In den nächsten Tagen wird der Beitrag zum Thema “Gaming auf dem iPod Touch” online gehen, ich muss ihn nur noch schreiben, aber bekannterweise ist das der Teil der Arbeit, der mir am leichtesten von der Hand geht. Mittlerweile befinden sich 20 Gratis-Games auf dem Gerät, mehrheitlich Testversionen, die Vollversion kostet allerdings nicht die Welt. Nebenbei begleitet mich der Touch jedoch auch morgens in der Bahn und abends auf dem Heimweg. Grund genug also, neben dem beruflichen auch ein kleines, privates Fazit zu ziehen. Falls das hier ausufern sollte endet es in einer Kritik an der Konsumkritik, der geneigte Leser sei also im voraus gewarnt.
Zunächst mal ist der Touch natürlich kein schlechtes Gerät. Die Verarbeitung ist so solide und hochwertig, wie man es von einem Gerät, das einen Neupreis von 379 Euro hat, erwarten kann. Die Bedienung dürfte selbst mäßig technikaffinen Zeitgenossen leicht von der Hand gehen. genau das lobt man ja immer an den Produkten aus Cupertino: Jeder Depp kommt damit klar (in Punkto MacBook bin ich bisweilen geneigt, diese Behauptung zu relativieren, aber das Fass machen wir heute mal nicht auf). Verbinden mit iTunes, Softwareupdate und danach erst mal massig Audiodateien rüberschieben. Dabei kommt mir der Touch subjektiv schneller vor als mein Erstgeneration-Nano, was aber nicht sein kann, beide nutzen ja USB 2.0. 32GB hat das gute Stück und damit nicht ansatzweise genug, um die heimische Plattensammlung transportabel zu machen. Also nur mal einige Alben drauf und los. Bedienung ist wie gesagt ein Kinderspiel, wie man das Ding sperrt ist ebenso schnell raus wie die restlichen Funktionen, vom Ausschalten der Tastentöne bis zur Bedienung der mückenschissgroßen Tastatur, die bei manchen Anwendungen ja benötigt wird.
Womit wir schon den ersten Kritikpunkt haben, der letztlich auch der größte sein wird und der Hauptgrund, weshalb ich mir dieses Teil niemals kaufen werde: Der iPod Touch kann einfach zu viel. Ich brauche keinen Browser, ich will nicht meine Mails checken, ich brauche kein Googlemaps, kein Youtube, keine Video-Funktion, keine Bilddatenbank. Wozu auch? Ich will Musik mitnehmen, jede Menge davon und die dann unterwegs hören. Das ist alles. Mehr nicht. Was soll also der Schnickschnack? Für ein Netbook ist das Teil zu klein, das Surfen ist unkomfortabel, Texte eintippen für nichtanorexiegeplagte Finger schier unmöglich und diese Zoomfunktion bei der man zwei Finger auseinanderspreizend über den Screen bewegt schon latent obszön.
Es sind wohl jene Funktionen, die den Preis dieses Geräts bedingen. Es können nur diese Funktionen sein, denn Speicherplatz ist Speicherplatz, da gibt es keinen “höherwertigen”. Dennoch muss man sich mal vergegenwärtigen, wie unterschiedlich die Kosten pro GB bei den verschiedenen Modellen sind: Mein alter Nano hat 2GB und damals 200 Euro gekostet - das macht stolze 100 Euro für ein Gigabyte. Der aktuelle Classic hat bei 120GB einen Preis von 240 Euro, also etwa zwei Euro pro Gigabyte. Der Touch dagegen kostet mit 32GB fast 380 Euro - das sind dann beinahe zwölf Euro pro Gigabyte. Wie rechtfertigt man diese Differenz von zehn Euro gegenüber dem Classic? Gar nicht. Bestenfalls eben über die zusätzlichen Möglichkeiten. Andere Ausreden fallen mir gerade nicht ein. Vielleicht das Design? Der Touchscreen? Höherwertige Verarbeitung oder Materialien? Oder einfach nur das Bewusstsein, dass Menschen, die 380 Euro für ein derartiges Gerät hinlegen, ohnehin keine Probleme mit Geld haben dürften?
Ich habe einmal zum Kauf eines Touch geraten, in Anbetracht der drohenden Gefahr eines iPhones, dessen Folgekosten ungleich höher gewesen wären, riet ich zum Kauf der Touch, bis auf Telefonieren und Edge ist er schließlich nahezu deckungsgleich mit dem Mobiltelefon. Persönlich war mir schon seinerzeit klar, dass keines beider Produkte für mich infrage käme. Das hat nichts mit Applefeindschaft zu tun, mitnichten, dieser Beitrag entsteht auf einem MacBook. Selbiges ist deutlich teurer als die Kollegen mit Microsoft-Betriebssystem, da bekommt man zum Preis eines MacBook ein Mehrfaches in Punkto Leistung. Vergleichen wir es mit Autos: Kein Benz-Fahrer wird sich die Frage stellen, ob der Fiat vor ihm höherwertiger ist - selbst wenn er es eventuell sogar sein könnte, oder der Benzfahrer gar eine Montagsproduktion fährt, die nach 100tkm den Geist aufgibt. Völlig egal, denn subjektiv misst man den Dingen eine höhere Wertigkeit bei: Das ist ein Benz, der ist Made in Germany, die sind zuverlässig. Das ist ein Fiat, Fehler in allen Teilen, dazu die üblichen salonrassistischen Sprüche gegen die Autobaufähigkeit des Göthereiselandes. Alles subjektiv. Aber: MacBook-Besitzer bekommen schließlich noch ein andersartiges Betriebssystem dazu (auf den Begriff “höherwertig” verzichte ich absichtlich, der Mitbewohner fühlt sich dann immer zu Spott hingerissen), gleichzeitig leben die Teile ganz offensichtlich länger (ein Jahr Dauereinsatz in unterschiedlichsten Bedingungen und die Akkulaufzeit lässt weiterhin jeden Windows-Notebook-Nutzer alt aussehen, das hat kein Vorgänger gepackt), zu guter letzt ist die Bedienung einfacher (der Mitbewohner würde sagen: “kindgerechter”). Teilweise lässt sich all das messen und nachweisen, aber das hier ist keine PR-Mitteilung und ich bin mir gewahr, dass vieles einfach subjektive Zuschreibungen sind.
Deshalb zahlen wir diese überteuerten Preise. Und hier gibt es gar keine Debatte, denn die Preise für sämtliche iPods sind überteuert. Vergleichbare Geräte kosten deutlich weniger. Warum also einen iPod kaufen? Wegen dem Stilfaktor? Also bitte, niemand wird ernsthaft behaupten wollen, mit einem iPod heute noch Stil ausdrücken zu können, zumindest wenn man einen Stilbegriff hat, der Stil als etwas Individuelles betrachtet. Da kann man ja gleich Chucks dazu anziehen und in der selbsternannten Untergrundmusikmagazinen blättern, während man sich auf den Weg zum Biofeinkostüberteuertgutewelt-Laden macht. Gnade, wirklich, iPod equal Trend, dem Marketing sei’s gedankt. Das ist das Gerät unserer Generation und der Generation davor gleich mit und der danach sicher auch. Erstklassige Leistung, muss man anerkennen und sich vor den entsprechenden Vermarktern verbeugen. Wer geht heute schließlich noch los, um einen MP3-Player zu kaufen und denkt dabei an etwas anderes als den iPod? Vermutlich niemand. Punkrock wäre es wohl, zum Zune zu greifen.
Überteuert sind sie also alle, Fakt. Bleibt die Wahl des ökonomischsten Gerätes, was in Punkto Preis-Gigabyte erhältlich ist. Es verlieren: Shuffle (45 Euro für ein GB), Nano (fast 19 Euro pro GB beziehungsweise zwölfeinhalb in der 16GB-Variante) und Touch (mit über 27 Euro pro GB in der 8GB-Version, etwa 17 Euro in der 16GB-Version und knapp 12 in der 32GB-Version). Ganz radikaler Vergleich: Medion nimmt für 20GB rund 90 Euro. Bleibt der Classic. Der hat 120 und kostet 240. Das killt nach der - zugegebenerweise sehr vereinfachten und durchaus gewollt redundanten - Rechnung hier selbst den Medion. Zudem der einzige, dessen Speicherplatz wirklich langt, da ist zusätzlich noch Platz für andere Daten der Festplatte. Und ja, er kann auch Video, aber ernsthaft, man muss schon arg verzweifelt sein, um bei 320 x 240 Pixel Bildschirmauflösung und 163dpi ernsthaftes Filmvergnügen zu erwarten. Das Ding kann Musik abspielen und sonst nix, das Design hat sich die letzten Jahre über nicht merklich verändert und vor allem kommt der Classic nicht in Modefarben daher. Stattdessen ein viel zu fetter Körper und alles andere als taschengeeignet. Sicher, nach einigem Suchen wird sich für 240 Euro ein leistungsstärkeres Produkt finden. Aber wir wollen schließlich alle die E-Klasse und nicht den Panda. Und wir sind reingefallen, die Damen und Herren aus dem Marketing waren schlauer. Man könnte nun Gründe erfinden ohne Ende, etwa dass iPods speziell für Mac-Besitzer prima sind, da man ja schon iTunes hat und das alles also nur ein einstöpseln und loslegen ist. Stimmt sogar. Aber darauf lassen wir uns heute nicht ein. Es ist und bleibt ein überteuertes Produkt der Gegenwartskultur, so individuell wie Chucks, so stilsicher und gleichzeitig ausdruckslos wie Cordsakkos und vor allem austauschbarer als Electropoppunkclashtrashsmash-Bands.
Kurz: Gekauft. Demnächst. Ich muss mich ja schließlich nicht um meine Kritikpunkte kümmern, dafür habe ich kritische Personen in meinem Umfeld. Denen ich schon im Vorfeld für die zu erwartenden Disses danken möchte.