(”All I Want”, The Offspring) 17:20 Uhr, Elektroschrottgroßhandel eins. Für 54,99 Euro liegt es da, “Red Dead Redemption” und ich denke “Hmm, hieß es Freitag nicht, die hätten es für 49,99?” aber gut, fünf Euro, gleicher Preis wie Amazon. Dann sehe ich, dass es 64,99 kostet und denke mir nur “Nee, also sorry, aber dafür gibt’s dann im Web die Special Edition. Fuck off”.
17:30 Uhr, insolvente Kette. Spiel ist nicht da. Vermutlich besser.
17:35 Uhr, Fachgeschäft, das nicht gerade für faire Preise bekannt ist. 64,99 Euro. Leckt mich einfach.
Rückblick, Donnerstag letzte Woche, Heathrow Terminal 1. Hier ist es für 34,01 Pfund zu haben und ich könnte rumbrüllen vor Wut, weil nur noch PS3-Versionen im Regal zu finden sind, die Xbox 360-Version dagegen ausverkauft ist.
Wie kommt es eigentlich, dass Games hierzulande so verdammt teuer sind, frage ich mich. Und weil ich keine Antwort darauf weiß, frage ich Google. Google weiß nicht allzu viel, außer einigen Forenbeiträgen. Aus denen ist zu entnehmen, dass die Mehrwertssteuer dort zwar nicht so hoch ist wie hier, aber der Unterschied einen Preisunterschied von 30 Euro nicht rechtfertigt. Und 30 sind ja noch harmlos, da muss nur mal wieder eine ordentliche Schwankung in der Währung drin sein und schnell sind wir bei einer Ersparnis jenseits der 50-Prozent-Grenze. Also, die Sache mit der Steuer zieht nicht.
Lokalisierung? Ja, die gilt für Österreich und die Schweiz auch. Und dort finden sich auch ähnliche Spielepreise. Das solls schon gewesen sein? Ich frag mich, was Synchronsprecher in dem Fall verdienen müssen und überlege, den Beruf zu wechseln. Nein, das kann’s nicht sein, nicht bei den Absatzzahlen, die Games hierzulande machen.
Überhaupt, Zahlen. Nehmen wir mal den AAA-Titel “Read Dead Redemption” und nehmen wir an, die Herstellungskosten haben tatsächlich 100 Millionen US-Dollar betragen. Nehmen wir das Mittel des günstigen UK-Preises und des teuren Deutschland-Preises und damit 50 Euro. Verkauft sich das Game also zwei Millionen Mal, sind die kosten wieder drin, man macht fortan Gewinn. Zwei Millionen mag erst mal gigantisch wirken. Und dann kommt “Halo: ODST”, das binnen eines Monats 1,5 Millionen Mal über die Ladentheken geht - allein in den USA. Von “Modern Warfare 2″ gar nicht erst angefangen, das ging am ersten Tag weltweit rund sieben Millionen Mal weg. Und die Liste derartiger Games ist lange, also kurzgesagt: Die Produktionskosten sind schnell wieder drin (gleiches gilt auch für einen nicht-AAA-Titel, hier ist zwar der Preis niedriger, dafür auch die Produktionskosten).
Nun liegt die Vermutung nahe, dass es sich mit der Gamesindustrie mittlerweile verhält wie mit der Musikindustrie: neun von zehn Veröffentlichungen machen miese, eine räumt fett ab und holt alles raus. Schön. Was, wenn mir die neun Veröffentlichungen am Arsch vorbeigehen und ich nur die zehnte will? Ich zahle kummuliert für alle. Sechzig oder siebzig Euro. Schön, könnte man sagen, früher waren Games auch teuer. Stimmt sogar, teilweise. N64-Titel waren meist im Bereich 100 bis 120 DM, weil Nintendo eine restriktive Preispolitik über die Cartridges treiben konnte. PS-One-Games waren billiger. Und PC-Games lagen auch nicht wie heute bei (umgerechnet, durchschnittliche Inflation inklusive) 90 DM.
Und damit ist das ja noch gar nicht zu Ende: Wenn dann bereits zum Releasetag der erste DLC angekündigt wird, fehlt mir das Verständnis vollends. Denn in dem Fall (oder auch bei einer Ankündigung zwei bis vier Wochen später) war der zusätzliche Content schon zum Zeitpunkt der Fertigstellung garantiert genauso fertig und musste nur aus der Schublade geholt werden. Kostenpunkt: Zwischen zehn und zwanzig Euro. Konkret: “Fallout 3″ plus alle fünf Add-Ons liegt damit bei 110 Euro, “GTA 4″ mit beiden beim gleichen Preis. Wenn man sofort zuschlägt. Und die Hersteller wissen sehr wohl, dass vor allem Kids, die die Games für ihre Schulhofkredibilität brauchen, zu den ersten Käufern gehören. Der Frage, woher die eigentlich die Kohle haben, widmen wir uns besser gar nicht (davon abgesehen, dass in einem Land, in dem der Jugendschutz funktionieren würde, Kids gar nicht die Möglichkeit hätten, “Fallout 3″ oder “GTA 4″ zu erwerben).
Woher nehme ich die Kohle? Nun, heute habe ich sie nicht ausgegeben. Ich hätte sie, das wäre nicht das Problem. Aber es kotzt mich an und ich sehe es nicht ein. Was tun? Warten. In einigen Monaten liegt es für deutlich weniger Geld rum. Und laut aktuellen Berechnungen bin ich drei bis vier Mal im Jahr in London, da wird’s schon irgendwann mal günstig zu haben sein. Ich kann warten, auch wenn’s grade nervig ist, einfach weil es viele Freunde spielen und empfehlen - und das natürlich auch ein Verkaufsmechanismus ist, der noch immer am besten funktioniert (fettes PR-Budget und awarenessgeile Klicknutten, die keine Ahnung vom Web 2.0 haben, sind da ein Dreck gegen).
Alternative: Konsole modden lassen (80 Euro), Rapidshare Jahresaccount (60 Euro), 20er Spindel DVD-Rohlinge (irgendwas Euro). Und drüber ärgern, dass Xbox Live nicht mehr möglich ist, dafür aber die Möglichkeit haben, jeden Titel erst mal ausgiebig zu testen (und zumindest in der Theorie bei Gefallen dann doch noch zu kaufen). Nein, definitiv nicht meins, auch wenn ich einsehe, dass es Gründe geben mag (was beispielsweise Ubisoft und EA in den letzten Wochen in Sachen DRM tun, spielt jedem Raubkopierer geradezu in die Hände, während es jeden ehrlichen Kunden in die Fresse tritt). Kurz: Keine große Alternative, Kulturflatrate ausgenommen, sollte das wirklich je umgesetzt werden. Wäre ich ein Spielehersteller, der regelmäßig Titel auf den deutschen Markt wirft und Preise dafür verlangt, die jeden britischen und amerikanischen Käufer vor Lachen unter den Tisch rollen lassen, würde ich vieles dafür tun, dass es nicht so kommt und ich weiterhin eifrig kassieren kann und alle, die nicht zahlen wollen, als Kriminelle aburteile.
Was aber, wenn mal nicht mehr alle zahlen wollen? Das geht schließlich auch ohne Kulturflatrate. Einfach mal ein Game nicht kaufen, sich danach nicht über den hohen Preis ärgern, nicht darüber, dass zwei Tage später nochmal ein Zehner für den DLC fällig ist und drei Wochen drauf gleich nochmal. Einfach drauf geschissen. Macht es einer, interessiert es keinen. Reichts dagegen mal vielen, wird man sehen, was man davon hatte. Das ist der Part, auf den ich mich freue. Das wird der Tag sein, an dem man gezwungen ist, einzusehen, dass es Dinge gibt, die man nicht ewig treiben kann ohne das auffällt, dass hier was ganz gewaltig schief läuft (ähnliches steht SEO noch bevor, da wird das noch schöner, weil’s da nicht nur Firmen, sondern auch eine lange Reihe selbsternannter Onlinesuperheroes erwischen wird, die außer nem weit aufgerissenen Maul wenig zu bieten haben). Bis dahin kann ich warten. Und “Red Dead Redemption” dann mitnehmen, wenn es zu einem Preis herumliegt, den ich für mich als vertretbar erachte und bei dem ich mich als Kunde nicht fühle, als würde ich nicht nur den Arsch hinhalten, sondern noch dazu auffordern, mich in selbigen zu ficken.