Dipl-x


1
03 2009

the class of 2008

Hüben und drüben sind sie am Diplomieren und ich frage mich: Hell, ist das nun echt schon ein Jahr her? Vor allem: Was ist eigentlich in der Zwischenzeit passiert? Besser gesagt: Wo ist die Zeit überhaupt hin?

Mit den Monaten sind mehr oder weniger auch die meisten Erinnerungen verschwunden. Ich weiß noch, dass es saukalt war, im April tatsächlich noch mal kurz Schnee lag und ich mehr oder weniger versucht habe, regelmäßig was zu tippen. Keine Kaffeemaschine gehabt, daher diesen ekelhaft süßen Schoko-Cappucino, wo man über das Pulver nur heißes Wasser schütten muss. Zu viele Kippen. Und “Batman”-Comics, regelmäßig, als Abendlektüre. Dann wieder aufstehen, duschen, Müsli bauen, Cappucino runterwürgen und weitertippen. Irgendwann hat das dann Struktur bekommen und schon war’s mehr oder weniger fertig. Der Rest ist an mir vorbeigeflogen.

Ab Juni dann arbeiten. Das ist nun demnächst auch ein Jahr her, dann bin ich tatsächlich schon drei Jahre lang bei ein und derselben Firma. Alltag mittlerweile, geregelt und organisiert, eingespielt. Montage werden zu Freitagen, Wochenendfeierlichtkeiten enden mit dem Sonnenaufgang und auf dem Weg in die Bude höre ich heute morgen zum ersten Mal in diesem Jahr die Vögel zwitschern, während “Schwarz zu blau” seine Runden im Hinterkopf dreht und ich beschließe, baldesmöglich wieder nach Berlin zu müssen, zumindest einige Tage lang.

Das Leben könnte schlimmer sein. Anders geworden ist es definitiv. Die FH-Zeit war ziemlich schnell und jäh zu Ende und aus den Gedanken gestrichen. Vielleicht auch nur verdrängt vom Arbeitsleben. Eins ersetzt das andere, neue Aufgaben warten und irgendwas will immer erledigt werden. Ist es nicht das Diplom, ist es eben ein Umzug. Ist der Umzug über die Bühne, finden sich in einer neuen Wohnung 1000 Dinge, die man verbessern kann. Und wenn dann mal alles so ausschaut und funktioniert, wie es soll, kommt der Ikea-Nestbautrieb. Hier noch diese Kleinigkeit, da noch jenes Detail. Hat sicher auch den einen oder anderen Tag verschlungen.

Was ist in den 365 Tagen passiert? Einiges. Vieles, über das ich hier gar nicht texten möchte. Vieles, das lange vergessen ist, verarbeitet oder verdrängt, wie auch immer. Der Soundtrack hat sich hier und da geändert, das Bücherregal ist besser gefüllt und Konsumgüter wurden fleissig angehäuft. Geld eingenommen, Geld ausgegeben. Rechnungen geschrieben, Rechnungen bezahlt. Und bei all der Regelmäßigkeit, all den Strukturen, die die Wege nun haben, vergessen, wie schnell 12 Monate doch vergehen können. Beinahe vergessen, wie wichtig die Pausen dazwischen waren, die kleinen Dinge, die einem im Alltag innehalten und lächeln lassen. Wochenendtrips zu Freunden oder der Familie, Urlaub, flüchtige Bekanntschaften, ein freundlicher Blick oder auch nur das Gefühl, grade etwas Gutes getan zu haben, etwas mit mehr Sinn als Geld verdienen durch Arbeitskraftverkauf. Denn auch all das war da - und damit wohl das Wichtigste, an das man sich erinnern sollte. An einem Sonntagabend, wenn morgen schon wieder Montag ist.

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17
06 2008

when it’s done

Schlecht geschlafen, mehrfach wach geworden heute Nacht und dank Verkehrslärm ab halb sieben nicht mehr so recht einschlafen können. Raus gegen acht, duschen, Kaffee machen, ein halbes Glas 500ml Joghurt (Kirsch), keine Lust auf die Banane, die schon seit Tagen herumliegt und langsam mehr schwarz als gelb ist. Morgen kommen meine neuen Sennheiser, höchste Zeit. Zudem mit dem replug Sicherheitsadapter was gefunden, das definitiv gekauft wird, nachdem genau die in der Produktbeschreibung vorgestellten Probleme die letzten Kopfhörer geschrottet haben. Den Hasen gefüttert, einige geraucht, Predator Rap gegeben und RZL DZL, mit dem L-Bus zum Brandt-Platz und dort auf die 671 gewartet. Man wartet generell recht viel, wenn man mal keinen Wagen mehr hat. Was Vor- wie Nachteile mit sich bringt.

Vorteil: Man kann in Ruhe eine rauchen und dabei darüber sinnieren, wie viel Geld für Sprit man spart. Etwa 100 bis 150 im Monat, abhängig von der Anzahl der Fahrten zu den Erzeugern, die ja jedesmal eine Strecke von insgesamt 660 Kilometern bedeuten. Nachteil: Menschen. Manche davon sind hässlich. Die können nix dafür, ich bin schließlich auch nicht das Eichmaß der Schönheit. Naja, die mit den schlechten Frisuren können was dafür. Und die mit den Zahnlücken. Aber es gibt wichtigeres. Manche beispielsweise sind schlecht angezogen. Das kann man nicht entschuldigen, qualitativ bessere und optisch ansehnliche Kleidung ist schließlich nicht teuer. Und hier geht es nicht um meinen individuellen Geschmack, manche Dinge sind schlicht und ergreifend hässlich, ganz egal wie man es dreht und wendet. Aber es ist halt einfacher, die neuen Motiv-Shirts aus dem Billigmarkt zu holen, egal wie uniformiert man damit wird. Das Problem sind nicht die hässlichen Kleider, das Problem ist die Armee derer, die es tragen. Zum Erwachsenwerden gehört doch auch ein wenig kleidungstechnische Eigenständigkeit. Dachte ich. Wie gesagt: Viel Zeit zum Denken, während man auf einen Bus oder eine Bahn wartet.

Ach ja, das Diplom ist geschafft.

Keine großen Worte, keine große Feier, keine Selbstbeweihräucherung. Nur die Gewissheit, heute zum vorletzten Mal in Dieburg gewesen zu sein. Und das breite Grinsen darüber in der Fresse.

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3
06 2008

nach der Abgabe ist nicht vor dem Ende

Weg wär es, nun liegt es in der Hand anderer, mich zu bewerten, Kritik zu üben, Sinn und Unsinn zu suchen und unter alles eine Note zu setzen. Weil Noten wichtig sind, weil Wertungen notwendig sind, weil wir Orientierung brauchen, Struktur und klare Verhältnisse. Das ist gar nicht mal so zynisch gemeint, wie es klingen mag. Aber auch nicht frei von Zynismus. Wie es auch kommen mag, bevor Dieburg am 17. Juni zum vorletzen und Anfang Juli zum letzten Mal betreten wird, gibt es noch einiges zu tun. Und ein tumbes Gefühl im Hinterkopf, leicht leistungsunwillig, hier und da grund- wie hoffnungslos überfordert, meist einfach vom Wetter erschlagen und vor eineinhalb Flaschen Bionade nicht arbeitsfähig.

Dennoch funktioniert es. Wie damals, vor drei Monaten. Da war es schweinekalt, dank Mitbewohner-Auszug und Wurzelbehandlung alles andere als unstressig, zudem regelmäßig einsam, das allerdings mit sehr guten Comics und Games.

Ähnlich ist es jetzt: Arsch hochkriegen, anfangen, weitermachen. Hey, es ist die Zielgerade, der Abschluss, das Ende ist in Sicht, neue Herausforderungen warten nicht nur, sondern sind bereits angetreten. Zudem Sommer, endlich keine Kälte mehr, Barfuß durchs Haus laufen, Poloshirt offen, Dreitagebart, eiskalte Getränke statt Tee. Es gibt wichtigeres zu tun, als sich mit der Präsentation für das Kolloquium aufzuhalten. Oder die Exposée für die mündliche Prüfung zu schreiben. Das muss sein, klar, aber es muss keine Belastung sein. Überhaupt: Einfach mal insgesamt lockerer rangehen, denn was soll schon schiefgehen? Oder warum Depri schieben, nur weil der Wagen in den kommenden Tagen verschrottet wird? Oder die neue Wohnung noch gefunden werden muss? Alles kein Grund zur Eile. Selbst die Anträge für einen Presseausweis und die Aufnahme in die KSK kosten mich gerade keine Nerven. Und eine Steuernummer gab es auch ohne größere Komplikationen. Also warum stressen? Oder mit Formalien aufhalten? Ebend.

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8
05 2008

Tag 67: say my thanks

diplom

Das war es, Ende, fertig, basta, die Stühle hochstellen, die über 500 ausgedruckten Seiten stapeln, ordnen und alles ad acta legen. Schluß, aus, vorbei. Drei Exemplare kommen mit 80g-Papier Spiralbindung aus, die gehen an Korrektor eins, zwei und den Kooperationspartner. Eines der beiden Hardcover-Exemplare ist für die Bibliothek in Dieburg, das andere für mich, bei beiden ist 100g-Papier verwendet worden, ein wenig aufgemöbelt müssen die ja schon daherkommen. Die Luxus-Ausführung mit eingeprägter Fledermaus auf dem Cover kommt auch noch, der Buchbinder dafür ist bereits gefunden. Dann geht die zweite Hardcover an meine Eltern, so lange bleibt sie erst mal hier. Keine Danksagung in der Arbeit selbst, deshalb hier.

Zuerst einmal Dank der besten Taskforce die wo gibt. Da wären Jürgen (”Wir sind die Schminke von der Hure Geld”), Anja (”Heißt der wirklich Lorenz Lorenz-Meyer??”), Anna (”Pienz net!”), Axel (”Schreib erst mal dein Diplom, du Borderline-Journalist”), Joe (”Hast du da grade “gut” druntergeschrieben?!”) und Tommy (”Kackn00b!”). Leute, 1.000 big f*cking thx für’s Aushalten meiner Nörgeleien der letzten Wochen, den ganzen Support und die endlos vielen Kleinigkeiten.

Dann Bela, für’s Ausdrucken und das AKW. Den Kaffee im Hochland nicht zu vergessen. Von 1.000x unterm Tisch liegen vor Lachen ganz zu schweigen. Kathrin, für die Ablenkung zwischendurch, etwa mit dem geliehenen Stativ den Bum gegenüber filmen. D, für die hoffentlich nicht letzte Runde mit dem derzeit besten Shooter für die 360. Und die schärfste Worscht meines Lebens. Dem Ö ein Dank für all die “saugut!” und den Suff vorm 603. Andi, für die Ablenkung mit dem Umzug, einpennen bei “Lone Wolf McQuade” und überhaupt mal fast schon vier Jahre lang Konzerte.

Dank auch allen Interviewpartnern, ohne deren kluge, teils provokante, oft sehr tiefgründige, stets interessante und nie überflüssige Statements das alles so nicht möglich gewesen wäre - dafür ein großes Thx.

Puh, ohne die Liste unnötig in die Länge zu ziehen: Danke allen, die bislang nicht zu finden waren und in den vergangenen zehneinhalb Wochen mit Rat und Tat zur Seite standen oder mich und meine Launen einfach ausgehalten haben. Das sind eine Menge Menschen, alte Freunde, neue Freunde, bloggende Freunde, nichtbloggende Freunde, ganz egal - you know who you are. Und damit wäre das hier vorerst mal beendet, weiter geht’s im Juni. Viel Zeit für die Straßen von Liberty City.

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7
05 2008

Tag 66: fin.

90 Seiten
26069 Wörter
187791 Zeichen

Noch eine kleine Quellenangabe, dann geht es in den Druck. Dieburg endet, die acht Wochen reiß ich locker runter. Das schon mal vorab an all den Dreck, der hier mitliest und feige anonym bei anderen Blogs kommentiert, weil man nicht den Schneid hat, hinter seinen geistigen Dünnschiss auch den eigenen Namen zu klatschen: wünsche viel Spaß auf dem Arbeitsamt. Nicht vergessen: Das, was ich hier absondere, unterliegt keiner Zensur, hier findet sich genau der Mist wieder, den ich für sinnvoll genug erachte, um meine Seelenhygiene intakt zu halten. In diesem kleinen Wohnzimmer könnten also durchaus noch Beiträge kommen, die sauer aufstoßen, gegen Ende der ganzen Chose dann. Google freut sich drauf.

now there’s nothing left for us
we’re packing up, saying goodbye
to a place no one can trust
to a scene based on a lie
I truly hope we won’t retreat
the same mistake we won’t repeat
the bond was stabile as a shed
love is mutual, love is dead.

(mc)

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25
04 2008

Tag 54 (what ever happened to the 80’s)

done

Viel zu spät aufgestanden, wie immer mehrere Stunden gebraucht, um richtig wach zu werden. Selbst nach der morgendlichen Dusche, die heute auf den frühen Nachmittag gefallen ist, keine Besserung in Sicht. Danach schlechter Kaffee, wirklich. Das erste, was in der neuen Bude herkommt, ist eine richtige Maschine, echter Kaffee und eine große Tasse dazu. Traumhaftes Wetter, zumindest auf der Sonnenseite des Hauses. Da das dort angrenzende Zimmer gerade nicht bewohnt ist, hab ich mir einfach mal den Klappcomputer genommen und mich dort niedergelassen. Nicht in der Absicht, etwas zu arbeiten, sondern mehr, um einfach ein wenig Sonne in meine von vitaminarmer Ernährung gezeichnete Existenz zu bringen. Immerhin irgendwann wach geworden, ich glaube dank einem gutewelt-Getränk namens Bionade und der aufgewärmten Bolognese, die noch auf dem Herd stand.

Dann das Fazit geschrieben. Ein letztes Mal ran, richtig nachdenken, richtig zusammenfassen, Logik walten lassen, mit Worten jonglieren, Sinn herstellen und dafür weniger als drei Seiten verbraten. Da die letzten Tage wenig bis gar nichts geschrieben, sondern mehr überarbeitet wurde, war schon fraglich, ob das nun noch gut gebracht wird oder eher so ein Dahergelaber rumkommt. Ersteres war der Fall, Arroganz ein. Wäre die Arbeit eine Windows-Installation, würde sie nun bei 99% stehen. Scheisse, ein Ende ist nicht nur in Sicht, sondern zum Greifen nahe. Was schon mal eine Runde Teeniepunkrock übelster Konsorte rechtfertigt, heute suhle ich mich wirklich ausnahmsweise mal in Selbstzufriedenheit. Arroganz aus.

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21
04 2008

Tag 50 (drauf gesch…)

Ich bleib euch treu ! Es gibt nix besseres als gepflegt beim Stuhlgang in der PCG & GS rumzuublättern. Ich würd vor Langeweile auffen Pott sterben ! (Quelle: Forum, PC Games)

Kann es sein, dass die menschliche Verdauung und damit der Drang, täglich die Toilette für längere Zeit aufzusuchen, das letzte verbleibende Verkaufsargument für den Printmarkt ist, Motto: Geschissen wird immer und den Laptop hat noch keiner aufs stille Örtchen mitgenommen? Wenn nicht: Warum läuft mir das nun schon im hundertsten Forum zum tausendsten Mal über den Weg?

Die letzten Korrekturen vor dem Fazit, die letzten Quellen einbauen, nochmal alles auf Fakten checken und immer wieder einzelne Teile streichen oder erweitern. Müde, nicht wach zu bekommen die letzten Tage über, aber dennoch einigermaßen zufrieden. Vielleicht liegt’s am 2007er-Release von “Against Me!”, vielleicht auch nur daran, dass ein Ende nicht mehr nur in Sicht, sondern unausweichlich geworden ist.

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17
04 2008

Tag 46 (demanding to be tested)

Vorwärts in Lichtgeschwindigkeit. Die Nachtschicht tat gut, auch wenn sie den gestrigen Tag ruiniert hat und dazu führte, dass der heutige erst mit um 13 Uhr begonnen hat. Egal, einige Sachen sind mir sehr gelegen gekommen, etwa das, dazu Postings bei 4Players, Maniac und weiteren. Ersteres kam gut, weil es ein Interview, das ich eigentlich führen wollte, nicht mehr notwendig macht, oder im Verlagsneusprech “substituiert”. Schön. Hinzu kam dafür ein weiteres Interview, das ein frühes Kapitel der Arbeit mit weiteren Zitaten untermauert - und meinen Aussagen vor allem Recht gibt. Die Postings kommen bei einem späteren Teil zum Einsatz, das sind genau die Statements, die ich gebraucht habe, genau die Häufungen, die ich nun mehr als ausreichend belegen kann. Ach ja: Nebenbei noch das Abbildungsverzeichnis geschrieben, die Arbeit inhaltlich umgebaut, Dopplungen gelöscht, einzelne Parts deutlich erweitert und vor allem: Kenntlich gemacht, was wie zu werten ist. Das Ding wird rund, verdammt rund sogar und momentan gibt es nur einen Weg: Vorwärts mit Lichtgeschwindigkeit, Magenschmerzen und Schlafmangel halten mich da nicht ansatzweise auf.

Die Rohfassung wird in den nächsten Tagen in die Korrektur gehen, es ist noch einiges dran zu tun, aber nun ist klar, in welche Richtung es geht: Erweitern, Fakten checken, weitere Quellen einbauen, die Zeit für eine sinnvolle Überarbeitung nutzen. Denn soviel ist sicher: Das Grundgerüst steht nicht nur stabil, sondern schaut auch gut aus, das lässt sich ohne Selbststolz sagen. Also: Neue Interviews, weitere Zitate rein und nach einiger Zeit Abstand das Fazit schreiben. Und dann erst mal einen guten Whisky kaufen und eine dicke, fette Cohiba, weil es so herrlich klischeehaft ist. Ab geht’s.

Und ehe ich es vergesse: The Art of Rebellion ist ein gottgleiches Album, wenn man zu so ner Sache den passenden Soundtrack sucht.

Ach ja: Neue Comics gibts auch noch.

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16
04 2008

Tag 45 (time to raise the deadman)

Nachtschicht, siehe Uhrzeit. Etwas durch den Wind, durchaus angeschossen nach dem Diplom-Seminar der beiden letzten Tage. Deshalb schwer arbeitssüchtig, es muss doch noch einiges mehr als gedacht getan werden. Schön, dafür erfand der Herrgott den Kaffee und Basil Pouledouris den “Conan”-OST. Müde sein kann ich ein andermal, schlafen beim Zahnarzt, wo ich in zehn Stunden auftauchen sollte. Mit Betonung auf “sollte”. Ach ja: Die letzten zehn Stunden über am Literaturverzeichnis gefeilt. Nun ist es fertig, zumindest vorerst. Und mit über neuneinhalb Seiten alles andere als schmal geraten. Wie gesagt: Fühle mich latent angeschossen, eine Situation, in der nicht nur Raubtiere gefährlich werden.

edit: Ist nun (05:46) auch alphabetisch sortiert. Und um einige Kleinigkeiten erweitert. Gut schaut’s aus, ganz im Gegensatz zu meiner rechten Hand, die wohl zu lange die Maus bedient hat und nun schon vor dem restlichen Körper eingeschlafen ist. Wird wohl Zeit für’s Bett.

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13
04 2008

Tag 42 (et tu, B.?)

Herr vergib mir, denn ich lud große Sünde auf mich. Ich begab mich in eine schwer zu rechtfertigende Situation, ohne genaue Gründe hierfür zu haben, schlimmer noch: eigentlich hatte ich nur den profanen Bedarf nach Ablenkung und den Hintergedanken, im Rahmen selbiger vielleicht einige Seiten am Diplom zu ergänzen. Im Starbucks, mit dem MacBook.

Nun taugt ein derartiges Setting geradezu für Missverständnisse, denen ich mich nicht aussetzen möchte, dies aber aufgrund der Optik (solider Dreitagebart, Hemd, Sneaker) geradezu tat. Dabei bin ich doch ein bekennender Verächter der digitalen Boheme, der ich aber rein optisch betrachtet und aufgrund technischer Ausstattung, zudem auch noch in einem Starbucks, nun aber zuzurechnen war. Kann alles gar nicht sein, es gibt ja keine Boheme mehr, nur eine Bande von Losern, die sie faken und gerne ein bissi so wären, dabei aber nur eins sind: lachhaft. Dies erkennend war es also halb so wild vorhin, zudem hab ich tatsächlich etwas weggeschafft. Waren nämlich keine nervtötenden Jung-Eltern mit plärrenden Blagen da und auch keine viel nertötenderen Jugendlichen, deren Wortschatz kaum über “ey voll das Opfa die F****, Alta” hinausgeht. Und weil ein deppertes Pärchen vor mir meinen Frappucino mitnahm, bekam ich deren viel größeren Frappucino mit Caramel und Sahne, der 1,50 mehr kostet.

Und Herr, auf dem Nachhauseweg, den ich bußetuend zu Fuß und nicht in der Bahn oder dem Bus antrat, hätte ich beinahe Gelegenheit zu großer Wiedergutmachung gehabt, als mir ein gar prächtiges Exemplar eines Fotzenrockers über den Weg lief: Groß, hager, gewandet in Röhrenjeans (Acne), Burberry V-Neck (Fake), Edelsneaker und ein schwarzes Sakko (vermutlich Sherman). Der Rache in Form übler, laut vorgetragener und nur dem Zwecke der Provokation dienender Verfluchungen des Sujets, dem eine körperliche Auseinandersetzung apokalyptischer Ausmaße folgen sollte, kam jedoch etwas dazwischen: Der in rotes Neopren gehüllte Klappcomputer in meiner rechten Hand, dessen wertvoller Inhalt bei einer Konfrontation unter Umständen Schaden genommen hätte. “Dies gilt es zu vermeiden”, wie die Heldin eines großen, kontemporären und aus mir nicht verständlichen Gründen bei meiner Generation recht beliebten Romans anmerken würde. Schließlich ist ja nun auch Interview Nummer sechs vollständig abgetippt und zu Teilen schon eingebaut, wo es passt. Und das tat es, verdammt, aber sowas von.

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