Hüben und drüben sind sie am Diplomieren und ich frage mich: Hell, ist das nun echt schon ein Jahr her? Vor allem: Was ist eigentlich in der Zwischenzeit passiert? Besser gesagt: Wo ist die Zeit überhaupt hin?
Mit den Monaten sind mehr oder weniger auch die meisten Erinnerungen verschwunden. Ich weiß noch, dass es saukalt war, im April tatsächlich noch mal kurz Schnee lag und ich mehr oder weniger versucht habe, regelmäßig was zu tippen. Keine Kaffeemaschine gehabt, daher diesen ekelhaft süßen Schoko-Cappucino, wo man über das Pulver nur heißes Wasser schütten muss. Zu viele Kippen. Und “Batman”-Comics, regelmäßig, als Abendlektüre. Dann wieder aufstehen, duschen, Müsli bauen, Cappucino runterwürgen und weitertippen. Irgendwann hat das dann Struktur bekommen und schon war’s mehr oder weniger fertig. Der Rest ist an mir vorbeigeflogen.
Ab Juni dann arbeiten. Das ist nun demnächst auch ein Jahr her, dann bin ich tatsächlich schon drei Jahre lang bei ein und derselben Firma. Alltag mittlerweile, geregelt und organisiert, eingespielt. Montage werden zu Freitagen, Wochenendfeierlichtkeiten enden mit dem Sonnenaufgang und auf dem Weg in die Bude höre ich heute morgen zum ersten Mal in diesem Jahr die Vögel zwitschern, während “Schwarz zu blau” seine Runden im Hinterkopf dreht und ich beschließe, baldesmöglich wieder nach Berlin zu müssen, zumindest einige Tage lang.
Das Leben könnte schlimmer sein. Anders geworden ist es definitiv. Die FH-Zeit war ziemlich schnell und jäh zu Ende und aus den Gedanken gestrichen. Vielleicht auch nur verdrängt vom Arbeitsleben. Eins ersetzt das andere, neue Aufgaben warten und irgendwas will immer erledigt werden. Ist es nicht das Diplom, ist es eben ein Umzug. Ist der Umzug über die Bühne, finden sich in einer neuen Wohnung 1000 Dinge, die man verbessern kann. Und wenn dann mal alles so ausschaut und funktioniert, wie es soll, kommt der Ikea-Nestbautrieb. Hier noch diese Kleinigkeit, da noch jenes Detail. Hat sicher auch den einen oder anderen Tag verschlungen.
Was ist in den 365 Tagen passiert? Einiges. Vieles, über das ich hier gar nicht texten möchte. Vieles, das lange vergessen ist, verarbeitet oder verdrängt, wie auch immer. Der Soundtrack hat sich hier und da geändert, das Bücherregal ist besser gefüllt und Konsumgüter wurden fleissig angehäuft. Geld eingenommen, Geld ausgegeben. Rechnungen geschrieben, Rechnungen bezahlt. Und bei all der Regelmäßigkeit, all den Strukturen, die die Wege nun haben, vergessen, wie schnell 12 Monate doch vergehen können. Beinahe vergessen, wie wichtig die Pausen dazwischen waren, die kleinen Dinge, die einem im Alltag innehalten und lächeln lassen. Wochenendtrips zu Freunden oder der Familie, Urlaub, flüchtige Bekanntschaften, ein freundlicher Blick oder auch nur das Gefühl, grade etwas Gutes getan zu haben, etwas mit mehr Sinn als Geld verdienen durch Arbeitskraftverkauf. Denn auch all das war da - und damit wohl das Wichtigste, an das man sich erinnern sollte. An einem Sonntagabend, wenn morgen schon wieder Montag ist.







