Web 2.0 war gestern

Heute abend ab etwa 17 Uhr findet sich hier ein Live-Mitschrieb dieser Veranstaltung, dazu noch einige kleinere Anmerkungen: Zuerst einmal blogge ich das im Auftrag des HR (”HR-iNFO” ist einer der Veranstalter), dafür erhalte ich auch Geld. Dafür erhalten meine Auftraggeber einen Beitrag aus persönlicher Sicht. Entsprechend ist das hier Wiedergegebene nicht nur subjektiv, sondern diese Subjektivität auch ausdrücklich erwünscht. Soviel vorab, erwähnenswert ist vielleicht noch, dass mir die Referenten Thomas Pleil und Lorenz Lorenz-Meyer persönlich bekannt sind, schließlich sind beide Dozenten meines Studiengangs Online-Journalismus. Das HR-iNFO-Blog findet sich derweil hier.

17:13 Etwas verspätet die Begrüßung, kleine Erinnerung an eine ähnliche Konferenz zum Thema „Internet“, damals wohl mit dem O-Ton „Das wird ja alles nix“ (gar nicht so weit von der Wahrheit entfernt?). Rückblendenromantik zur Computerentwicklung, als 50MB noch „Massenspeicher“ bedeutete. Ob das nun alles gut ist, was heute so passiert? Die Kids heute sind ja ohnehin schneller, wenn’s ums Simsen oder Rechnerzusammenbauen geht. Stimmt, so etwas ähnliches denke ich bisweilen, wenn im ICE wieder zwei halbpubertierende ihren DS Lite über WiFi miteinander verbinden und ich noch nicht mal sicher bin, ob ich weiß, was WiFi ist.

Mahnung zum Schluss: Kritisch mit Technik umgehen. Schließlich ist nicht alles Gold was glänzt. Oder alles zukunftsträchtig, was 2.0 heißt. Würde ich sagen.

17:19 Begrüßung vom HR-Mann. Zu Beginn etwas „Typisches“ aus dem Web 2.0, das virale Marketing und der Todesstern. Das ist ja ein lustiger Zufall: Als ich den Clip neulich einigen Kollegen empfohlen hab, meinte man zu mir, das wäre ja antiquiert. Trotzdem zum Lachen, die Benz-Verschaukelei, ist ja auch wahr.

Feststellung: Web 3.0 klingt schon ein wenig anmaßend. Aber 2.0 ist ja auch nicht mehr so jung, drum wird’s langsam Zeit für was Neues. Da müssen dann auch welche gehen. Wie schaut’s mit Namen aus?

17:26 Unterschied des GC-Besuchertags und einer handelsüblichen PK: Viel mehr Newbies in Leipzig, gar nicht so viele Professionals. Da ich selbst dort war, könnte ich hier nun einige Kollegen nennen, auf die das durchaus zutrifft. Aber der Abend ist ja noch jung und der GC-Vergleich dient nur dazu, zu illustrieren, dass man heute mit den Newbies rechnen muss, denn dass sind die Jungs mit den Laptops, die ganz schnell mal was bloggen oder multimedial arbeiten mit ihren Handycams und Flickr-Accounts, einfach, weil sie es gar nie anders gelernt haben.

17:27 Don Alphonso wird als Blogger mit „spitzer Feder“ vorgestellt. Hi-hi.

17:28 Frage in die Runde: „Wer kennt Twitter?“ Thomas Pleil und Lorenz Lorenz-Meyer melden sich als einzige und verteidigen heldenhaft die avantgardistische Stellung des Studiengangs Online-Journalismus. Aber wie.

17:32 Auftritt Don Alphonso mit der Frage „Wer von ihnen weiß, was RSS ist?“ Tatsache, dass sind einige. „Wer nutzt es?“ Naja, immer noch ein paar. Dann aber gleich der Abriss zur New Economy und die Frage: Wenn die damaligen Erlösmodelle den Bach runter gingen, welche gibt es denn nun im 2.0 und funktionieren die? Fakt ist: Kostet alles nicht mehr so viel wie früher und Beta ist heut nicht mehr der Inbegriff von Unausgereiftem, sondern beinah schon Qualitätsmerkmal. Man erinnere hier an Portale, die gar unter diesem Namen laufen, ganz uneigennützig.

17:40 „Die Leute wollen im Netz sein, jetzt ist die Frage, wie kriegt man sie wieder?“ So, jetzt geht’s ums Bare. Das erklärt man anhand des „Donaukuriers“, dessen Webangebot keine Sau interessiert, während „Party bei uns“ den Traffic holt. Hätte man auch durch „Kaff.eins“ ersetzen können oder ähnliche Spaß-Portale. Die funktionieren selbst am Bodensee, da treibt sich meine kleine Schwester meiner Meinung nach deutlich zuviel drin rum. Und trägt damit dazu bei, dass Web 2.0 funktioniert.

17:45 „Es ist einfach so, dass Menschen heute im Internet bereit sind, Sachen von sich zu äußern, die sie sonst nicht täten.“ Ja, daraus resultieren dann die Zusatzaufgaben für Human Resources, auch bei StudiVZ und Co. nach ihren Aspiranten zu stalken. Was doch arg fair ist, ich denke da an BWLer, die dann im Vorstellungsgespräch eklären dürfen, warum sie im StasiVZ in Gruppen wie „Eure Armut kotzt uns an“ waren. Amüsant, allerdings. „Für mich ist Twitter völlig unverständlich“ - Don Alphonso sieht sich als zu alt für die SMS-Schreiber. Kann’s mit dem Alter zu tun haben? Ich bin 23 und damit 17 Jahre jünger und „zu alt dafür“ ist bei mit noch untertrieben.

17:49 So, jetzt aber mal Schluß mit dem Zynismus hier (also beim Blogger, nicht beim Referenten, der ist nämlich gar nicht zynisch und sehr umgänglich, keine bösen Sachen hier, noch nicht mal Berlin-Bashing). „Was sie nicht tun sollten, wenn sie mit Web 2.0 in Kontakt kommen, ist es auf die harte Tour versuchen“ - nun doch noch ein wenig Geschichtsstunde, das Transparency-Debakel als Beispiel dafür, dass Blogger nicht gerade machtlose Zeitgenossen sind. Selbst die Longtails in der letzten Reihe, die hier kein Wlan haben und zum Posten der Updates immer den Raum verlassen müssen. Der Herr Kollege auf dem HR-Blog tippt übrigens deutlich schneller als ich.

17:56 So, nun aber Tacheles: „Copycats amerikanischer Startups“ als potentielle Risiken. Und kein Raunen im Saal? Da klingeln doch beim Nachwuchsblogger alle Alarmglocken. Stattdessen ein schönes Ende mit „Versuchen sie’s einfach.“ Nun erst mal Fragestunde. Aus dem Publikum kommt „Zählen solche Plattformen wie Second Life auch zum Web 2.0“ - so, darauf sag ich nun mal wirklich gar nix, nein, das muss nun nicht sein. Stattdessen ein kleiner Verweis, wir sind ja transparent hier.

18:05 Nach einer kleinen Erweiterung der Runde auf Thomas Pleil, Karlfried Thorn und Ksithij Gupta die Frage: Wie nähere ich mich als Unternehmen dem Web 2.0 vorsichtig an? Don Alphonso meint, dazu braucht es zuerst einmal ein Produkt, über das man schreiben kann. Bei Unternehmen mit langfristigen Produktionszyklen macht das seiner Meinung nach keinen Sinn. Ein Beispiel hierfür sind Autos, denkt hier nun gar jemand an das Daimler-Blog? Das fragt man doch am besten Thomas Pleil, der auch gleich sagt, dass die Ojs (die Siebtsemester mit PR-Schwerpunkt) das Daimler-Blog grade in Form eines Projekts beobachten. Und man drüber streiten kann, ob es überhaupt ein internes oder externes Blog ist. Immerhin steht fest, dass es ein Blog ist. Karlfried Thorn empfiehlt nicht jedem, etwas im 2.0 zu machen. Die IHK macht immerhin schonmal ein internes Wiki („Das ist glaube ich auch Web 2.0.“) und stellt fest: Bloggen ist nicht derart beliebt in der Firma. Kshithij Gupta rät ebenfalls dazu, nur zu bloggen, „wenn es Sinn macht.“

18:19 Thomas Pleil erklärt Twitter. Das interessiert mich nun aber wirklich, vor allem: Was bringt mit das denn nun? Pleil stellt fest: „Ich kann in den Raum fragen, wenn ich ein Problem habe und bekomme relativ schnell eine Rückmeldung.“ Also das, was früher die Mama und der Papa übernommen haben, der Quell universeller Weisheit. Aber natürlich schneller als die Eltern, die denken ja auch nicht in DSL-Geschwindigkeit. Alles in allem erinnert das an eine Art Forum, um mal im Web-Bereich zu bleiben. Nur direkter. Natürlich inklusive den etwas sinnfreieren Einträgen, die man bisweilen ja auch in Foren findet. Und die erregen auch den Unmut von Thomas Pleil.

18:31 Frage aus dem Publikum, was denn die Corporate-Blogs bringen, Nutzerzahlen und dergleichen, was man heute gemeinhin als Qualitätsmerkmale rezipiert, betreffend. Don Alphonso warnt vor Werbung, die ja im Netz niemand haben will, Thomas Pleil bemerkt, dass Produktblogs häufig in „die Kategorie langweilig“ fallen und merkt an, dass es nicht auf die Reichweite oder Nutzerzahlen ankommt. Dennoch die Rückfrage, wie lange es denn nun dauert „bis ein Blog läuft.“ Jetzt aber Erfolg her, aber dalli? Sobald das Konzept gut ist, sagt Thomas Pleil. Also nochmal: Erst denken, dann bloggen.

18:40 „Hilfe, da gibt es jemand, der sagt uns seine Meinung!“ - Thomas Pleil nennt die typischen Ängste der Businessblog-Betreiber und sagt auch klar: „Sie können den Leuten nicht das Maul verbieten.“ Tacheles 2.0, während derweil auf der Leinwand das HR-iNFO-Blog abgespielt wird. Mit zahlreichen Kommentaren, wow. Aber die sind ja auch Business, ich bin nur das Longtail und sträflich underdressed. Und damit passe ich ja genau in das Schema jener, denen man nun nicht verbieten kann, die Meinung zu sagen. Plebs 2.0.

18:46 Publikumsfrage: „Über 42% aller PR-Leute haben laut einer Umfrage keine Ahung, was Web 2.0 bedeutet“ - Erneut ein stilles Lachen seitens des Longtail-Liveblogger und die Frage: Was für eine Ahnung haben denn die anderen 58% - und was bedeutet Ahnung? Don Alphonso erklärt zuerst einmal, dass Marketing in Communities alles andere als einfach ist. Stimmt, ich kann mich nicht erinnern, in irgendeinem Social Network schonmal auf den Hockeystick-Banner geklickt zu haben. Der war nämlich dank Adblocker gar nicht sichtbar.

18:50 Jetzt aber mal eine Feststellung: Wir reden schon viel zu lange über Blogs. Ebend. Ist doch nicht alles, was es im 2.0 gibt.

18:57 So langsam neigt sich der erste Teil der Veranstaltung dem Ende zu, nun werden dann gleich die Bloggenden samt Output vorgestellt. Danach Networking, was gestern schon den einen oder anderen Rebellmarkt-Leser zu einem „Gut, dass morgen die Bahn streikt“ bewegt hat. Die Brezeln schauen aber lecker aus und Braustübl gibt’s auch. Eine Pfungstädter-Katastrophe wurde also gekonnt vermieden. Derweil wird Rebellmarkt übrigens auf der Leinwand angezeigt, betreffender Eintrag samt Kommentaren, während Don Alphonso anmerkt, dass man bei den ganzen 2.0-Anwendungen viel zu viel die Kontrolle über seine Infos verliert. Beispielsweise Saufbilder im StasiVZ? Hier lacht das BWLer-Herz. Und der Longtail-Blogger bringt das noch fix vor der Networking-Pause online, StasiVZ-Bashing hat schließlich oberste Prio, ASAP und FYI.

20:02 Eine Lucky Strike, ein Braustübel und einige Erklärungen später geht’s nun mit dem Web 3.0 weiter. Das Web 3.0, das ist das „Netz der Sinne“, so zumindest der Titel des Vortrags von Nadeem Bhatti vom Fraunhofer Institut für Grafische Datenverarbeitung. (Kann es sein, dass sich die Reihen während des Networkings etwas glichtet haben? Liegt am Bahnstreik, klare Sache. Deshalb gibt’s auf den Flipcharts ja auch einen gemalten Mitfahrplan, wo jeder schreiben kann, wo er hinfährt und wie viele Plätze er noch freihat. Auf der Re:Publica hätten sie das per SMS über den Beamer erledigt).

20:05 Womit erklärt man die Unterschiede zwischen 1.0, 2.0 und 3.0 am ehesten? Mit Sternchen. In der Steinzeit, als Männer noch Männer waren und das Fleisch rot, glaubten die Menschen daran, dass die Sterne die Lagerfeuer anderer Menschen wären. So war das auch im 1.0, als jeder isoliert vom anderen Unterwegs war und man die Vorzüge des < a href – Befehls dann scheinbar noch nicht kannte. Das war wohl alles zu BTX-Zeiten, also mit 50MB Massenspeicher und dergleichen. Dann kommt das „Semantic Web“, also das Erkennen und Vernetzen von Daten, die Geschichte mit der Struktur. Und daraus macht eine Gruppe von Astronomen dann den Himmelsatlas. Abzüglich einiger Millionen für Sportwagen, Schuhwerk und Abendbegleitung. Schließlich kommt dann 3.0, das ist eine neue Qualität des Verständnisses, also Web 2.0 und Semantic Web und Kollektive Intelligenz (das Kollektiv des 2.0 als intelligent zu bezeichnen, finde ich derweil dann doch etwas weit aus dem Fenster gelehnt). Abseits dieser etwas persönlichen Klammerbemerkung bezeichnet Bhatti die Kollektive Intelligenz als das, was nötig ist, um 2.0 und Semantic Web zusammenzubringen (abzüglich einiger Millionen für… ?).

20:15 Das ist nun aber alles arg theoretisch, drum Praxis: „Photo Tourism“, das schaut dann so aus: Fotos von Flickr nehmen, 3D-Modell draus bauen und das für jeden zugänglich machen. Der etwas ältere Studiengangsleiter zu meiner Linken bemerkt während eines neuerlichen Hustenanfalls einen Tick zu laut „Das ist gut. Das ist sehr gut.“ - gibt’s sowas nicht schon, mit schlechterer Grafik und Problemen durch böse Nutzer, bekannt unter dem Namen „Second Life“?

20:16 Schon das nächste Beispiel, eine Internet-Karte mit eingebauten Stauinfos, Wetterinfos und wieder Bildchen und Webcam-Livebildern. Ähem, es ward eine Erfindung, die da hieß „Navi“. Gut, das hatte kein Wlan und konnte weder Google-Maps noch Wetter-Widgets implementieren, Ajax-basiert war’s ja auch nicht, aber für Verkehrsinfos hat’s dennoch gelangt, den Rest besorgte die Wetterinfo aus dem Radio. Eine einfache Frage: Wer hat dieses 3.0-System dort wo er es braucht – nämlich in seinem Auto, auf der A-sonstwas zwischen Salzgitter und Braunschweig, wo der Stau ist und es kein Wlan gibt?

20:28 Jetzt wird’s technisch – internetbasierte Wissensinfrastruktur, semantische Technologien, man erinnere daran, dass einer der drei anwesenden Kommilitonen noch vor der Pause gefragt wurde, wie man denn nun „in dieses Web 2.0 komme“. Was natürlich nicht andeuten soll, dass hier irgendjemand überfordert sein könnte. Der Studiengangsleiter merkt an „Das ist Darmstadt, da sind mindestens fünf Nerds irgendwo, die das interessiert.“ Ich gebe zu, beim Thema „Semantic Extraction from multimedia content and Metadata“ auszusteigen, zomfg teh w00t (!!!1), das ist dann doch zu Nerd, quasi die Web 3.0-Garage, wo die Jungs sitzen und etwas entwickeln, das heute noch niemand versteht, morgen aber jeder haben will. Mit ist das nun wirklich alles ein wenig zu vernetzt.

20:38 Old economy meets 3.0, als ein Anwesender darauf aufmerksam macht, dass es bei all den nützlichen Daten aus der vorgestellten 3.0-Applikation doch auch zu Wettbewerbsverzerrungen kommen könne. Höchste Zeit für den Ausblick, der da „Semantische Visualisierung“ lautet und aus vielen Bildern besteht, die durch Pfeile miteinander verbunden sind. Dazu gesellt sich eine Deutschlandkarte, da finden die 3.0-Anwendungen dann Anwendung. Bald. Noch bälder findet der Longtail-Blogger nun mal eben die Toilette. Und den Brezelkorb.

20:49 Mit stattlichen 19 Minuten Verspätung gibt’s nun Tilo Barz zum Thema „Noch schneller, noch bunter, noch effizienter – Wie Medienunternehmen morgen kommunizieren“ (Tatsache, der Kommentar, der noch vor dem Vortrag unter diesem Beitrag erschienen ist, war „noch schneller“). Barz grenzt das ganze erst mal auf den Bereich Journalismus ein. Der Saal leert sich erneut ein wenig, die Lokführer haben den Arbeitsbetrieb wohl nicht wieder aufgenommen. Nun gut.

20:54 So, jetzt erst mal die Boni des WWW, die da lauten schneller, ausführlicher, bewegter. Alles kann’s und meist auch noch für lau, das allerbeste dabei: Im 2.0 kann man „den Spieß umdrehen und selbst hineinsenden.“ Zum Beispiel als Live-Blogger (gab übrigens keine Brezeln mehr). Für die Medien bedeutet das, dass sie die Kontrolle über ihre Inhalte verlieren, kann ja jeder Blogger schreiben, was die SZ auch tut (immerhin wird der „Kannibalisierungs“-Begriff nicht verwendet, danke dafür).

20:57 Ha, da kommt die Haptik des Papiers ja doch noch dran! Aber nur ironisch als Randbemerkung, genau wie die Schallplatte und die CD. Schöner Vergleich „Wer nichts tut, der geht den Weg der Schallplatte“ - und endet in einer Nische. Der Kommilitone, dessen Plattensammlung mehrere hundert dieser Nischenprodukte umfasst, nickt in einer Mischung aus stolzer Anerkennung und Trotz.

21:00 Content on Demand gut, Event on Demand schlecht. Blogger on demand? Gleich mal als Geschäftsmodell vermerkten und Räumlichkeiten in Berlin anmieten. Für die Agentur. Jetzt gibt’s jedenfalls Thesen satt, vom Ende des Mainstreams bis zum Fortbestand der professionellen Medien, die da ja auch noch gebraucht werden. Haptik des Papiers und so? Nein, eigentlich geht es darum, die Übertragungswege zu erweitern und Zielgruppen besser zu fokussieren. Fazit: Manche machen morgen noch das, was sie heute machen. Die besseren beschäftigen sich weniger mit sich selbst und gucken über den Tellerrand. So, das war nach dem arg technokratischen, letzten Vortrag auch wirklich erfrischend, Geist wieder frei, höchste Zeit für die letzte Diskussione heute, featuring Lorenz Lorenz-Meyer, Dr. Michael Klein, Utz Paul Karpenstein und Tilo Barz.

21:14 Kurze Raucherpause, kaum reingekommen, legt Lorenz-Meyer auch wieder gut los (man erinnere breit grinsend an eine Veranstaltung im Museum für Kommunikation): „Klassische Medien finden keinen Absatz mehr“, darauf die Frage, ob es denn ein zehn Jahren noch die Regionalzeitung gäbe. Hach, da ist sie ja doch, die Kannibalisierung, das Damoklessschwert Web 2.0, wo alles gratis ist und der Profi nix mehr wert. Wurde langsam ja auch Zeit. Standardantwort Lorenz-Meyer: Natürlich geht sie nicht kaputt (natürlich sind die Renten sicher), aber das wandelt sich doch alles. Wie war das mit Brecht und dem „nur wer sich verändert, bleibt sich treu“ nochmal?

21:18 „Wir können uns hier totdiskutieren über Web 3.0, wenn wir die Leute nicht dort abholen, wo sie stehen, wird sich da nicht viel tun.“ - dafür ein großes Word an Utz Paul Karpenstein, aber ein ganz Großes. Muss auch mal gesagt werden.

21:24 „Herr Lorenz-Meyer, was sagen sie denn ihren Studenten, bereiten sie die auf Hungerlöhne vor?“ auf eine Publikumsfrage, wo denn nun das Geld herkommen soll bei all dem 2.0, 3.0 und so weiter. Die Antwort: Dank 2.0 findet auch jeder seine Kunden ein wenig einfacher und kann gezielter werben, trotz Klickraten von 0,04% aufs Banner. „Maximale Reduktion der Streuverluste“ nennt das Michael Klein. Das reicht der Publikumsfragerin aber nicht, nochmal nachhaken, wie denn nun das Unternehmen die 50k, die es in Homepage und Mashups gepowert hat, wieder reinbekommt (als Verluste abschreiben kommt scheinbar nicht infrage). Utz Karpenstein merkt an, dass ihm die Emotionalisierung der Thematik fehlt und er seit seiner zehnmonatigen Mitgliedschaft im StasiVZ auch selbst zwei Gruppen gegründet hat.

21:33 Gerade aufgefallen, dass der Saal mittlerweile auffällig leer ist. Eigentlich sollte es ja auch schon seit drei Minuten Häppchen geben. Falls es nach der Veranstaltung noch Häppchen geben wird.

21:34 Michael Klein merkt an, dass es heute sicher zig Werkzeuge gibt, aber nicht den Zwang, sie zu benutzen. Das ist dann wie mit dem Brand:Eins-Aufmacher über das Können, da muss man schon ehrlich zu sich selbst sein und auch sagen, dass man etwas nicht kann. Bloggen beispielsweise. Oder ein sicheres Social Network aufbauen.

21:38 Lorenz-Meyer zur Frage, was das denn nun alles nützt, wenn man sich drauf einlässt: Was auch immer man da will, man muss damit rechnen, dass es nicht steuerbar ist, man nicht in althergebrachter Weise planen kann und da ganz neue Kompetenzen für professionelle Journalisten gefragt sind (< Schleichwerbung> da gibt es nahe Darmstadt einen Studiengang, da bekommt man so etwas beigebracht < / Schleichwerbung>).

21:41 Und damit Ende.

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16 Kommentare

  1. avandgardistische stellung?
    da muss ich was verpasst haben. ;)

  2. REPLY:
    schwer avantgardistisch, gerade wird thomas pleils twitter-account gut sichtbar auf die leinwand gebeamt. :)

  3. Tilo Barz (anonym)

    Kartenfunktionalitäten im Auto? Guggst Du:

    http://www.youtube.com/watch?v=1FJHYqE0RDg

  4. REPLY:
    besten dank :)
    ich gebe zu, bei der 3.0-geschichte kurzzeitig ausgestiegen zu sein, das war dann definitiv einen tick zu hoch, oder: am nutzer vorbei.

  5. Kristof (anonym)

    Von dem Pfungstädter da hab ordentlich Kopfschmerzen bekommen.

  6. Netzjournalist

    “Rückblendenromantik”, das Wort erlaube ich mir zu klauen, eignet sich hervorragend für einen Vortrag morgen. (-; Ich will ja nicht lobhudeln - aber dieses Liveblogging ging doch ganz gut von der Hand. Herrje, wenn mein Vortrag nur schon fertig wäre.

  7. REPLY:
    kein problem, klauen ist doch im 2.0 geschäftsmodell. ich hab’s schließlich auch leicht abgewandelt übernommen.
    Und thx für die Lobhudelei :)

  8. REPLY:
    Sie fanden dort Pfungstädter vor? Ich hatte lediglich ein Braustübl, der Vorrat davon war ja arg begrenzt.

  9. Kristof (anonym)

    REPLY:
    Oh verdammt, Braustübel war’s. Darum hat das so geknallt, daß ich mich nicht mehr an die Marke erinnern kann. Autsch.
    Der Vorrat hat sich aber wie durch Magie immer wieder erweitert, wie die ewigen “letzten beiden Tassen” am HR-Puzzle-Stand. :D

  10. Sky80 (anonym)

    Hi,
    find den Text sehr unterhaltsam. Fand auch die Veranstaltung ganz gut.
    Schöne Grüße
    Sky

  11. REPLY:
    Ich bin ja mit den hiesigen Biersorten nicht sehr vertraut, da es im Supermarkt gegenüber meist Rothaus gibt, was natürlich unbedingt vorzuziehen ist. Schädelbrummen habe ich mittlerweile aber auch, zuviel Atari Teenage Riot gehört. :)

  12. REPLY:
    Danke.
    Die Veranstaltung fand ich dahingehend interessant, da man doch deutlich gemerkt hat, dass zwischen dem Wissen jener, die 2.0 finanzieren sollen und dem Wissen derer, die es machen, bisweilen eklatante Lücken bestehen. Aber das ist sicher nicht nur in diesem Bereich typisch, ich verstehe ja auch nicht, was mir ein Automechaniker über meinen kaputten Fiesta erzählt.

  13. REPLY:
    ah, also doch noch multimedia, besten dank :)

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