die Bäume werden doch auch von selber grün

(”Sag alles ab”, Tocotronic) Üblicherweise mache ich um das Fischwickelblatt für Halbgscheite und Gentrifizierungsgewinner ja ganz gerne einen Bogen, während ich - wie so viele Altersgenossen - natürlich täglich mehrfach und ziellos dessen Onlineableger ansurfe. Warum auch immer, anerlerntes Nutzerverhalten vermutlich. Diese Woche dagegen hat mich schon das Titelbild erwischt. Und die Story dahinter, auch wenn gerade einmal eineinhalb Seiten davon gelesen sind. Völlig egal, denn worauf es hinausläuft, kann man sich vorher denken: abschalten.

Richtige Einstellung. Heißt: Es gibt Arbeitszeiten und Zeiten, in denen nicht gearbeitet wird. Und eines darf nicht in das andere übergehen. Also nach Uhrzeit X keine e-Mails beantworten, rigoros und ohne Debatten darüber. Zeiten, in denen kein Anruf entgegengenommen wird, egal wer am anderen Ende der Leitung etwas will. Und vor dem Schlafengehen nicht mal “noch schnell online was checken, aber ich komm gleich ins Bett, Liebling!” als Ausrede für den Zwang, permanent Social Network, Kurznachrichtendienst und Blog mit neuen Inhalten zu versehen.

Ich habe demnächst zwei Wochen Urlaub, den ich nicht in Deutschland verbringen werde. Sobald ich gelandet bin, bleibt das Handy aus. Der Abwesenheits-Assistent des Mailprogramms wird nicht lauten “Ihre Mails werden in dieser Zeit nur sporadisch gelesen”, sondern “Ihre Mails werden in dieser Zeit weder gelesen noch weitergeleitet”. Immerhin: Auf das TV zu verzichten, fiel mir noch nie schwer. Und Leute mit einer unnatürlich hohen Anzahl an Tweets in Relation zur Dauer ihrer Twitter-Fanboischaft (sagen wir mal +5.000 in 12 Monaten), waren mir schon immer grundsuspekt. Ich hab also eigentlich das Zeug, ein richtig guter Offliner zu sein, wenn ich es sein will. Zeit, das auch mal konsequent durchzuziehen, mit dem rauchen aufhören war schließlich auch kein Problem.

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