erzählt, der sicher mehr weiß, aber gerade (oder gerade deshalb) verschwunden ist. Finden wir den Typen.

Finden wir einen Eingang unter der Erde, der aus einem gigantischen Zahnrad besteht. Mit einer Zahl darauf. Es war so klar: Es gibt weitere Bunker. Diese Schweine von Vault-Tec waren nicht untätig. Was haben sie hinter dieser riesigen Stahltür an Verbrechen begangen im Sinne des Fortschritts, unter dem Deckmantel des “Die Menschheit muss um jeden Preis überleben”? Was es auch sein mag: Ich werde es rausfinden. Es ist ausreichend Munition vorhanden. Mittlerweile auch genügend Stimpacks und dank durchschautem Upgrade-System für die Waffen auch Feuerkraft, die ausreicht, um alles, was zwischen mir und den Antworten, die ich suche, steht, dem Erdboden gleich zu machen.

Die Tür öffnet sich. Rote Punkte erscheinen auf der Minimap. Ich lege an. Kein Zurück. Ab jetzt geht es nur noch um eins: Ich und mein Sohn oder die und nichts von beidem.

Die “Fallout”-Jahre, Teil 5.

Nochmal abschweifen: Weil ich 2015 quasi vergessen habe, meine 30 Tage Urlaub zu nehmen, ist der gesamte November frei. Ich habe Zeit. Zeit ist so ein verdammter Luxus, vor allem, wenn man sie verschwenden kann. Es hat einige Tage gedauert, bis ich erst mal runter kam, erst mal aus dem Alltag raus war. Dann hab ich mir ein Bier aufgemacht und hatte kein Problem damit, in Jogginghosen rumzusitzen. Barbarismus muss auch mal sein.

Besoffen bin ich dennoch nie durch das Ödland. Besoffen zocken ist überhaupt mal ziemlich mies, man hält sich die ganze Zeit ein Auge zu, damit man noch was sieht und bekommt überhaupt nichts mit. Hab ich spaßeshalber früher bei Online-Shootern gemacht, einfach um zu zeigen, dass ich selbst trunken noch besser als der Rest war. War ich natürlich nicht.

Jetzt kann ich natürlich auch meine Spielfigur abfüllen, aber darauf hab ich keine Lust. Der wird dann nur süchtig und das wird alles teuer mit dem Entzug. Ich spare in schwäbischem Ausmaß, jeder Kronkorken muss zusammengehalten werden. Auch mit den zahlreichen Drogen, die schon immer Bestandteil der Serie sind, werde ich einmal mehr nicht warm. Kein Jet, kein Psycho. Meiner ist ein verdammter Edger, was auch nicht stimmt, denn gäbe es die Option, dass er sich gelegentlich eine Kippe drehen und anstecken könnte, nur um beim Konsum fünf Minuten herumzustehen und ins Land zu starren, dann würde ich das machen. Ganz ehrlich, auch ein Bierchen wäre drin. Keine drei oder vier, aber so eins nach Feierabend, nachdem mal wieder zig Viecher erlegt wurden, prima. Getanes Werk und Belohnprinzip und dererlei.

Wir haben derzeit aber wichtigeres zu tun: Die Bruderschaft braucht wissenschaftliche Technik der Vorkriegszeit und dieser Typ, der mich nicht leiden kann, fordert mich auf, Orte im Ödland zu “räumen”, sprich: Alles, was sich da bewegt, umzulegen. Ich will mich etwas beliebt machen, dem Miesepeter gefallen, zeigen, dass ich was drauf hab, also nehme ich Auftrag um Auftrag an, obwohl es immer das gleiche, langweilige Schema ist: Suche den Ort, geh hin, erledige alle, komm zurück. Paladin Danse redet derzeit nicht mit mir, hat nichts für mich zu tun. Schön, dann katzbuckel ich eben bei den Untergebenen, um dem Chef zu gefallen. Eigentlich ist das alles ganz schön unwürdig.

Vor allem zieht Stunde um Stunde ins Land, ohne dass ich auch nur dran denke, mit der Hauptquest weiterzumachen. Vielleicht liegt das auch an meiner Abneigung gegenüber großen Städten in Rollenspielen, denn in eine ebensolche muss ich nun. Ich fühle mich dort immer verloren, hoffnungslos überfordert, will jeden Winkel kennen und über alles Bescheid wissen und weiß doch, dass das nicht möglich ist. Große Städte kotzen mich an. Ich mag Dörfer mit einer Handvoll Häuser und wenigen NPC lieber.

Trotzdem ist es verdammt unlogisch: Da ist mein Sohn verschwunden und was mache ich? Viecher töten, statt ihn zu suchen. Um mich bei einer Bande beliebt zu machen, der ich näher betrachtet zwiegespalten gegenüber stehe. Das ist doch Blödsinn. Aber es hält mich bei der Stange. Es wird nicht langweilig. Und wenn doch, dann laufe ich immer noch einem Sidequest über den Weg. Etwa in einer Militärbasis, die so heftig bewacht ist, dass ich kaum eine Chance habe, aber die haben nun mal diese Waffenkammer und da will ich rein, denn wenn’s was gibt, das ich brauchen kann, dann ist es garantiert da drin.

Ich schweife ab. Nein. Ich drücke mich. Um das Unvermeidliche: Ich werde in diese Stadt müssen. Meinen Sohn finden. Mich mit unbequemen Wahrheiten konfrontieren.

Die “Fallout”-Jahre, Teil 4

Ein großer Schritt zurück. Mein erstes “Fallout” war nicht, wie man aus Altersgründen vielleicht vermuten könnte, der erste Teil, sondern der Zweite. Ich hatte damals einen guten Freund in der Schule, er drückte es mir in die Hand, es war, wie es mit Games um 2000 rum eben war. Ich hatte keinen Plan, was ich da eigentlich tat, aber es war faszinierend, diese Welt war so groß, so voller Leben, so voller Konsequenzen für alles, was ich tat. Mein Scheitern war grandios, es dauerte insgesamt fast ein Jahrzehnt, bis ich den Abspann des Spiels zum ersten Mal sah (ist hier noch alles gut protokolliert).

Damals gab es eine Truppe, die mich extrem faszinierte. Ich traf das erste mal in “The Den”, einer Sklavenhändler-Kolonie, auf sie. Während alle Gebäude drum herum in Trümmern lagen, stand da dieses eine, kleine Haus, das vollends nach Hightech aussah und vor dessen Tür ein Typ in gigantischer Rüstung Wache stand und mir sagte, dass man mich sehr wohl beobachte und ich nun weiter gehen sollte. Es war ein Soldat der Stählernen Bruderschaft.

Bis ich mich denen anschließen konnte, sollte es noch lange Spielstunden, noch zahlreiche Fehlversuche mit “Fallout 2″ brauchen. Dann jedoch durfte ich “rein” in dieses Gebäude, von denen es im Spiel insgesamt drei gibt. Und da lag sie, die verdammt beste Rüstung im gesamten Spiel. Diese Jungs waren overpowered, ich hatte Bock drauf, dazuzugehören, würde alles tun, um in ihren Reihen meinen Platz zu finden. Und so blieb mir die stählerne Bruderschaft in Erinnerung. In “Fallout 3″ genau wie in “Fallout New Vegas”. Und nun in “Fallout 4″.

Es war also klar, dass mit dem Treffen mit Danse alles anders würde. Anders werden müsste.

Zu erklären, warum mich diese Leute so faszinieren, kann nur in einem Zwiespalt enden, nur darin, dass ich mir selbst widerspreche. Das verleugne ich nicht. Deshalb sind die kommenden Zeilen ein hin und her, ein für und wider. Das darin endet, dass ich und die Bruderschaft einmal mehr gemeinsame Wege gehen.

Wer ist diese Truppe? Kurz umrissen versuchen sie, alte Technik vor dem Weltuntergang zu konservieren und mit militärischer Strenge eine neue Gesellschaft hochzuziehen. Sie sehen nur schwarz und weiß. Du bist entweder dabei, oder dagegen. Da ist keine Grauzone. Sie glauben daran, dass der Typ neben ihnen ihr Bruder ist (hi, “300”!), ihr Kodex ist eisern, wird nicht infrage gestellt, niemals. Sie töten ohne mit der Wimper zu zucken alles, was sich als Feind herausstellt und das ist eine ganze Menge: Ghule, die einst Menschen waren, Supermutanten, die einst Menschen waren und in “Fallout 4″ nun Synths, Roboter mit menschlichem Wesen, die teils eine eigene Intelligenz entwickeln, ausbrechen aus einem noch myseriös umrissenen “Institut”, das es hier irgendwo geben soll. Es ist der Bruderschaft gleich, dass diese Synths eventuell Emotionen haben, denken lernten, sich vom Mensch-sein nur noch dadurch unterscheiden, dass kein Blut durch ihre Adern fließt sondern stattdessen Stromleitungen. Sie sind der Feind und der Feind wird vernichtet.

Die Bruderschaft ist zutiefst nach einem Führerprinzip organisiert, es herrscht militärischer Gehorsam, es ist kein Platz, einen Befehl zu hinterfragen. Und doch, sie sind nicht undemokratisch, sie sind nicht restlos faschistoid, sie betreiben eine Rangordnung, die es jedem ermöglicht, in ihren Rängen aufzusteigen. Ich versuche, sie zu verstehen. Ich versuche, im Falschen, das sie so offensichtlich sind, das Richtige zu sehen.

Sie haben Angst. So viel Angst davor, dass es wieder dazu kommt, dass die Welt untergeht, noch einmal. Sie wollen alles tun, um das zu verhindern. Sie wollen alles bekämpfen, was das mickrige Bisschen Welt, das wir noch haben, bedrohen könnte. Es ist keine irrationale Angst, sie gehen nicht wie Pegida auf die Straße um gegen etwas zu protestieren, dass so nie eintreffen wird. Sie sind nicht blöd, sie denken. Und dennoch: Angst treibt sie an. Nicht das Streben nach Macht. Macht ist ihnen streng genommen sogar egal, sie wollen nicht unterjochen oder herrschen. Sie wollen nur verhindern, dass jemals wieder passiert, was bereits passiert ist. Sie leben in der Vergangenheit.

Und ich bin nun wieder bei ihnen. Ich weiß, dass ich hier bleiben werde. Es wird ein Weg voller Leichen, voller Entscheidungen, die ich nicht immer mit mir vereinbaren kann, aber die nun mal einem höheren Ziel dienen. Es ist nicht anders als in der Bundeswehr, nur, dass ich die Bundeswehr, militärischen Gehorsam und Nichthinterfragen von Befehlen scheiße finde, hier jedoch kein Problem damit habe, denn ich kann mich mit dem Ziel identifizieren. Vielleicht, weil es keinen Staat gibt, der darüber steht, keinen Oberbefehlshaber der weit entfernt der Orte sitzt, wo es wirklich abgeht und dort seine Kommandos weitergibt, sondern hier selbst der oberste Anführer wenn es drauf ankommt zur Waffe greift, loszieht, zeigt, dass er nicht mehr ist als der kleine Anwärter neben mir, die Brüder und Schwestern, die mit uns um das gleiche kämpfen.

Dieser Zwiespalt lässt mich den Laden gleichermaßen hassen wie attraktiv finden. Letzteres, weil sie einfach so stark sind, so entschlossen, so geradlinig. Es soll niemals wieder passieren und um das sicherzustellen, reicht es eben oftmals nicht, nur zu reden.

Ich habe den blutigen Weg gewählt. Das ist nach nicht einmal zehn Stunden mit “Fallout 4″ klar.

Hätte ich damals gewusst, was mit Paladin Danse wirklich los ist, wäre ich dabeigeblieben?

Die “Fallout”-Jahre, Teil 3.

Nun gut, diese Minutemen sind in Ordnung. Sie mögen keine Raider, ich mag keine Raider, gemeinsame Basis und so was. Außerdem kann ich dank ihnen das erste mal eine Powerrüstung tragen – und bin schon wieder ernüchtert. Was ist das denn? Nix mehr mit einfach anlegen, sondern reinsteigen und mit Energie versorgen? Dazu ein HUD, das aussieht, als spiele ich grade einen generischen Alien-Egoshooter aus den Achtzigern? Herrje, das Erlangen der Powerrüstung war doch seit jeher der Antrieb für mich in dieser Serie. Oder zumindest einer davon. Und nun steht sie da einfach rum und wenn ich damit rumlaufen will, muss ich sie konstant mit neuer Energie versorgen. Ist doch deppert. Dafür kann ich immerhin kurzzeitig mit einer Minikanone auf restlos unterlegene Raider ballern und eigentlich fehlt nur noch der “Walkürenritt” als akustische Untermalung, dann wäre das der perfekte “Ich bin so über”-Moment.

Stellt sich raus, dass die Minuetemen eine Hippie-Bande sind, die Frieden und Wiederaufbau ins Commenwealth bringen wollen. Richtig, dieses Mal spielt das nicht in Californien, sondern nach Teil 3 erneut an der Ostküste. Für den Wiederaufbau soll ich Dörfer rekrutieren und mit diversen Gegenständen versehen, etwa Verteidigung, Betten, Nahrung und so etwas. Die ich bauen muss. Wait, what, bauen? Was ist das hier, “Minecraft”? Ich baue doch in einem “Fallout” nichts! Das Werkstatt-System überfordert mich heillos. Einlagern, auswählen, aufbauen, platzieren, Ressourcen gewinnen, das alles verstehe ich zunächst überhaupt nicht. Dabei ist es eigentlich herrlich intuitiv, geht leicht von der Hand und wenn es erst einmal durchschaut ist, kommt man prima damit klar. Zudem gibt’s für jeden gebauten Gegenstand Punkte, rein theoretisch betrachtet kann ich mich also auch einfach durch das Errichten von Lampen auf den höchsten Level befördern. Ich verweile. Reiße Häuser in meinem Heimatkaff ab, verwende die Ressourcen darauf, Neues zu schaffen. Finde sogar Gefallen daran – was mich am meisten verwundert. Zeit verstreicht.

Fast vergesse ich, dass die Minutemen mir sagen, ich solle in Diamond City nach weiteren Informationen über den Verbleib meines Jungen fragen. Es sind einige Stunden ins Land gezogen, seit ich auch nur daran dachte, dass das hier eigentlich mein Auftrag ist. “Fallout 4″ hat mich. Ich bin verloren, schweife ab, verschwende Zeit. Völlige Idiotie eigentlich, wenn man mal dran denkt, dass es hier drum geht, meinen Nachfahren zu retten.

Darum denke ich auch nicht im Entferntesten daran, gleich nach Diamond City zu gehen. Stattdessen erobere ich neue Dörfer für die Minutemen, diesen anfänglich noch sehr kleinen, schwächlichen Trupp von Idealisten und helfe beim Wiederaufbau einer Welt, die sich vermutlich gar nicht wieder aufbauen lassen möchte.

Bis ein Funksignal kommt. Aus einer Polizeistation in der Nähe, etwas nördlich von Diamond City. Ich stelle das Radio darauf ein, gehe dem Signal nach. Komme an der Polizeistation an, die gerade überrannt wird. Fraktion 1 ballert auf Fraktion 2, keine Ahnung, wer hier wer ist. Ich sehe im Dunkel der Nacht nur Laserstrahlen aufblitzen und Ghule umfallen. Ghule, prima! Das sind die Gegner. Kräftig draufhalten, Stimpack einschmeißen, nachladen, noch einer, noch drei, noch eine Welle, hört das denn nie auf? Nachdem endlich Schluss ist und ich noch stehe, sehe ich, wem ich da geholfen habe. Mein Atem stockt.

Vor mir steht ein Typ in prächtigster Powerrüstung. Er wirkt drei Meter groß, seine Schultern so breit wie ein Bagger und seine Muskulatur nicht weniger eindrucksvoll als die eines T800.

Er stellt sich mir als Paladin Danse vor. Er muss nicht sagen, welcher Fraktion er angehört. Ich weiß, dass es nur eine gibt, die derartige Ränge führt. Und ich weiß, dass von jetzt an alles anders werden wird. Ich habe meine Bestimmung gefunden.

Die “Fallout”-Jahre: Übersicht

Ich zwinge mich die nächsten Tage mal wieder, regelmäßig etwas zu schreiben, teils aus Übung, teils einfach, um mal abseits des Beruflichen, das nun mal Nachrichtenjournalismus ist, auch was mit Emotion drin zu verfassen. Die “Fallout”-Tagebücher (natürlich voller Spoiler, anders geht’s nicht) finden sich deshalb hier in der Übersicht.

Teil 1
Teil 2
Teil 3

Teil 4
Teil 5
Teil 6
Teil 7
Teil 8
Teil 9

Die “Fallout”-Jahre, Teil 2.

Ich breche nicht sofort auf. Erst einmal durchforste ich das, was von meiner Heimatstadt übrig ist, nach allem, was mir irgendwie nützlich sein kann. Knacke den einen oder anderen Safe, finde mehrheitlich aber nur Schrott. Keine Ahnung, was ich mit einem goldenen Sturmfeuerzeug, einem Wecker oder leeren Flaschen anfangen soll. Aber ich bin pleite, das wird sich alles zu Geld machen lassen. Und Geld bedeutet Waffen, Munition, Rüstung, Stimpacks. Von all dem werde ich genug brauchen.

Eine Brücke, immerhin noch intakt, verbindet meine Siedlung mit der Außenwelt. Das Wetter ist immer noch traumhaft und obwohl mir diese zerstörte Welt offen steht, spiele ich erst einmal nach ihren Regeln, gehe also meiner Aufgabe nach und wandere gen Süden. Weil ich neugierig bin, schweife ich dennoch immer mal wieder ab, sobald sich auf der kleinen Karte in der Mitte des unteren Bildschirmrandes ein neuer Ort auftut. Etwa diese Tankstelle da. Die haben sicher noch was übrig, das ich mitnehmen kann. Wenn’s niemand sieht, ist es auch kein Stehlen. Doch dann zerreißt ein Bellen die Luft, ein Schäferhund stürmt auf mich zu. Ich weiß, dass ich die Waffe nicht ansetzen brauche, ich kenne diesen alten Knaben. Dogmeat, Begleiter seit es die “Fallout”-Spiele gibt. Ansprechen, streicheln, dem Tier zeigen, dass ich nicht sein Feind bin. Und schon folgt er mir, schon bin ich nicht mehr allein in dieser verlassenen Welt. Das entschädigt auch dafür, dass es in der Tanke nichts nützliches zu finden gibt, außer einer Notiz, die etwas mit Müll und einer Höhle südlich zu tun hat. Ach, was soll es, ich hab’s nicht eilig, schauen wir uns das halt mal an. Ist nur eine kleine Nebenaufgabe, eine kleine Belohnung am Ende, eine Handvoll Erfahrungspunkte obendrauf. Zu Beginn bin ich für alles dankbar, was ich haben kann.

Etwa die Konfrontation zwischen einem Dealer und einer Bar-Besitzerin, wenig weiter südlich. Ich kann schlichten, schließlich habe ich meinen Charakter zu Beginn des Spiels bewusst mit extrem hohen Werten in Intelligenz und Charisma ausgestattet und dafür auf Stärke, Ausdauer und Glück verzichtet. Besser erst mal reden, geschossen werden kann dann immer noch. Es klappt: Die beiden legen ihren Streit bei, die Frau kauft mir dafür alles mögliche ab und ich kann meinen Vorrat an Patronen aufstocken. War zwar bislang nicht nötig, aber immer besser, mehr als gebraucht wird, dabei zu haben.

Und immer noch nicht angekommen dort, wo ich eigentlich hin soll. Denn die Stadt im Süden ist nicht so klein wie meine Siedlung im Nordwesten. Man kann einen Supermarkt erkunden, empfängt plötzlich Radiosignale und hat näher betrachtet überhaupt keinen Grund, das alles hektisch anzugehen. Im Supermarkt begegnen sie mir zum ersten Mal: Ghule, jene Wesen, die vom nuklearen Fallout restlos jeder Menschlichkeit beraubt wurden und nun zombieähnlich nur noch attackieren, gieren, nichts mehr von dem sind, was sie einst waren. Schweifen wir kurz zur technischen Ebene ab: Das VATS-Kampfsystem funktioniert wie eh und je, außer, dass sich Gegner nun etwas schneller bewegen, also nicht still stehen, während man die Partien anvisiert, die man anschließend zu treffen gedenkt. Das sorgt eingangs schon für ordentlich Dynamik, schließlich ist man daran nicht gewohnt. Öfter als mir lieb ist, muss ich deshalb ohne VATS auskommen und in Ego-Shooter-Manier ballern, was weder zielgenau ist, noch wirklich effektiv. Munitionsverschwendung, das hasse ich ja am meisten. Zumindest, so lange ich noch nicht mehrere hundert Patronen in der Hinterhand habe.

Ba-zing, Level up. Altbekannter Klingelton, jetzt kann ich Punkte verteilen. Ähem, Punkte verteilen? Auch das gibt’s nicht mehr. Aus einer Übersicht wähle ich nun aus, was ich an Extra-Fähigkeiten nehmen möchte. Jedes Level up lässt mich eine auswählen, die ich allerdings auch nur nehmen kann, wenn ich die Herausfoderungen erfülle. Nichts mehr mit 10 bis 20 Punkte auf verschiedene Fähigkeiten wie Reparieren, Stehlen oder schwere Waffen verteilen. Das wirft mich nun ins kalte Wasser und kotzt mich ehrlich gesagt auch ein wenig an. Was soll das, nachdem es vier Spiele über prima funktioniert hat? Ist das ausgewogen? Ich bin verwirrt, stinkig, weil ich nicht weiß, worauf ich diesen einen, wertvollen Punkt nun setzen soll. Das ist doch bescheuert. Ich verspüre eine Abneigung gegen Neues, wenn es liebgewonnene Serien betrifft. Es soll alles ein wenig anders sein, aber eben nicht so anders, dass es nicht mehr ist, was es mal war. Protektionismus übler Gamer-Sorte, den ich ansonsten gerne ankreide, in diesem Fall aber schamlos selbst betreibe. In den kommenden Stunden wird sich das immerhin legen, aber verschwinden soll es das gesamte Spiel über nicht.

Es ist spät in der Nacht, als ich das Zielgebäude erreiche. Schüsse fallen plötzlich, man schreit mir zu, ich soll reinkommen, die Raider würden anrücken. Die Raider, dieser Abschaum, der ausnutzt, dass es nun kein Gesetz mehr gibt, keine Ordnung, diese Anarchie zelebrierende Bande, die eigentlich auch nichts anderes ist als ein Held, der gelegentlich stiehlt, Schlösser knackt, Computer hackt – nur um an besseres Equipment zu gelangen. Nichts besseres als ich. Nein, wir sind nicht gleich, wir verspüren keine Lust am überfallen Hilfloser, wir nehmen nicht von Menschen, nur von Ruinen. Ich lege an, drücke ab, werfe die erste Welle zurück, fliehe ins Gebäude.

Neue Freunde warten. Eine Truppe namens “Minutemen”, deren Name mich angenehm an die “Watchmen”-Vorgänger erinnert. Ich bin Lichtjahre davon entfernt, meinen Sohn wieder zu sehen, aber ich fühle mich auf seltsame Art nicht mehr alleine. Es wird eine lange Reise, aber eine, vor der ich keine Angst mehr habe.

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