random:notes

Deutschland, 2015

Der Zweite Weltkrieg ist seit 70 Jahren zu Ende und ich werde das Gefühl nicht los, dass sich in Teilen der Gesellschaft in dieser Zeit nichts getan hat. Sie nennen sich nun Pegida, Hogesa, es ist völlig egal ob der Ort Freital heißt oder Meißen oder Jenfeld. Es ist überall das gleiche Spiel: Sie nehmen für sich in Anspruch, Volkes Willen durchzusetzen, es ist wieder traurige Realität geworden, dass Asylbewerberheime brennen, dass Flüchtlingen, die unter Lebensgefahr in unser Land kommen erst mal unterstellt wird, nur aus wirtschaftlichen Motiven hier zu sein. Die Meldungen fallen vielfach schon gar nicht mehr auf – oh, wieder ein Hakenkreuz irgendwo hingeschmiert? Es ist beinahe Alltag – und das beziehe ich nicht auf meine Filterbubble, sondern das, was mir täglich in den Nachrichten, die ich als Journalist nun mal nicht nur konsumiere, sondern eben auch mache, unterkommt.

Und in den Kommentaren, den Zuschriften, bei Twitter, bei Facebook. Der braune Mob agiert nach dem immer gleichen Muster: Er maßt sich an, im Auftrag des Volkes zu handeln, das Volk zu repräsentieren, ein Volk, dessen Rechtschreibung er nicht einmal auf dem Niveau eines Viertklässlers beherrscht. Er tritt frech und frei auf, er traut sich nach draußen, in das vermeintliche Draußen, denn das Netz ist seiner Meinung nach ja immer noch anonym, er rechnet nicht damit, dass Postings als Screenshot einmal beim Arbeitgeber landen können. Falls er überhaupt Arbeit hat – denn wie immer sind die rassistischen Motive die gleichen: Neid, Missgunst, Angst vor dem Fremden, resultierend daraus, dass man im eigenen Leben nichts gebacken bekommen hat. Diese Leute sind kleine Niemande, aber sie sind nicht wenige und sie fühlen sich von einem imaginären “die da oben” von grundauf verarscht. Deshalb sind es heute noch Hakenkreuze, morgen schon brennende Asylheime und übermorgen wieder die ersten Toten. In der kleinen, braunen Welt ist das alles legitim, schließlich würde man im Falle eines Volksentscheides sowieso Recht bekommen – denkt man zumindest. Natürlich wissen sie nicht, dass sie in der Minderheit sind, dass der überwiegende Teil unseres Landes gegen sie steht und für Vielfalt eintritt, sich zu demokratischen Werten bekennt und einem Vierten Reich sicher keine Chance gibt.

Aber das ist ihnen Wurscht. Das nehmen sie gar nicht wahr. Was mich in den letzten Wochen besonders erschüttert, ist wie offen sie auftreten. Wie dreist. Wie sie beginnen, das Netz zu nutzen, wenn auch nur auf tumbe Art, wenn auch nur ohne jeden blassen Schimmer von dessen Dynamiken. Aber sie sind da. Und sie werden nicht weggehen. Höchste Zeit, etwas zu unternehmen.

Was tun gegen Nazis im Netz?

Zunächst einmal stellen wir fest, dass nicht jeder, der keine Asylbewerber will, ein Nazi ist. Ein Arschloch in jedem Fall, aber kein rechtsradikales Arschloch. Es gibt Abstufungen und bei denen, die noch in einer Art “Frühstadium” sind, lässt sich mit Bildung, mit Aufklärung, mit Fakten eine Menge erreichen. Sie haben Angst – diese Angst kann man ihnen nehmen. Ihre Angst basiert auf falschen Statistiken, auf aufgebauschten Meldungen, teils auch auf dem, was ein großes Boulevardblatt hier täglich veröffentlicht. Aber sie ist noch nicht so gereift, nicht so gefestigt, dass sie abseits einiger Kommentare mehr tun würden. Hier kann man überlegen, ob es nicht sinnvoll wäre, die Leute aufzuklären. Denn das tut Not. Neulich las ich ein Posting, wo ein zunächst rechts Auftretender nach einigem Zureden eine Entschuldigung für seine falschen Ansichten abgab. Das hat mich irgendwo beeindruckt, das möchte ich öfter sehen.

Das gilt nicht für die, die schon knietief drin sind. Die ganze Mischpoke aus Nazi-Verschwörungstheoretikern-Volksentscheidungsbrüllern etc. kann man abschreiben. Die wollen gar keine Fakten, ihrer Ansicht nach sind sie bereits in Besitz der “Wahrheit” und die ist ihrer Meinung nach in Deutschland ja verboten. Deshalb sehen sie sich als Teil eines kleinen, elitären Zirkels und planen schon mal den ersten Lynchmord nach der Machtübernahme, die ihrer Ansicht nach eh nicht mehr lange auf sich warten lassen kann. Wird natürlich nicht so kommen und dennoch muss man diesen Menschen immer und überall entgegentreten. Und zwar jeder so, wie er kann. Sei es, in dem man ihre Aussagen mit Klarnamen öffentlich macht, ihre Arbeitgeber darüber informiert, was sie hinter vermeintlich geschlossenen Facebook- und Twitter-Türen ablassen, ihre Accounts und Seiten meldet, ihnen jeden Tag auf’s neue klar macht, dass sie im Netz nicht willkommen sind. Und sie angeht, wo immer man sie auf der Straße antrifft – mit den Mitteln, die uns das Gesetz zur Verfügung stellt. Es gibt keinen Job, außer ihnen wieder und wieder zu zeigen, dass sie nicht willkommen sind. Dass sie sich verpissen sollen. Egal, ob im Bus einer einen Ausländer dumm anmacht oder im Supermarkt oder auf Demos. Es gibt ausreichend Mittel des zivilen Ungehorsams, um denen das Wasser abzugraben. Vor Jahren hat Freiburg gezeigt, was ein einfacher Sitzstreik an einem Bahnhof ausrichten kann: Die Nazis kamen nicht aus dem Zug, ihre Demo konnte nicht starten. Es müssen keine Flaschen fliegen, keine Steine.

Ich als Journalist sehe als als meinen Job, zunächst aufzuklären. Zu berichten, was wo los ist, wie das einzuordnen ist. Den Leuten dabei sicherlich die Gelgenheit bieten, sich eine Meinung anhand meiner Beschreibungen zu bieten, diese jedoch ist klar vorgefärbt davon, dass ich mich zu einem bunten Deutschland bekenne und damit gegen Rassismus. Dass ich das nicht weiter ausführen muss, erklärt sich von selbst. Deshalb mache ich aber nicht automatisch Meinung, wie sie mir als “Lügenpresse”-Anhänger gerne vorwerfen. Denn Meinung gegen etwas, das ein Verbrechen ist, muss man nicht machen. Das entlarvt sich alles von selbst. Das verstehen sie natürlich nicht und mittlerweile ist es Teil meines beruflichen Alltags, Drohungen zu erhalten, die von einfachen Beschimpfungen bis Gewalt reichen. Doch ich habe keine Angst.

Und das ist noch das wichtigste dabei – egal wie und wo man Rassisten entgegentritt. Sollen sie kommen. Sollen sie hierauf antworten. Sollen sie drohen. Meine Adresse steht im Impressum. Sie haben keine Chance.

wie ich leben möchte

Das Leben in unseren Zeiten mag hektisch sein und wir täglich einer Fülle an Einflüssen ausgesetzt, dazu kommt noch diese verdammte Hitze. Aber manchmal liest du etwas, das dich trotz allem nachdenken lässt. Das war bei diesem Tweet der Fall und ich habe mich auf dem Heimweg gefragt, warum es eigentlich nicht einfach cool sein kann mit uns allen.

Ich möchte in einer Gesellschaft leben, in der wir endlich einen Fick drauf geben, wie jemand aussieht, was jemand trägt, was jemand im Bett macht, woher jemand kommt, welche Farbe seine Haut hat. Es hat uns einfach nicht zu interessieren. Es soll eine Veranstaltung sein, wo wir sagen, dass wir den anderen einfach den anderen sein lassen. Das ist ein Mensch, verdammt nochmal und er ist nicht weniger wert, nur weil auf seinen Schuhen nicht “Nike” steht oder sein BMI oberhalb unseres eigenen liegt. Das, was wir an Werbeplakaten an der S-Bahn sehen, ist nicht unser Ideal, davon lassen wir uns nicht einreden, dass es so zu sein hat und alles andere automatisch quasi aussätzig ist. Wir akzeptieren einfach mal, dass wir alle Menschen sind und hören auf, denen, die nicht dem entsprechen, was grade die Mehrheitsmeinung ist, ein schlechtes Gewissen einzureden, weil sie zu viel auf den Rippen haben oder ihre Klamotten nicht die Labels tragen, die grade hip sind. Wir hören endlich auf, uns verscheißern zu lassen von Idealen, die irgendwelchen Werbern entsprechen, deren Interesse nur ist, dass wir die von ihnen beworbenen Produkte möglichst zahlreich kaufen. Wir hören auf, Sachen zu sagen wie “Aber das ist halt der Zeitgeist heute”. Wir lassen einfach jeden so sein, wie er oder sie es will.

Die Form von Liberalität, die ich meine, bedeutet nicht, dass uns der Nächste scheißegal sein soll – im Gegenteil: wir würden alles dafür tun, dass er oder sie sein kann, wie er oder sie sein will. Egal, was das auch sein mag. In dieser Gesellschaft möchte ich leben. Wo sich jeder verwirklichen kann. Wo sich niemand verstecken muss. Wo wir uns auf den kleinsten, gemeinsamen Nenner besinnen, der da nun mal heißt, dass wir alle Menschen sind. Und keine Trends, die allem nachrennen, das grade das Ding zu sein scheint, nur um möglichst unauffällig durchs Leben zu rutschen und uns dabei bloß nie fragen, was wir eigentlich sind, was wir wollen. Es soll jeder seinen Raum haben. Und zum Teufel mit denen, die jemandem warum auch immer seinen nehmen.

dumm

Manchmal…

… stell ich mir vor, wie es gewesen wäre, wenn ich nach dem Abitur nicht studiert hätte, nicht weggegangen wäre, nicht der geworden, der ich heute bin. Ich hätte eine Lehre gemacht, was einfaches, ehrliches. Automechaniker, Elektriker. Monatlich neunzehnhundert Netto, ein basisausgestatteter Golf VI, der abzubezahlen wäre, eine dreieinhalb Zimmer Wohnung, deren Kredit noch 30 Jahre läuft. Vermutlich eher ein Haus. Nine-to-five-Job, danach Bier auf, gelegentlich mit den Freunden einige Käffer weiter in die Disco, dort irgendwann die Frau fürs Leben kennenlernen, drei Jahre später ebenso viele Kinder haben, alles in geregelten Bahnen. Sie arbeitet irgendwo als Verkäuferin, ich schraube an Zeug rum. Abends heimkommen, Essen steht auf dem Tisch, früh ins Bett, früh raus. Wochenenden dazu nutzen, shoppen zu gehen oder Scheiße zu kaufen, die wir eh nicht brauchen. Zwei mal im Jahr Pauschalurlaub, Fotos davon auf Facebook posten. Twitter? Nie gekannt, nie für interessiert. Nix mitbekomen von GamerGate, von Nazis in Freital, keine Meinung über die Homoehe außer einem Schulterzucken. Einfach ein Leben führen, wo einem alles scheißegal ist, wo es nur drum geht, dass das Konto gedeckt ist und der Kühlschrank voll. Sowas richtig einfaches. Nie mal dran gedacht, ein Buch zu lesen, stattdessen lieber den nächsten Dämlichblockbuster im Kino schauen. Nie mal dran gedacht, sich sozial oder sonst wie zu engagieren, maximal im örtlichen Schwarzwaldverein und da auch nur, damit die Leute im Ort nicht denken, man wäre irgendwie komisch. Maximale politische Beteiligung: alle vier Jahre wählen gehen. Wen, ist eh egal, “die da oben” sind ja in Berlin, das ist weit weg und ich wohne auf dem Land, ich kleiner Mensch kann doch eh nix tun. So ein richtig schönes, kleines Leben, nach dessen Ende nix bleibt, das irgendwie noch erwähnenswert wäre außer: “Jo, hat halt gelebt”. Wichtiger als irgendwas zu hinterlassen war es schließlich, dass die Kinder pünktlich aus dem Kindergarten abgeholt werden und der Wagen über den TÜV gebracht. Außerdem wollten Hans-Peter und Joachim später noch in der Dorfkneipe paar Bierchen machen. Nie mehr als drei, niemals was mit Exzess, niemals sich selbst verlieren, immer schön die Contenance gewahrt, immer schön angepasst geblieben. Nie laut geworden, nie mal auch nur einem eine Kippe geschnorrt (immer eigene Kippen dabei zu haben, ist von elementarer Bedeutung!). Nie Gedanken gemacht, die über die Ortsgrenze hinaus gehen. Ein Leben, das sich nur um sich selbst gedreht hat, nur darum, sich fortzupflanzen und dann zu sterben, auf dem Weg dorthin Geld zu verdienen, Geld ausgeben, nicht über irgendwas hinter den Dingen nachdenken, sondern einfach nur tun.

Manchmal denke ich, so dumm zu sein, wäre vielleicht nicht schlecht.

(Der Hintergrund zum Titel dieses Beitrags. “Dumm” soll in diesem Sinne nicht abwertend gemeint sein.)

Uwe Boll im Interview

Die WASD hat einen wunderschönen Relaunch hingelegt. Leider sind die alten Beiträge seither aber nicht mehr auffindbar. Macht nix, dafür hat man ja digitale Kopien. Und weil’s nicht verloren gehen soll, hier nochmal das Interview mit Uwe Boll. read on my dear »

31

Irgendwie ist es so ein wenig eine Tradition geworden, dass ich mir selbst zum Geburtstag schreibe. Vermutlich, weil das eine ganz angenehme Art ist, das Jahr mal Revue passieren zu lassen (Silvester brauche ich dafür nicht unbedingt). Also, was ist die letzten 365 Tage passiert? read on my dear »

Ronja († 29.04.2015)

Es ist kalt, als wir im November 2005 durch den Herrengarten laufen, wir drei und du. Es wird Winter und man merkt das deutlich und da sind diese drei Menschen, die einen Käfig aus Plastik und Metall tragen und darin befindet sich eine Pappbox und darin bist du. Wir wissen nicht, ob du männlich oder weiblich bist und das ist auch egal, denn wir wollen, dass du bei uns wohnst und da bist du nun, wirst durch die halbe Stadt getragen, nur um danach erst einmal in deinem Käfig zu sitzen, ohne herauszuschauen. Tagelang. Irgendwo ist dieses Kaninchen und es traut sich nicht raus und wir sitzen davor wie die Schlange vor … nun ja, und warten.

Mit der Zeit kommst du dann. Schaust raus, trinkst Wasser, frisst das Futter, das wir extra für junge Hasen gekauft haben, zeigst, dass du da bist. Wir schaffen es, dich handvoll Tier zu nehmen und auf eine Decke auf unser Bett zu tragen. Da sitzt du, bewegst deinen Kopf auf und ab, schnüffelst, schaust dich um, springst mal wenige Zentimeter vorwärts, dann wieder einige zurück. Du bist schüchtern, ich ehrlich gesagt auch, denn ich habe nie ein Tier gehabt, es war nicht drin, nun bist du der erste Hase, der hier wohnt und der erste, von dem ich sage, dass ich möchte, dass er zu meinem Leben gehört.

Wir nannten dich Ronja, weil Ronja Räubertochter eine coole Sau ist, die sich von niemandem was sagen lässt. Was für eine Vorahnung – denn genau so würdest du werden.

Wir hatten heute viel zu tun. Es ist ein durchwachsener Tag im April 2015. Die letzten Dinge des Umzugs stehen an, diese verdammte Couch, diese verdammte Küche. Ich schlafe seit Tagen miserabel, ich will es endlich hinter mir haben, ich habe Angst, dass es nicht klappt wie ich es will, wie ich es möchte. Es ist noch so viel zu tun und als ich das Bett um sieben Uhr verlasse und dran denke, dass ich um neun bereits abgemacht hatte, meine Helfer zu treffen, denke ich nicht an das, was mir meine Freundin gesagt hat: “Der Hase sitzt ganz lethargisch da.” Jaja, denke ich, das hat sie davor schon, die ist tough, die packt das wie alles, mach dir mal nicht unnötig Stress. Ich schau mir das später an. Es wird (fast) kein Später mehr geben.

Du bist nun eindeutig weiblich, das haben wir festgestellt. Du hast dich prima in der WG eingefunden. Es ist 2006 und ich schlafe kaum noch eine Nacht durch, weil du jede Nacht den Käfig verlässt. Warum sollte man diese Tür auch geschlossen halten, das ist doch Scheiße. Nein, spring raus, renn über die abgezogenen Dielen, tob dich aus. Fresse das Kabel meiner Xbox 360 an, das meines TV-Geräts, fresse die Tapeten exakt 10 bis 15 cm runter, randaliere jede Nacht. Das ist dein Wesen. Du bist nicht bequem, du bist nicht friedlich. Du bist ganz schön wild, ungestüm, du lässt dir nichts sagen. Niemand hat dir Vorschreibungen zu machen. Du bist hier der Chef und wem das nicht passt, der wird dann eben halt gebissen und einige Menschen lernen schmerzhaft, dass so ein Hase mit lediglich einer Handvoll Zähnen doch ganz ordentlich zupacken kann. Ich lasse dich gewähren. Es sind meine beiden Zimmer, es sind deine beiden Zimmer. Wenn du nachts rausspringen willst und Randale machen, dann mach das. Das ist ok.

Es ist etwas später als ein Uhr, als ich meinen Scirocco in der Einfahrt parke. Ich bin so froh, dass dieser Tag heute geklappt hat, dieser letzte Umzugstag, an dem wir nun endlich alles geschafft haben. Ich schaue nochmal nach dir, einfach weil ich sehen will, was meine Freundin heute Morgen meinte, weil ich sehen will, dass das alles nicht gestimmt hat, dass es dir gut geht, dass du die alte Kämpfernatur bist, die du immer warst.

Dein Atem geht flach. So verdammt flach. Du bewegst deine Vorderläufe kaum noch. Du siehst mich an. Ich sehe dich an. Ich streichle dein Fell, weich wie immer, gepflegt wie immer. Da hat du nie was auf dich kommen lassen. Bis zur letzten Minute.

2008, wir ziehen um. Du kommst öfter auf die Wiese, vertreibst Katzen, die dich blöd anmachen, bewahrst Haltung, zeigst, wer hier der Boss ist. Es nervt mich, dass wir dich im Winter nur in einen kleinen Außenkäfig sperren können, ich versuche, dich so oft es geht in den Wintergarten zu tun und mein Mitbewohner meint, es nervt ihn, wie du riechst. Ja mei, ein Hase riecht nun mal.

Es wird in der nächsten Wohnung besser. Wir wohnen alleine, du hast den gesamten Wintergarten für dich. Du springst wieder rum, ich höre nachts, wie du tobst und freue mich. Du bist nun sieben Jahre alt. Es geht dir prima und auch wenn wir die Bude nach nicht mal einem Jahr verlassen, hast du noch alles, was dich immer ausgemacht hat: Kampfgeist, Eigenständigkeit. Du lässt dir nichts sagen von egal wem, nur weil du ein Kaninchen und damit Low-End bist. Scheiß auf die alle, du setzt dich durch und niemand hat dir zu erklären, wie das läuft.

Ich weiß, dass du heute Nacht sterben wirst. Meine Freundin weiß es. Wir sitzen auf dem Balkon, trinken Bier, weinen, haben das Licht in deinem Zimmer angelassen. Du sollst dich auf deinem Weg auf die andere Seite nicht verlaufen.

Du mochtest den vierten Umzug. Du standest an der Fensterfront, konntest überall hinschauen, hast den Hund kennen gelernt und auch wenn er nicht deine Gewichtsklasse war, ihr habt euch verstanden.Es hätte ewig so weiter gehen können. Du wärst fast 10 Jahre alt geworden. Für ein Kaninchen eine überaus stattliche Zahl. Du hast eine Grippe überlebt, was für Kleintiere sehr selten ist und einen fetten Schnupfen, der normalerweise binnen wenigen Tagen tödlich sein kann. Dich hat nichts umgehauen. Du warst ein Kämpfer, ein kleines Tier mit ganz eigenem Wesen, mit ganz eigenem Willen. Du hast dich nie kaufen lassen, nie mit was konform gemacht. Es war dein Weg oder keiner. So einfach war das.

Ich halte deinen Körper in meinen Händen. Da ist kein Herzschlag mehr. Meine Freundin nimmt sich Taschentuch nach Taschentuch aus der Box. Du schläfst. Nach einer langen Zeit, die wir gemeinsam hatten. Der Hund leckt nochmal über deine Nase. Du reagierst nicht mehr. Der fünfte Umzug, es war sowohl mein letzter als auch deiner.

wir haben uns wieder lieb

Ein persönlicher Blick zurück auf die “Souls”-Reihe, nachdem nun einige Stunden “Bloodborne” gespielt wurden. read on my dear »

#SupportOurBro

Wo fange ich das an? Vielleicht damit, dass ich ein wenig was über mich schreibe, dafür hab ich das hier ja, das ist ja mein kleiner Ort hier im Netz, wo hier und da mal einiges geht und dann, wenn ich nichts schreibe, wieder nichts.

Manchmal, morgens im Bett, wenn ich noch nicht so recht aufstehen möchte, aber auch nicht mehr richtig schlafen kann, denke ich über dies und jenes nach. Darüber, wie es wird, wenn ich eines Tages sterbe, darüber, warum alles endlich ist und am Anfang schon feststeht, dass ein Ende da sein wird, darüber, wie es ist, zu verlieren. Mich, meine Arbeit, meine Existenz. Ich habe Angst davor, so verdammt große Angst. Ich kann es mir nicht vorstellen, ich will es nicht, mein Hirn blockiert ab einem gewissen Punkt und das ist vielleicht auch so eine Art Selbstschutz. Dabei war ich oft genug dort: Ich hab den Krebs überlebt, ich hab Jobs gehabt, Jobs verloren, Geld gehabt, war an der Pleite, hatte Liebe, habe Liebe verspielt – und trotzdem ging’s irgendwie weiter. Die Möglichkeit an eine Sackgasse war nie da, wenn auch oft nahe.

Und nun trifft es einen Menschen, den ich kenne. Den ich mag. Den ich umarmt hab, mit dem ich Autoscooter fahren war, der in meinem Haus Gast war, dessen Lächeln ich kenne, dessen Freundschaft ich schätze, an dessem Leben ich Teil habe. Er steht da, vor dem Nichts. Es ist weg, alles, es ist diese Situation, vor der ich immer Angst hatte, er hat sie nun. Wie ist das, wenn du die Augen morgens auf machst und nicht in deinem Bett liegst, sondern irgendwo und dran denkst, dass dein Bett weg ist, deine Bude, alles, was drin war, all die Erinnerungen, einfach alles? Ich habe mal eine Bankkarte verloren, zwei Mal, das war schon fies die Tage über, bis eine neue kam und ich hab was gelernt darüber, wie es ist, wenn du in dieser, unserer Gesellschaft plötzlich ohne Geld dastehst. Wie aber ist das, wenn du ohne alles dastehst? Ich weiß es nicht. Ich will es nicht wissen.

Ich will helfen. Und das haben wir heute getan. Ich will, dass Danny wieder auf die Beine kommt, tun, was ich tun kann, meinen Beitrag leisten, egal wie fucking bescheiden der ausfallen mag. Nicht, weil ich damit meine Dämonen besiegen will, das werde ich nie tun können. Sondern, weil ich einen Freund habe, den ich nicht vor die Hunde gehen sehen will. Weil mir die Situation so nahe geht, als würde es mich betreffen, weil seine Angst meine ist, weil ich irgendwo, wenn auch vielleicht nur zu einem Prozent, fühle, was er grade durch macht. Weil ich Situationen in meinem Leben hatte, wo andere für mich da waren – und drum mehr denn je heute weiß, wie wichtig es ist, da zu sein.

Wenn ihr was tun wollt.

seine ganz eigene Show

Aus der Reihe “Volker wird alt” (oder: noch älter. Oder: schon wieder.). read on my dear »

Katzengold raus, #2

… und weiter geht’s. Die “Regeln” bleiben die gleichen. read on my dear »

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