Media Whore


6
08 2010

von Eichen und Schweinen

machinarium

“We released the game DRM free which means it doesn’t include any anti-piracy protection, therefore the game doesn’t bother players with any serial codes or online authentication, but it’s also very easy to copy it. Our estimate from the feedback is that only 5-15% of Machinarium players actually paid for the game. If you decide to buy the game, you can be sure you’ll support directly the developers, not any big publisher or distributor.”

Das mit den fünf bis 15 Prozent zahlenden Kunden ist natürlich eine äußerst optimistische Schätzung. Aber: Man kann auf zweierlei Arten darauf reagieren, dass es Raubkopien gibt. Man kann hingehen und schreien “Die bösen Schweine, alle verknacken!” und absolut nichts ausrichten. Man kann DRM-Maßnahmen entwickeln, die ehrliche Käufer gängeln und dem Image von sowohl Firma als auch Produkt langfristig schaden (auch wenn kurzfristige Gewinne drin sind). Was bringt es? Gar nichts. Raubkopierer lachen sich schlapp, umgehen jede DRM-Maßnahme und zocken schon, während sich Käufer, die bezahlt haben, drüber ärgern, dass sie zum spielen permanent online sein müssen und der Dienst des Publishers ihren Registrier-Code nicht fressen will. Sehen wir es also ein: Es ist und bleibt schlecht für den Kunden. Und: Es wird Raubkopien geben, keine Maßnahme hat das bislang verhindert. Damit kommen wir also zu Möglichkeit zwei: Leben wir mit Raubkopien und ziehen wir unsere Lehren draus. Das hier wird ein Beitrag genau darüber.

Was der Entwickler von “Machinarium” im eingangs zitierten Blogbeitrag sagt, ist nicht gerade unverschachtelt. Zunächst ist da die Rede von “doesn’t bother players” - sprich: Es nervt nicht mit dem, was Ubisoft, EA und Co. abziehen. Man weiß sehr wohl um die Gültigkeit von “DRM is bad for the customer”. Richtiger Schritt. Konsequenz: Man kann es kopieren - “very easy”. Heißt: Andere Games kann man genauso kopieren, nur nicht so leicht. Konsequenz: Kopiert werden kann alles, wird über kurz oder lang alles und zu glauben, man könne dem zuvorkommen, man könne Mechanismen entwickeln, die diese Entwicklung unterbrechen, ist schlicht und ergreifend nur dumm. Davon abgesehen, dass das derart investierte Geld letztlich genau dann sinnlos wird, wenn der Erste das Programm geknackt hat.

Am meisten beeindruckt hat mich der letzte Satz: Das Geld geht an die Entwickler und unterstützt diese, es geht nicht an einen Publisher. Einen Publisher etwa, der Geld für sinnlose DRM-Maßnahmen herauswirft. Oder Werbekampagnen, deren Erfolg äußerst zweifelhaft sind. Oder Social-Media-Strategien, die von Leuten entwickelt werden, die nichts können außer ihr Nichtskönnen gut zu verkaufen. Alles schon viel zu oft selbst mitbekommen. Die Parallelen zur Musikindustrie könnten größer nicht sein, denn auch in der Spielebranche werden Flops sehr wohl einkalkuliert, auch hier setzt man lieber auf Massenkompatibliltät (und damit erhoffte, sichere Umsätze) und Gefälligkeit statt auf kreative Produktionen. Statt Geld in letztere zu stecken und sich damit bei einer erwachsen gewordenen Spielergemeinde einiges an Kredibilität zu holen - die sie übrigens liebend gerne jedem zuschreibt, der ein entsprechendes Produkt abliefert! - setzt man auf Jahresupdates zum Vollpreis. Und wundert sich, wenn sich Kunden verarscht fühlen, wenn mangelnde Innovation kritisiert wird. Oder Spiele raubkopiert, denn auch das sind illegale Kopien oftmals (selbstreded nicht ausschließlich): Ein durchgestreckter Mittelfinger für eine Industrie, der nichts Neues mehr einfällt.

Stattdessen sucht man als Spieler, der sich nicht nur erwachsen fühlt, sondern auch als erwachsen wahrgenommen werden will, nach Alternativen, etwa im Independent-Bereich. Genau dort kommt “Machinarium” her. Und es ist verdammt logisch, dass man wenn man ein Indie-Game abliefert auch auf etablierte Vertriebsstrategien scheisst. Wie die Alternativen aussehen? Ganz simpel: Über das Netz. In dem man einer mündigen Spielergemeinde ein gutes Produkt vorsetzt und nicht einen halbgaren Blockbuster mit Multimillionen-Budget. Klingt nach Wunschdenke? Gut, dann zeichnen wir doch einfach mal meinen Kauf von “Machinarium” nach:

16:00 Uhr: Ich lese diese News und lache. Ich klicke auf den Blogbeitrag dahinter. Und ohne ihn zu lesen (schließlich weiß ich aus der 4P-News ja schon, was drin steht), klicke ich auf den Kauflink.

16:02: Etwas mehr als vier Euro will man dort von mir, für die Vollversion (die für PC, Mac und Linux bereit steht) und den Soundtrack. Kein Geld, denke ich. Und sehe, dass ich mich für den Kauf nicht mal irgendwo registrieren muss.

16:03: Kreditkartendaten eingegeben, Download gestartet.

16:20: Alles da. Kauf abgeschlossen.

Was ich zuvor schon wusste: “Machinarium” ist ein schönes Spiel (die Demo dazu kann man auch online zocken).

Was wir von 16:00 Uhr lernen: Gute Produkte brauchen keine fette PR. Nicht, wenn man das Netz zu nutzen versteht. Dann nämlich entstehen solche News über Aktionen, die von Menschen gelesen werden und bei diesen eine Reaktion hervorrufen. Letztere ist wichtig, denn darauf folgt - im Idealfall - der Kauf. Und ich will kaufen, ich kann kaufen. Und es gibt viele Menschen in meinem Alter, denen es genauso geht, allerdings an Reizen mangelt. Und im Ernst: DRMs sind nun wirklich nicht attraktiv, es sei denn man steht drauf, für einen Tritt in die Hoden auch noch zu bezahlen.

Was wir von 16:02 Uhr und 16:03 Uhr lernen: Der Preis ist wichtig. Spiele dürfen nicht umsonst sein, aber ein erwachsener, einigermaßen smarter Kunde weiß, warum er für manche Produkte nicht 50 oder mehr Euro bezahlt, etwa wenn er im Vorjahr den gleichen Scheiss schonmal vorgesetzt bekam (hallo an “Modern Warfare” und “Fifa”). Das mit dem Preis wissen wir seit iTunes: Kunden kaufen kein ganzes Album für 15 Euro, sehr wohl aber einzelne Songs für 99 Cent. Und dieses Kleinvieh macht in der Masse verdammt viel Mist. Und noch etwas: Es gibt ein Extra, nämlich den Soundtrack. Macht zwei Kaufreize. Zuletzt am Wichtigsten: Kein umfangreicher Kaufprozess. Daten eingeben, laden, fertig. Mehr darf es nicht sein, sonst laufen die Leute weg. Denn genau das ist es, was Rapidshare und Co. allen Verkaufsplattformen voraushaben: Die Zugänglichkeit und vor allem Geschwindigkeit ihrer Server ist immer und überall garantiert. Ich weiß: Ein Klick, die File lädt mit Highspeed. Und nicht mehr. Denn mehr will ich nicht, ich bin als typischer, moderner Kunde schon schnellebig genug. Heißt: Du hast etwa 30 bis 60 Sekunden (SEHR optimistisch geschätzt!) meiner Aufmerksamkeit - also überzeuge mich besser schnell.

Was nun?

Ich werde einige Zeit mit “Machinarium” verbringen. Während ich das hier tippe, läuft der Soundtrack, den ich sehr gut finde.

Ich habe diesen Blogbeitrag geschrieben und damit eine Verkaufsempfehlung ausgesprochen (einfach oben auf den Link klicken und direkt zuschlagen). Damit mache ich kostenlos Werbung für den Entwickler. Warum ich das tue? Weil ich von seinem Produkt überzeugt bin. Was uns das über das Web 2.0 sagt? Gib den Leuten nicht irgendetwas, sondern gib ihnen etwas Gutes. Und sie werden dafür sorgen, dass es sich verbreitet. Stichworte: Authentizität, Herzblut, Innovation. Wenn das hier nur zehn Leute lesen und von diesen zehn nur zwei das Spiel kaufen, sind bereits zehn Dollar Umsatz gemacht. Potenzieren wird das, nehmen wir noch Weiterverbreitung über Twitter und Facebook, Digg und Co. hinzu - und wir haben eine Menge Geld, die sich verdienen lässt. Sofern das Produkt überzeugt - und nur darauf kommt es an. Beweise für diese Theorie? 23.000 Leute haben die Webseite zum Spiel auf ihrer Pinnwand bei Facebook gepostet, mehr als 540 bei Google Buzz. Das sind unverfälschte, direkt messbare Erfolge, keine gefakten oder geschönten Presseclippings, keine Click-Through-Raten oder Ad-Impressions. Und noch obendrauf: Schauen wir einfach mal, wie die Rabatt-Aktion etwa bei Twitter ankam - und sehen alles andere als einen Misserfolg.

Was noch?

Raubkopien gab es schon, bevor die Debatte auftauchte. Es wurden Videos, Disketten, CD-Roms und ganz früher sogar Bücher kopiert. Wir können diesen Prozess nicht aufhalten. Verfielfältigung war nie so einfach wie heute, da das Produkt nicht mehr haptisch ist und damit der Wert vielfach auch abhanden gekommen. Auch der Prozess der Produkt-Aquise ist nicht mehr derart komplex: Die Dinge sind zugänglich, liegen quasi auf der Straße. Das jedoch nicht nur für Raubkopierer, sondern auch für jene, die Geld verdienen wollen. Etwa, in dem sie Raubkopierer nicht verteufeln, sondern einen Blogbeitrag wie den anfangs zitierten verfassen, der letztlich augenzwinkernd sagt “Hey, ihr habt’s geklaut, wir wissen’s doch auch. Aber hier habt ihr es für kleines Geld, also kauft’s doch einfach und es sei euch vergeben.” Kein Herangehen wie ein prügelnder Vater, der den Sohn nach dem Diebstahl im Tante-Emma-Laden windelweich schlägt, sondern mehr ein aufeinander zugehen. Nochmal: Wir können Raubkopien nicht verhindern. Aber funktionierende Alternativen schaffen. Die schon bei iTunes funktioniert haben. Und bei “Machinarium”. Oder zig anderen Independent-Produktionen aus dem Spiele-, Film- oder Musik-Bereich. Die Liste der Erfolgsmodelle, deren Modell letztlich nur das Netz gepaart mit Kreativität sind, wird länger. Und sie zeigt uns: Wir brauchen keine fetten Budgets, kein DRM. Wir brauchen gute Produkte, gute Preise, Verfügbarkeit, kurze Zeiträume von Kaufentscheidung bis Kaufabschluss. Und schon ergibt sich alles weitere ganz von selbst.

Es wird lange dauern, bis das so in den Köpfen angekommen ist. Ich sehe sehr viel Borniertheit, faschistoide Argumente, Dummheit, Angst. Sehr viel alte Denke, sehr wenig Mut. Aber gut, die Geschichte lehrt uns, dass solche Konstellationen auch früher schon vorhanden waren. Es braucht Zeit. Etwa, um ein Umdenken zu erreichen oder um zu warten, bis die entsprechenden Personen entweder in Rente sind oder sich anderen Geschäftsfeldern (man hört, mit Abmahnungen lassen sich prozentual mehr Euros verdienen als mit CD-Verkäufen) zuwenden. Denn sie haben letztlich in der Medienbranche nichts verloren, sie schaden nur, letztlich ihren Arbeitgebern oder Produkten. Es werden Leute nachrücken, die Dinge werden sich ändern. In einigen Jahren werden wir diese Debatten auf anderen Ebenen führen, mit mehr Wissen hoffentlich.

Bis dahin habe ich mir einige Minuten Zeit genommen, um über etwas zu schreiben, das nun schon einige Wochen und Monate heraus wollte und überfällig war. Ich freue mich auf die Zeit in einigen Jahren. Und kann bis dahin warten, getreu der Maxime, dass es die Eiche nicht kümmern muss, wenn sich das Schwein an ihr kratzt.

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22
04 2010

on air

Wer morgen Abend noch nichts vorhat: Von 20 bis 23 Uhr gibt’s die Radio-Premiere des Herrn B. live, ungeschnitten und garantiert inklusive blöder Sprüche. Wie’s kam? Wie es immer kommt: Lust drauf gehabt, richtige Leute gekannt, richtige Zeit und fertig. Das läuft hier schließlich immer so: Alles, was ich brauche, ist ein Vorschlag. Finde ich den cool, bin ich dabei. Von mir aus kostenlos und ohne jeden Profit, allein der Spaß an der Sache ist es wert. Gerne auch mit Anstrenungen verbunden, gibt schließlich selten genug Gelegenheiten, eine Sache zu machen, die man schon immer mal machen wollte. Ein derartiges Angebot und ich denke weiter nicht drüber nach - ab geht’s. Anders sieht’s bei Offerten irgendwelcher Zeitgenossen aus, wo ich merke, dass man nur Potential abgreifen will, Leute und deren Wissen anzapfen und sich dann selbst als den großen Gewinner darstellen, während andere den Job gemacht haben. Dafür gibt’s bestenfalls ein unfreundlich gemeintes “fuck off”.

Aber das ist morgen glücklicherweise nicht der Fall. Stattdessen gibt’s drei Stunden Classic Rock. Bin ich dafür überhaupt alt genug? Natürlich nicht. Hab ich da viel Ahnung von? Sagen wir, es wird spannend. Sicher ist: Ich hab Material für mehr als drei Stunden. Ich kann labern, zu einzelnen Songs was erzählen, über Bandniedergänge nachdenken, die eine oder andere Anekdote ausgraben und vergessen, dass meine Stimme sicher alles andere als trainiert ist. Völlig egal, denn ich bin ja nicht allein, das Ding wird zu zweit gemacht. So lange es kein Bier gibt, hält auch einer von beiden bis zum Ende durch. Hüstel.

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18
04 2010

wanted that

e72

Nachdem das neue Handy letzte Woche im Audimax liegen gelassen und nicht wieder aufgefunden wurde, ist das Problem der telefonischen Erreichbarkeit nun erst mal wieder vom Tisch. Die Vertragsverlängerung steht ja an und da in diesem Fall monatlich 15 Euro für ein neues Telefon fällig wären, hab ich das kurzerhand anders gelöst: Neues her, Rechnung obendrauf und alles auf einmal steuerlich absetzen. Damit ist der Preis dann auch äußerst angenehm, lediglich es fehlt die Online-Flat. Noch.

Bis dahin alles lässig: Mit iSync die alten Nummern vom Mac auf das Telefon übertragen, danach Gmail einrichten, hier und da alles ein wenig personalisieren, ins heimische WLAN einwählen und Ovi Maps drauf, die es ja nun für lau gibt. Mit Symbian vertraut machen ist weiter nicht nötig, das funktioniert immer noch gleich und ist letztlich halt das Betriebssystem, wo vermutlich wirklich nix mehr gehen wird. Aber das braucht’s auch gar nicht. Alles, was ich damit tun will, ist hier und da meine Mails abrufen, eventuell wird es mal ganz praktisch sein, eine Navi-Software drauf zu haben. Der Rest ist Standard: Telefon und SMS tippen, jetzt halt auch mit vollständiger QWERTZ-Tastatur auf dem Telefon (die sich übrigens äußerst angenehm bedienen lässt) und in seltenen Fällen mal surfen. Apps sind weiter keine nötig, ich brauche auch kein Gerät, das meine Musiksammlung transportiert, die ist schon auf dem iPod. Da ich nicht beabsichtige, großartig zu twittern, braucht’s hier auch keine Möglichkeit zu. Same mit Facebook und Co. Oder Games. Insofern war die Wahl recht simpel: Lange Akkulaufzeit vor schniecker Optik und zahllosen Apps. Passt bislang sehr gut.

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15
12 2009

sichten, gewichten, bebildern, verrecken

Kann man das so stehen lassen? Man könnte. Ein wenig was zu lachen bei diesem kalten Wetter. Nein, das ist zu gut. Das muss geteilt werden. Here we go:

Berauscht von den Möglichkeiten des weltweiten Webs vergaß man das Naheliegende, nämlich Geld zu verdienen.

So, hat man das wirklich? Wie kommt es dann, dass die Konkurrenten schon vor drei Jahren schwarze Zahlen geschrieben haben? Kann es sein, dass nur manche vergessen haben, ans Geld zu denken? Oder überhaupt nicht daran gedacht haben, ans Geld zu denken? Oder verdammt einfach: Überhaupt nicht gedacht haben, sondern nur gemacht?

Mit der ersten Krise gingen dann viele Internetfirmen pleite; Nachrichtenportale hielten sich nur, weil Verlage die Gewinne aus ihrem (Print-)Geschäft investierten.

Interessant. Nun möge mir bitte jemand erklären, was ein New-Economy-Startup mit dem Online-Angebot einer Zeitung / Zeitschrift gemein hat. Oder, von welchen “Gewinnen der Verlage” hier die Rede sein soll, wo Abozahlen (beispielsweise Spiele-Zeitschriften) schon seit Jahren extremst rückläufig sind und sich Verlage mehrheitlich mit neuen Angeboten (etwa DVD- oder Bücher-Serien) erst mal neue Gewinnbereiche schaffen mussten, um den Verlust vom Print zu kompensieren.

Denn Qualitätsjournalismus ist per se eben nicht kostenlos, sondern kostenintensiv. Wer Qualitätsjournalismus zum Nulltarif will, will keinen Qualitätsjournalismus. Jede Redaktion stellt etliche Arbeitskräfte für das Sichten, Gewichten, Bebildern und Schreiben von Nachrichten, für das Recherchieren von Geschichten, das Verfassen von Kommentaren, die investigative Reportage.

Ganz ruhig bleiben jetzt. Wirken lassen. Nicht gleich losprusten. Einfach mal die drei Top-platzierten Beiträge unter “Politik / Deutschland” anschauen, darunter ein DPA- oder AFP-Kürzel finden und dann nochmal vom Qualitätsjournalismus reden (nein nein, Copy / Paste gibt es hier ganz sicher nicht). Vom kostenintensiven Qualitätsjournalismus, dem Sichten und Bewerten und kopieren und einfügen von Pressemitteilungen. Der Recherche! Genau. Besser nicht dran denken, wie noch ein Absatz zuvor etwas von “Branchenkrise” zu lesen war - dieser Logik nach müsste das “Abendblatt” kurz vor dem absoluten Ruin stehen. Ist doch Krise und man hat doch so viel Geld für Recherche, Sichten, Bewerten etc pp gebraucht. Ach, eine Frage noch: Wenn das mit der Qualität, die kosten soll, denn stimmt: Wie kommt’s, dass ein Blatt wie die “NYT” schon 2007 ein Archiv mit dem Inhalt von 92 Jahren - dem kompletten Inhalt, wohlgemerkt - völlig kostenlos angeboten hat? Kann nur eins bedeuten: Die müssen Pleite sein. Oder 92 Jahre lang keinen Qualitätsjournalismus gemacht haben.

Trotz aller Twitterei und Bloggerei bedarf es einer Instanz, die prüfen und nachprüfen muss, die den Schein mit der Realität, die Plattitüde mit den Fakten, die Inszenierung mit der Wirklichkeit, das Schrille mit dem Relevanten abgleicht.

Genau. Nun haben wir es wieder. Die Blogger, diese Nixkönner. Kein Vergleich zum Journalisten! Der kann prüfen und nachprüfen, das bekommen diese Webfuzzis halt nicht hin. Komischerweise schaffen sie es dennoch zu einiger Popularität und graben dem seriösen “Abendblatt”-Mann damit das Wasser ab. Sind ja auch mitschuld am Untergang der Branche, am Verfall des Qualitätsjournalismus und überhaupt - wie blöd will man eigentlich kaschieren, dass man Blogs einfach nicht versteht, das Potential nicht erkannt hat und mit bloßem “die sind die Bösen!” keinen Blumentopf gewinnen wird? Scheinbar sehr blöd. Schon lustig, dass man mit dem “HSV-Blog” komischerweise ein offenbar ganz gut gehendes Angebot im Portfolio hat. Aber das wird sicher nicht von einem Journalisten betrieben.

Qualität hat ihren Preis; was nichts kostet, ist auch nichts wert.

Wollen wir das kommentieren? Müssen wir das noch kommentieren? Ich würde diesen Satz wirklich als Musterbeispiel für künftige Journalisten-Schulungen zum Thema “So geht’s im Web - nicht!” empfehlen. Das drückt diese Deutsche Stock-im-Arsch-Mentalität so wunderbar aus, das es nicht besser geht. Nee, das lassen wir jetzt mal so stehen.

Ist es zu viel verlangt, in Zeiten, wo aufgeschäumter Kaffee im Pappbecher drei Euro kostet oder das Telefonvoting für sinnbefreite Casting-Shows mindestens 50 Cent, für das Produkt Qualitätsjournalismus knapp 30 Cent am Tag zu bezahlen?

Ich würde zunächst raten, den Coffeeshop zu wechseln. Oder mal einen Gang ins Kaffeehaus zu wagen (hier findet sich ein wunderbarer Beitrag zu deren Geschichte, aber leider kostet der nix, also kann er nix wert sein, zu schade aber auch..). Telefonvoting? Da hat jemand aber ein komisches Bild von seiner Leserschaft. Gut, die Frage stellt sich nun freilich, ob Jogginhosentragende Castingshow-Votinganrufer bereit sind, 30 Cent zu löhnen für eine Zeitung im Netz. Das hätte man sich schon mal überlegen können. Oder neue Zielgruppen suchen. Aber gut, das wäre sicher zu viel verlangt, bei diesen Kaffeepreisen braucht das Recherchieren, Bewerten, etc pp sicher einiges an Zeit der hart arbeitenden Qualitätsjournalisten.

Aber was ist mit einem Bürgerbegehren in Alsterdorf, einem Umweltskandal in Billbrook oder einem umstrittenen Bauprojekt in Cranz? Welche Stimme im Netz ist in der Lage, objektiv Information zu sammeln, zu gewichten und bei Streitpunkten beide Seiten zu Wort kommen zu lassen? PR-Seiten, Blogs oder öffentliche Verlautbarungen können diesen Anspruch nicht erfüllen – und sollten es nicht.

Da haben wir es wieder. Die Blogger, diese Brut von Amateuren. Denen gehört mindestens das Maul verboten oder gleich auf selbiges gehauen. Schließlich - das wird weiter oben im Absatz erwähnt - hat man ja den Posten der vierten Gewalt besetzt. Da ist jetzt kein Platz mehr, hier sind schon wir, geh mal weg da, du schmieriger Blogger, du kannst das nicht, überlass das den Profis.

Zudem benötigen die Bürger verlässliche wie verletzliche Leitmedien, die das Geschehen bündeln und aus dem Meer von Informationen als Inseln der Relevanz herausragen.

Siehe “DPA- / AFP-Meldungen selektieren leicht gemacht. Ein Lehrgang für Praktikanten in drei Stunden”.

Vielleicht ist es aussichtslos. Vielleicht ist es selbstmörderisch. Vielleicht ist es auch unverschämt.

Selbstkritik! Leider keine ernst gemeinte. Sonst könnte man vielleicht noch miteinander reden. So jedoch bleibt nur, viel Spaß beim Bewerten, Selektieren, Auswerten und so weiter zu wünschen, darin ist man ja Profi, die anderen nicht und drum koscht’s nun - ohne dran zu denken, dass das zahlungsunwillige Klickvieh in wenigen Wochen weitergezogen sein wird. Die nächste Qualitätsjournalisten-Wiese wartet schon auf’s abgegrast werden.

Ach übrigens: Das “Abendblatt” gibt’s auch weiterhin für lau. Qualität und so.

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14
12 2009

Krise, Krise, Krise

2009 ist in einigen Tagen vorbei und die Nachrichtenlage der Medienbranche könnte nicht austauschbarer sein. Es ist eigentlich egal, ob es sich um 2009, 2008 oder 2003 handelt, das Problem ist immer noch das gleiche und die Klagen genauso. Hier will nicht für Inhalte im Web gezahlt werden, da erzählt man was von Anzeigenkrise und Blätter, die eben erst enstanden sind, stehen mehr oder weniger schon wieder auf dem Abstellgleis. Wenn’s nicht grade die Finanzkrise ist, die man als Sündenbock für Entlassungen von Mitarbeitern (selbstverständlich suchen wir weiterhin Praktikanten! Bieten unbezahlte 60 Stunden-Woche in topmotivierter Redaktion nahe München/Berlin/Hamburg!) hernimmt, sind’s die Internetnutzer. Diese Schnorrer, seit 2002 schon wollen die immer nur alles gratis und das möglichst noch umfangreich, investigativ, einzigartig und überhaupt: Wer soll denn das alles bezahlen? Ja, das liebe Geld. Das Geld, das man an Redaktionen sparen kann, ist ja Krise. Die ewig gleiche Leier jener, die immer noch nicht einsehen wollen, dass das keine Entwicklung ist, die man einfach mal so aufhalten wird oder gar umdrehen. Und mittendrin sind da immer wieder andere, die dann zeigen, wie es halt anders geht, wie man die Sache richtig macht.

Etwa “Nine Inch Nails”. Die nicht wie andere Bands Journalisten oder Fans mit Kameras gängeln, sondern auf ihrer (vermeintlich) letzten Tour eine open-camera-policy ausdrücklich gewünscht haben. Da treffen sich danach Fans im Web und schneiden zusammen, was aus verschiedenen Blickwinkeln aufgenommen wurde. Heraus kommt nicht nur ein einzigartiges Dokument über einen einzigartigen Moment (in der Geschichte der Band kam es nur zwei Mal vor, dass das komplette “Downward Spiral”-Album an einem Stück live durchgespielt wurde), sondern selbiges auch noch völlig kostenlos. Über Rapidshare und Torrents. Genau, die großen, roten Tücher der Musikindustrie. Die immer noch denkt, man könnte die eigenen Inhalte schützen und vergisst, wie smart ein 14-jähriger mit Pro-Account bei Rapidshare, Google und Download-Manager zu Werke gehen kann. Keine Chance, der Zug ist abgefahren. Dann lieber klagen, was ja bisweilen gar lukrativer sein soll als Plattenverkäufe. Das eigene Image? Drauf geschissen, diese Raubkopierer sind doch die Verbrecher.

Mal anders gedacht: Welchen Wert messe ich als Fan einer Sache wie der “Downward Spiral”-DVD bei, die ich binnen 40 Minuten kostenfrei und völlig legal aus dem Netz laden kann? Oder die kompletten Alben, die NIN gratis unter die Leute gebracht haben? Richtig: Das gibt ein fettes Plus. Und wäre ein Konzert in der Nähe gewesen, ich hätte eine Karte gekauft. Und dabei auch nicht drauf geschaut, ob sie 50 oder 75 Euro kostet. Schließlich bekomme ich außerhalb der Show die Musik und auch noch ein Video-Dokument kostenlos obendrauf. Und die Band macht mit der Tour Kohle. Das nennt sich Finanzierungsmodell, genau, die Sache, die im Web noch keiner so recht gefunden hat und die im Print, wo außer Anzeigen- und Kioskverkäufen wenig Möglichkeiten bleiben, gänzlich veraltet ist. Hier dagegen hat jemand mit dem Internet Kohle gemacht. Nicht im Internet, sondern mit den Möglichkeiten, die es bietet. Selbige sind nun wirklich lange genug bekannt, man muss doch heute nichts mehr darüber erzählen, wie Kreativität aus globaler Vernetzung, aus dezentralem Austausch und Breitband-Verbindungen als Übertragungsleitungen resultiert. Das ist so ein alter Hut, dass es fast schon weh tut zu sehen, wie einige es eben immer noch nicht verstehen. Schön, vielleicht kann man mit einem redaktionellen Angebot im Web keinen Cent verdienen, sei es noch so gut. Schön, vielleicht funktioniert es halt nicht nur über Anzeigen (oder schlimmer noch: Paid Content). Kann man hingehen und den Schnorrern die Schuld in die Schuhe schieben, dieser ungeduldigen Brut, die keine Verweildauer von 15 Minuten hinbekommt, sondern immer nur gierig nach dem nächsten Infohäppchen weiterzieht. Oder sich mal überlegen, ob man selbst vielleicht was falsch macht, in dem man zuviel von anderen abschreibt, zu wenig bietet, was Eigenständigkeit vermuten ließe und SEO wichtiger geworden ist als die Qualität redaktioneller Inhalte. Aber dieser Gedanke würde so ein wenig Selbstkritik voraussetzen. Und die findet man in den Chefetagen der Verlage scheinbar genauso wenig wie in jenen der Label-Bosse. Gut, man sieht, wie es letzteren ergangen ist und man sieht, wohin der Trend bei ersteren zeigt, schon lange genug.

Es ist so einfach, das neue Medium und/oder dessen Nutzer weiterhin zu brandmarken. Die eigene Blödheit darüber, nicht smart genug zu sein, die Möglichkeiten, die Bands wie NIN schon seit Jahren bestens zu Nutzen vermögen, auch aufs eigene Produkt anzulegen, kaschiert es leider kaum. Solche können meinetwegen gerne von der Bildfläche verschwinden - was in den nächsten Jahren vermutlich verstärkt passieren wird. Die Entwicklung ist noch lange nicht zu Ende und wer’s auch Ende 2009 nicht verstehen will, wird’s unter Umständen 2010 schon nicht mehr verstehen müssen, sondern stattdessen nach neuen Jobs Ausschau halten. In Berlin werden sicher Praktikanten gebraucht.

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13
10 2009

was mit Medien

Eine alte Regel vom Boulevard — in den Überschriften sollte man versuchen, möglichst eines der starken Themen zu nennen, um das Interesse der Leser zu erregen. Diese Themen sind Nation (in unserem Fall Deutschland), Promis, Krankheit, Tiere, Sex und Gewalt.

Daraus resultiert der Merksatz “Deutscher Schäferhund beißt Claudia Schiffer in den krebskranken Busen!” — das wäre die (theoretisch) perfekte Überschrift, weil in ihr alle Themen vorkommen.

Grandios.

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30
09 2009

Schweinegrippenjournalismus

Ohne große Worte: Das tollste Lehrstück über den hiesigen Journalismus, das in der letzten Zeit untergekommen ist.

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26
06 2009

the King is dead - long live the King

Eine der besten Deutschen Schrammelasipunkbands hätte ihren (kommerziellen) Durchbruch ohne das Cover von “Billie Jean” nicht gepackt. Dafür thx. Und weil’s weiter keine persönlichen Bezüge zu MJ gibt, sei auf geheucheltes Beileid verzichtet, das bekommen die etablierten Copy-Paster von Schniedel Onschleim bis Frankfurtzer Grunzsau besser hin.

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18
06 2009

wird man was man furchtbar hasst - nämlich Cineast

terminator_scc

(”Meine Freundin und ihr Freund”, Tocotronic) Bislang war ich eigentlich der Meinung, Serien würden spurlos an mir vorübergehen. Bis heute keine Folge “Sopranos”, “Lost”, “Dr. House” oder “Six Feet Under” gesehen. Noch nicht mal “Simpsons”-Fanboi. Dann vor gar nicht allzu langer Zeit die erste Staffel “The Wire”. Komplex, erzählerisch brilliant, bitterböse und darüber hinaus wohl einfach alles andere als leicht zu konsumieren. Also bis zur zweiten Staffel erst mal ein wenig pausieren. Und weil der neue “Terminator” so abartig scheisse war, einfach mal “The Sarah Connor Chronicles” schauen. Eine Episode. Noch eine. Dann noch eine. Und schon ist die erste Staffel binnen einer Woche durch und die Erkenntnis da, dass gewisse Anfix-Mechanismen wohl doch zünden. Wohl auch, weil die erste Episode mit einem wirklich bösen Cliffhanger endet.

Ansonsten: Schöne Serie, wenn man sich davor schon ein wenig mit den Filmen beschäftigt hat. Der Großteil baut auf T2 auf, alle wichtigen Charaktere daraus haben auch in SCC ihr Stelldichein - und das recht glaubwürdig. Den dritten Teil verdrängt man mal ganz brav, was schon mal ein großes Plus ist. Überhaupt: Im Gegensatz zu diesen schnarchlangweiligen Filmen und dem, was deren Regisseure da rein- und ruminterpretiert haben, sind die einzelnen Episoden ganz gut gemacht und auch aus Die-Hard-Fan-Perspektive noch in Ordnung. Blöd halt, dass es Season 2 noch nicht auf DVD gibt und blöder noch, dass die Serie eingestellt wurde. Bemerke schließlich grade, dass ein gewisses Suchtpotenzial halt doch getroffen hat und nun mehr her muss. Sollte wohl nach “Sopranos”-Boxen schauen.

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12
06 2009

and there’s nothing holding me to blame

(”Head On”, The Pixies) Hatte zum Geburtstag einen Gutschein über 50 Euro für den Billigheimermarkt bekommen. Da grade vier-Tage-Wochenende ist, sollte der heute mal eingelöst werden. Einige Sekunden lang dachte ich daran, “Terminator: Salvation” für die Xbox mitzunehmen, aber die Vorab-Version, die ich vor einigen Wochen auf der Debug gespielt hatte, wäre keine 50 oder mehr Euro wert gewesen. Die Reviews zum Game sprechen da schon eine deutliche Sprache - und haben leider allesamt recht. Dann halt DVDs. Werden sich schon einige finden, die 50 Euro Gesamtpreis ergeben. Von wegen - stattdessen frage ich mich gerade, warum man die Teile überhaupt noch kauft.

An den CD-Regalen steht kaum wer und das ist man wohl mittlerweile nicht mehr anders gewöhnt. Das Zeug wird aus dem Netz geladen oder geklaut und selbst wenn’s mal für die haptische Nummer reichen sollte, wird die auch nur ins Laufwerk gelegt, gerippt und direkt auf den MP3-Player gezogen. Einzig die Andrea-Berg-Fraktion bildet da wohl eine Ausnahme, die kaufen noch CDs, haben auch noch einen CD-Player zu Hause und die Zeit, die Dinger einzulegen, durchzuhören und sich am Coverartwork zu erfreuen. Der Rest - kurz: alle mit einem Internetanschluss und ein wenig Wissen - fallen raus.

Ich derweil suche durch die DVD-Regale und frage mich, was ich eigentlich mit den Dingern soll. Mittlerweile ist das halbe Regal voll davon, die wenigsten davon werden mehr als ein bis fünf Mal geschaut - allein schon aus Zeitgründen. Die wenigen Ausnahmen, also jene Klassiker, die man einfach immer mal wieder schauen kann (vornehmlich in Gesellschaft), stehen schon seit Jahr und Tag in der Sammlung und setzen brav Staub an. Wie viele werden es insgesamt sein? 150? Knapp 200? So um den Dreh rum. Beim nächsten Umzug freuen sich dann die Kollegen, die die Kisten schleppen dürfen. Jaja, der Sammeltrieb. Komisch, bei CDs gibt es den schon seit Jahren nicht mehr und kein Hahn kräht danach, warum ist das bei den Filmen denn so anders?

Diese Frage stellt sich, als ich vor der “Recut”-Edition von “Sin City” stehe - um einiges länger als die Kinofassung und nun für 15 Euro auf dem Ramschtisch. Schön, denke ich mir, den Film hab ich vor Monaten mal für 6,99 mitgenommen - nicht in der “Recut”. Damit haben wir schon das nächste Problem, das jeder DVD-Käufer kennt: Als early adopter ist man der Arsch und wird von der Industrie fleissig in selbigen gefickt. Wer die Teile zum Release-Tag kauft, ärgert sich zwei Wochen später, weil’s nun ne superdupersonderextratoll-Ausgabe gibt. Auf den Schnickschnack, der den Teilen in Form von Director’s Cut- oder Behind the scenes-Footage beiliegt, sei geschissen, aber wenn es sich um neu geschnittene Fassungen handelt, wird’s einfach ärgerlich. Drum bleibt “Sin City” auch liegen - ein wenig weiter gedacht könnte man auch zynisch anmerken “gibt’s ja eh im Netz für lau”.

Was soll der Mist mit den Regalen voller DVDs also noch? Vielleicht ist es ja die Stärke dieser Ramschmärkte, das riesige Angebot zusammenzufassen, übersichtlich zu machen und dank Haptik halt auch direkte Infos zu liefern, die man im Netz nicht findet. Könnte man sagen. Klingt vertraut? Richtig, das sind so die Argumente, mit denen der Print-Markt seit Jahren behauptet, gegen das Netz noch was in petto zu haben. Schließlich kann ja niemand so tolle Lesestücke liefern wie die gedruckte Ausgabe des Magazins oder der Tageszeitung, außerdem fasst sie dem Leservieh ja alles zusammen und nimmt ihm damit die Arbeit (oder Freiheit?) der Informationsselektion ab. Und überhaupt: Die Haptik, verdammt noch mal, die ist doch wichtig, die Leute wollen’s greifen und in die Hand nehmen und das fühlt sich halt noch wertig an. Im Netz geht das doch alles gar nicht, weiß man doch. Interessant, dass die Auflagen dennoch beständig in den Keller gehen. Ach ja, das ist einfach eine langweilige Debatte geworden, die diese Todgeweihten da alle Nase lang anzetteln, um noch ein wenig Aufmerksamkeit zu generieren und sich ihr eigenes, unvermeintliches Ende noch ein wenig hinauszureden.

Ich derweil finde nach einigem Suchen “Borat”, “Eastern Promises”, “Trash United”, “Letters from Iwo Jima” und “John Rambo”. Macht knapp 50 Euro. Stehen nun im Regal, da findet sich ja immer ein Plätzchen. Noch. In eingen Jahren wird da eine Sammlung von USB-Festplatten stehen. Zumindest beim nächsten Umzug werden sich einige rückenschmerzengeplagte Träger freuen. DVDs mögen noch ganz gut gehen - in wenigen Jahren sind sie dort, wo der CD-Markt schon lange angekommen ist.

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