random:notes

einfach mal nicht nehmen

Das musste raus. Nicht weil ich besser bin oder war, sondern weil ich das System kenne, das Spielchen, die Strukturen, die daraus resultierenden Probleme. Und weil ich’s ändern will. Um unseretwillen, um die Glaubwürdigkeit von jedem einzelnen da draußen, der täglich versucht, nen guten Job zu machen. Ich habe diesen Text geschrieben, damit es meine Studis irgendwann vielleicht nicht mehr nötig haben, solche Texte zu schreiben.

re: re: Sieg Hain

Was immer sich an gerechtfertigter Empörung über das Format “Sieg Hain” sagen ließe, hat Rainer hier bereits besser zusammengefasst, als ich es könnte. Wie die Beteiligten reagiert haben und wer sich sonst noch nicht mit Ruhm bekleckert hat, liest man unter diesem Posting von Fabu. Dieser Beitrag ist mehr eine Ergänzung.

Seit rund einem Monat arbeite ich daran, 30 Studenten meines “alten” Studiengangs Online-Journalismus das Thema Schreiben über Games näher zu bringen. Ich versuche, den Kids zu erklären, dass ein anderer Journalismus möglich ist und wir keine Waschmaschinen besprechen, dass wir keine Wertungskästen brauchen, dass wir über Erlebnisse, die zwischen uns und dem Spiel stattfinden, berichten. Mag man NGJ nennen, mag man schlicht als veränderten Bedarf der Leser sehen, nämlich nach Texten, die es gedruckt nicht gibt, sondern die Blogs wie Polyneux, Shodannews und Superlevel zu liefern in der Lage sind. Wir machen das nicht mega-fancy, wir gehen keine akademischen Abhandlungen über das Ludische durch, es sind immer noch Studis einer FH, die irgendwann in Redaktionen landen werden und mein Job ist es, ihnen bis dahin einen anderen Blick auf die Dinge zu vermitteln; zu zeigen, dass verknöchterte Schreibe nicht das Ende der Fahnenstange ist. Wenn ich das bei nur einem der 30 schaffe, war es schon ein Erfolg. Dass viele von ihnen nicht zocken und keinerlei Erfahrung mit Games haben, sehe ich als Bereicherung. Sie sind quasi “unverbraucht”, unvoreingenommen.

Genau das ändert sich durch solche Formate. Sie sind in der Lage, das Bild, gegen das ich in jeder verdammten Sitzung antrete, locker weiterbestehen zu lassen: Schau mal, diese verdammten Freaks, diese Vollhonks, die keiner haben will. RTL 2.0. Kein “Gaming ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen und wir schreiben aus genau dieser heraus”, sondern “Spiele sind weiterhin Teil einer Masse tumber Kids, die seit Neuestem mehrhetlich auf Youtube anzutreffen sind, die solche Trailer auch noch wohlwollend aufnehmen, sich dran aufgeilen und alles andere als smart sind”. Kurz: Sowas bringt die Sache nicht weiter, sondern ist ein Rückschritt.

Sicher, man kann da nun rangehen und sagen “Scheiß drauf, ich schreib nicht noch drüber und biete denen so eine Plattform.” Wie infantil man in der hiesigen Spielebranche mit (berechtigter) Kritik  (oder meinetwegen auch nur Meinungsäußerung) umgeht, haben die vergangenen Tage schließlich eindrucksvoll illustriert (und das ist übrigens nicht erst seit gestern so): 2014 ist man noch nicht in der Lage, ein simples “Ich find euch scheiße” unkommentiert stehen zu lassen, sondern muss das ganz große Fass aufmachen. Schön, machen wir es auf. Ich werde nicht mein Maul halten und dererlei einfach stehenlassen, während ich jungen Menschen das genaue Gegenteil beizubringen versuche. Die Reichweite sei euch gegönnt, das ist nichts, ein Furz im Wind, ein verfehltes Vermarktungsmodell, dass darauf basiert, dass Masse automatisch gut sei. Die brauch ich nicht, die wird auch dieser Beitrag nicht bekommen. Der dient lediglich meinem eigenen Seelenheil: Ihr habt Scheiße fabriziert – und da draußen sind Leute, die das nicht unkommentiert stehenlassen, die es weiterhin anders machen werden. Euer Müll macht meine Bemühungen nicht kaputt – er verstärkt sie nur.

Blut geleckt

Lords of Shadow 2 soll daran nun anknüpfen und versucht dabei die Quadratur des Kreises: Es will nicht ganz das Alte sein, aber eben auch nicht völlig neu, sondern ein wenig von beidem. Damit könnten wir hier schon abbrechen und sagen, dass das ja nur danebengehen kann, aber im Großen und Ganzen ist es das leider nicht. Leider? Ja, leider.

Muss noch beendet werden, lag nun dank Dark Souls 2 doch länger rum als nötig. Ist nämlich nicht schlecht.

umgehauen

Auf Nintendo hoffen! Genau. Die sind ohnehin gebeutelt genug, weil die Masse tumber Gamer lieber Knack kauft als Super Mario 3D World. Weil sich Big N standhaft weigert, Smartphones zu bedienen. Weil die Wii U keinen interessiert, der nur nach mehr Power sucht statt nach eigenständigen Spielerlebnissen. Schön. Also wäre geklärt, wie es weitergeht: nur noch Wii U Games zocken! Hoch die internationale Nintendo-Solidarität!

ZombiU. Großartiges Teil. Den Rest bei Polyneux.

Wie viel noch?

Eine spoilerfreie Besprechung zu The Walking Dead: Season 2 – Episode 1 erscheint mir dahingehend schwachsinnig, dass ein Spiel, das derart stark auf durch Story und Interaktion erzeugte Gefühle wie das hier vorliegende setzt, schlicht nicht ohne starken Bezug auf die Geschichte rezensiert werden kann. Da wir bei Polyneux aber ein Wohlfühlblog™ sind, gibt’s ausnahmsweise die Doppelpackung: Ein Mal mit, ein Mal ohne Spoiler. Bitte lest erstere nur, wenn ihr mit dem Spiel bereits durch seid.

The Walking Dead Season 2 Episode 1. Mehr bei Polyneux.

was ich mir für das Jahr 2014 für über Spiele berichtende Menschen wünsche

Für Journalisten

Weitermachen. Wie immer. Alles wird gut! Das Internet muss überwunden werden und bis dahin werden unsere Kenntnisse im Übersetzen englischsprachiger Primärquellen (nicht zu verwechseln mit Copy & Paste-Journalismus) immer besser! Bitte weiterhin fleißig Eventbilder posten und die Messebabe-Wichsvorlagengalerien nicht beerdigen! Und bloß nicht die Prozentwertung vergessen!

Für Spiegel Online (Carsten Görig)

Durchhaltevermögen. Dranbleiben! Selten so ein unterhaltsames Format gelesen, das schlicht alles richtig macht. Bloß nicht auf die blökende Masse hören, stattdessen ein CMS-Plugin basteln, das jeden Kommentar, der “echte Gamer”, “sie haben keine Ahnung von Games” oder “sie haben das Spiel nicht verstanden” enthält, automatisch löscht. Das ist ernst gemeint.

Für Blogger (nonkommerziell)

Bitte weiterhin Texte schreiben, die möglichst viele der darin angesprochenen Personen ausschließen. Was keinen Schachtelsatz oder Fremdwörter enthält, kann nicht gut sein! Weiterhin konsequent vorbeischreiben lautet die Devise, nicht etwa einen Text verfassen, den sogar die Mama verstehen könnte (das fällt unter “Für Journalisten”). Weiterhin vergessen, ausblenden oder schlicht ignorieren, dass nicht alle Gamer Gender Studies-Absolventen sind, stattdessen Wikipedia-Links überverwenden, wenn der Idiot schon nicht weiß, was Derailing ist. Und bitte Flamewars in den Kommentaren, unbedingt auch persönlich! Wenn der Text nicht gefällt, muss der Verfasser schließlich scheiße sein. Ganz wichtig: Weiterhin nicht den Circle Jerk verlassen, es kann schließlich nur wenige geben, die die Wahrheit kennen. Jesus hat ja auch nur 12 Kumpel dabei gehabt und nicht ‘ne Großraumdisko voller geistiger Kleinwagentuner.

Für Blogger (kommerziell) / Semiprofessionell gemachte Gamesseiten Betreibende

Bessere Adblocker. Oder zumindest einen Wochenendlehrgang in Rächtschraipunk. Danke.

Für Social Media Manager

Mehr Hashtags! Mehr Katzenbilder! Bloß nichts Persönliches reinbringen, bloß keine Persönlichkeit aufbauen! Stattdessen viel mehr seitenlange Strategien (bitte auch in PPT), in denen Postinglängen und -Zeiträume bis auf den letzten Buchstaben/Sekunde festgelegt werden. Mehr schlaue, zur Debatte anregende Fragen wie “Und was meint ihr?” Und bloß die Interaktionsrate im Auge behalten!

Für Let’s Player

Copyright-Klagen von dreckigsten Abmankanzleien mit dreistelligen Mitarbeiterzahlen, bis auch der letzte davon verschwindet, etwa um was anständiges zu machen (“Spielejournalismus” fällt nicht darunter).

Für gute Gaming-TV-Formate / Podcasts

Kennen wir uns?

Für Fanseiten

<3

2013 in kurzform (will das jahr einfach endlich zu ende haben und nicht mehr weiter drüber nachdenken.)

2013

26 Games #09: F

Fallout 2

Verdammt. Zwei Runden ausgesetzt, einmal wegen Faulheit, das andere Mal war’s was anderes. Anyway, 26 Games, Runde 09, Buchstabe “F”, das wird ein Spaziergang.

Und zwar einer durch eine Landschaft, die nach dem atomaren Overkill nicht sterbend dahinröchelt, sondern auf ihre eigene Art recht lebendig geblieben ist. Da gibt’s Mutanten, Raider, Rad-Skorpione und ein Moralempfinden, dass man sich für die Endzeit wünscht: gar keins. Denn “Fallout 2″ ist ein Schwein von einem Spiel, genau wie sein Vorgänger. Es entlässt mich in eine Endzeit-Vision, deren Mantra “Und Krieg, Krieg bleibt immer gleich” lautet und deren Primäraufgabe für meinen selbstgebastelten Charakter Überleben lautet. Um zu überleben, töte ich. So gut wie alles. Random-Event, bei dem mir eine Karawane mit Frauen und Kindern übern Weg läuft? Wunderbar, die haben sicher Munition dabei, vielleicht noch neue Waffen. Oh, sie wollen handeln und brauchen Hilfe bei einem Problem mit Raidern, dieser umherziehenden, plündernden Pest? Nocht besser! Erst knall ich die Raider ab, hol mir ihren Loot, dann wird die Karawane erledigt. Warum? Weil ich schon oft genug beschissen wurde von Leuten, denen ich hier draußen geholfen hab und die mich danach tot sehen wollten als Dank. Nein, nein, das hier ist “Ich oder du” und das die gesamte Spielzeit über. Der verrückte Max sendet einen Gruß.

Zumindest, so ich “Fallout 2″ auf diese Art spielen möchte. Ich versuch’s dagegen öfter mal auf die soziale Variante, erledige Sidequests, derer es schön viele gibt, gewissenhaft. Schließlich wird am Ende abgerechnet und je nachdem, wem ich geholfen hab, werden andere Screens über den Monitor flimmern, in denen mir dann vorgeführt wird, wie sich meine Taten auf den Fortbestand der einzelnen Dörfer ausgewirkt haben. Allen kann man es allerdings nicht Recht machen und manchmal muss Blei sprechen. Etwa im Casino, wo sie mich eh von vorneherein nicht haben wollen und zum Handlanger eines fetten Mafiosi gemacht haben. Den leg ich äußerst gern um. Schließlich ist mein Charakter mittlerweile herumgekommen, hat ein Auto gebaut, ist einige Male aufgestiegen, top ausgerüstet und im rundenbasierten Kampf (Aktionspunkte!) erfahren. Vor allem aber hat er fetten Backup der Brotherhood of Steel, diesen technophilen Schwerstrüstungs-Trägern, die mit ihren Überwaffen alles zu Kleinholz verarbeiten, dass ihren Weg kreuzt und ihnen dumm kommt.

Was mich an “Fallout 2″ begeistert hat, war der Schwierigkeitsgrad. Der ist so dermaßen hoch, vor allem im Endgame, dass ich stolze zehn Jahre herumversucht habe, bis ich es dann endlich gepackt habe (Update: Ha, gelogen! Acht waren es). Dann war’s allerdings auch recht locker, denn hat man das Spiel erst mal verstanden, ist es relativ fair. Wichtig ist, worauf man den Charakter drillt, was man an Nebenerfahrung sammelt, dass man auch mal auf Erkundungstour geht. Schließlich warten diverse Heftchen, die Instant-Upgrades in verschiedenen Fähigkeiten spendieren, darauf, gefunden zu werden. Ach, diese herrliche, offene Welt. So groß, so viele Dörfer, so viele Zufallsbegegnungen, so ein einsamer, kalter Soundtrack, bei dessen Klängen es heute noch schaurig-schön den Rücken runterläuft, allen voran dem meistgehörten “Desert Wind”, der immer dann läuft, wenn man durch das karge Ödland zieht.

Letztlich hat der Stammesangehörige, den ich spiele, natürlich einen edlen Auftrag: Er soll dafür sorgen, dass sein Dorf Arroyo in den Besitz eines “Garden Eden Creation Kit” (G.E.C.K.) kommt und somit vor dem Austrocknen bewahrt wird. Nur wie und wo ich das finde, das gilt es, im Laufe einer langen, langen Reise selbst zu erfahren. Die muss übrigens nicht alleine bestritten werden: Wer sich geschickt anstellt, kommt durchaus in den Genuss schlagkräftiger Mitstreiter, etwa des Mutanten Marcus. All das hat jedoch seinen Preis, wie alles in dieser Postapokalypse. Nichts ist umsonst hier, es sei denn, man erkauft es sich mit Gewalt. “Fallout 2″ ist dabei durchaus erwachsen, nicht nur in der Darstellung (weshalb die deutsche Version massiv geschnitten erscheint, aber seinerzeit zieht man sich nen Bloodpatch und die Sache ist wieder cool), sondern auch den Dialogen. Gepsickt mit Wortwitz, Sci-Fi-Anspielungen, Cameos, die von Elvis bis Ufos reichen – alles dabei. Und wehe, man klickt im Auswahlmenü auf die “falsche” Antwort. Dann hat ein bislang harmloser Dialog schnell tödliche Konsequenzen. Kein zweiter Versuch. Kein Händchenhalten mit dem Spieler. Stattdessen das Entlassen in eine Welt, in der selbstbestimmt vorgegangen wird – inklusive aller Auswirkungen. Alles, was Bethesda zehn Jahre später in die dritte Dimension hieven wird, ist hier und im Vorgänger schon vorhanden. Und das 1998! Immer noch ein verdammter Meilenstein. Ich würd’s gern mal wieder spielen.

miet mich.

Denn mit Games wie dem neuen Zelda zeigt der Konzern, dass er nicht nur für eine Software steht, sondern letztlich für ein einzigartiges Spielgefühl, fast schon ein eigenes Genre.

The Legend of Zelda: A Link between Worlds. Großer GOTY-Anwärter. Mehr bei Polyneux.

die dreckigen Fünf

Die fünf wichtigsten Games dieser Konsolengeneration bringen zunächst ein wenig Überforderung mit sich. Nur fünf? Viel zu wenig. Es gab über die Jahre hinweg so viel Gutes, so viel Erwähnenswertes, wie soll ich da selektieren? Überhaupt: “Wichtig”, was ist das schon für eine Beschreibung, wie lässt sich das operationalisieren? “Wichtig” im Sinne von “prägend für andere Spiele”, “Prägend für Spiele an sich”, “künstlerisch wertvoll”, “kommerziell erfolgreich”? Es mag so vieles passen und darum seien hier einfach die fünf Games aufgelistet, von denen ich mit Sicherheit sagen kann, dass sie generationenübergreifend sind, dass sie in 20 Jahren noch genauso gut funktionieren werden wie heute.

Die Nahaufnahmen-Redaktion blickt auf die vergangene Konsolen-Generation zurück. Deren Highlights gibt’s hier nachzulesen. Schön geworden!

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