Asozialkritik


3
07 2009

denn dies geht an alle, die sich wünschen, nicht austauschbar zu sein

freitag_tasche_dexter

(”Voila Debut”, Der Junge mit der Gitarre) Ich bin mir noch nicht so ganz sicher, ob hemmungsloser Konsum die Antwort darauf sein soll, dass es an Sinn und Zweck im Leben der Menschen meiner Generation mangelt. Könnte auch gut sein, dass es weder Sinn noch Zweck gibt. Doch irgendwie will die Leere ja gefüllt werden und wenn man ein wenig an der Außenwirkung poliert, kann das nie verkehrt sein, schließlich ist die Jagd nach Individualität ja alles. Getrieben vom Glauben daran, dass es noch wahre Einzigartigkeit geben könnte, schaut man nicht auf den Preis, wenn man eine Tasche kauft, auf deren Verpackung “individual - recycled - freewaybags” steht. Geht ja um das Look & Feel und das attestierte “du bist einzigartig”. Schön, dass man Einzigartigkeit im Regal findet - und das nicht nur, was Taschen betrifft. Mein MacBook, meine Sneaker, meine T-Shirts, meine Sonnenbrille - alles individuell, vielleicht nicht als einzelne Objekte, aber die Gesamtkombination aller, das quasi, was dann von außen her ich sein soll. Schön, dass man das alles kaufen kann und nicht mehr an der eigenen Entwicklung schrauben muss, sich hinterfragen, überdenken, neu definieren und hier und da von vorn anfangen.

Ich mag das Rot. Ist ein wenig matter als auf dem Bild. Und sie riecht noch gut, so fabrikneu. Außerdem hatte ich eine gute Ratgeberin mit, das kann also alles gar kein Griff ins Klo sein. So lange man nicht denkt, dass man sich mehr als eine verdammt gut aussehende Tasche damit kauft. So lange man nicht annimmt, dank dem Griff in den Geldbeutel die notwendige, gedankliche Auseinandersetzung mit sich selbst, die einfach ohne Unterbrechnung stattfinden muss, übertölpelt zu haben. Und so lange man nicht wirklich dem aberwitzigen Irrglauben anhängt, es gäbe, Äußerlichkeiten betreffend, noch Individualität. Einzigartigkeit ist was, das von innen kommt, vom Herzen, vom Hirn - sofern man über beides verfügt und es nicht totkonsumiert hat.

Aber dank akuter Sorglosigkeit, was sämtliche modischen Themen und diese eklige Sache mit der Einzigartikeit betrifft, kann ich die neue Dexter nun ruhig noch ein wenig mehr mögen, als es für ein Objekt gut wäre. Ist eine Tasche, nicht mehr und auch nicht weniger.

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12
10 2008

how to spend it

Ein nicht ganz ernst gemeinter Versuch, der Frage nachzugehen, was man als geldverdienendes Mitglied der Gesellschaft derzeit tun kann.

Im Zuge der aktuellen Entwicklungen auf dem weltweiten Finanzmarkt fragt man sich bisweilen schon, was man mit der Kohle noch tun soll. Das Problem ist ja, dass dieser unrühmliche Trend morgen nicht zuende sein wird. Letzte Woche brüllt der Flurfunk, dass die Finanz- und Wirtschaftsredaktionen der Republik unausgesprochene Absprachen treffen, über gewisse Dinge nicht in voller Bandbreite zu schreiben, die Gründe dürften klar sein. Es will scheinbar niemand sagen, dass es noch nicht so schnell vorbei sein wird, dass da noch einiges den Bach runter geht und dass man sich langsam aber sicher überlegen sollte, wo die Werte noch sicher sind. Weil über kurz oder lang wohl auch jene, denen man derzeit in diesen Belangen vertraut, keine Garantie mehr geben können.

Das Thema geht soweit, dass selbst beim Comic-Händler drüber philosophiert wird. Der nimmt dann die “Nazis von der Wall Street” auseinander und lästert über die Urlaube, die sich mancher Bankenvorstand kurz vor oder nach der Pleite seines Unternehmns gegönnt hat. In der Straßenbahn reden sie ebenso drüber. Und in der Redaktion ohnehin. Plötzlich tauchen allerorts Menschen auf, die ganz viel Ahnung haben und meinen, ihre Schäfchen schon im Trockenen zu haben. Sicher, darunter sind einige, die wirklich Ahnung haben, aber wie findet der Finanzlaie heraus, welche das sind? Die mit den entsprechenden Titeln oder Abschlüssen entsprechender Hochschulen? Einige davon sind gerade erst Pleite gegangen, das kann es also nicht sein. Die Blogger, die sagen dürfen, was die Wirtschaftsgosse eben nicht schreiben will? Tendenziell ja, allerdings hat sich schon in anderen Themenbereichen gezeigt, dass da viele Schwätzer herumdümpeln. Es bleibt die gleiche Frage: was tun mit der Kohle?

Der erste Gedanke: In die Schweiz bringen. Wenn sie was können, dann Geld bunkern und Landstraßen bauen, die man im Kriegsfall binnen Stunden zu Militärflughäfen umbauen kann. Zudem gute Goldreserven, das Zeug ist also einigermaßen gedeckt. Seitdem die Zollämter nicht mehr oder kaum noch besetzt sind, kommt man auch sehr angenehm rüber. Als meiner einer noch Dreadlocks trug und auf beiden Seiten der Grenze Zöllner standen, waren Durchsuchungen nicht nur zu erwarten, sondern garantiert. Heute schaut das schon anders aus, am Zoll an meinem Heimatkaff steht so gut wie selten jemand, entsprechend fällt auch die S-Klasse mit den Geldkoffern auf dem Rücksitz nicht weiter auf. Wenn die nun irgendwo warten, dann im Inland - und das auf beiden Seiten. Also einen unauffälligen Wagen besorgen und rüber mit dem Kies. Sollte kein Problem darstellen. Wenn es erst mal im Land ist, fragen die Schweizer sicher nicht, ob es auch von dort stammt. Problem: Aufgrund aktueller Entwicklungen könnte ich mir gut vorstellen, dass man die Zollämter wieder besetzt und es dürfte schwer sein, zu erklären, dass man mit Koffern voller Geld nur im Transit ist, während die Headlines der Tageszeitungen gerade in großen Lettern das Ende des nächsten Investmentdreckschweins verkünden. Also nichts mit der Schweiz.

Sparen wäre die andere Möglichkeit. Schön was zur Seite legen, es kommen schließlich immer harte Zeiten, denkt man sich ja gemeinhin. Das denken meine Eltern und vor denen sicher auch ihre Eltern. Der Fehler dieses Gedankens: Versicherungen und Entnazifizierung. Seitdem die Nazis und Ähnlichdenkende größtenteils in der sächsischen Schweiz hausen oder gegen Betonpfeiler knallen, gibt’s keinen Grund zur Annahme, dass demnächst wieder ein Krieg ausbrechen könnte, insofern muss man nicht für harte Zeiten bunkern. Droht Arbeitsunfähigkeit oder Krankheit, gibt’s Versicherungen, bei Arbeitslosigkeit gibt’s Geld vom Staat. Das mag nicht immer genug sein, aber es fließt zumindest Kohle. Für derartige Fälle zu sparen, erscheint mir also sinnlos, schließlich würde die Barschaft auch nur für einen gewissen Zeitraum vorhalten und damit letztlich nur einen Tropfen auf den heißen Stein darstellen.

In Werte investieren. Ernsthaft, es verliert ja nicht alles. Auto wird ein wenig leiden, Luxusgüter ebenso und Immobilien ist gerade auch nicht allernorts empfehlenswert, schließlich muss es auch Bonzen geben, die die Bonzenpaläste kaufen. Nur leider trifft es einige davon grade übel, schließlich haben die ja über Jahre hinweg gut angelegt und nun dick verloren. Eigentlich gar nicht so ungerecht, zumindest eine Genugtuung im Falle jener Schweine, deren Vermögen auf Ausbeutung beruht. Die Selfmade-Bonzen seien hiervon explizit ausgenommen, die können einem nun wirklich Leid tun.

Also wohin investieren? Ganz einfach: die eigene Person. Nehmen wir an, selbige hat ein mittleres vierstelliges Monatseinkommen, nach Abzug aller Steuern und Versicherungen bleiben etwa vier der Lilafarbenen hängen. Davon geht einer für Miete und Telefon drauf, der andere für vitaminreiche Nahrung. Und Alkohol sowie Kippen, selbstverständlich. Bleiben zwei übrig, auf ein Jahr hochgerechnet 12.000 Euro. Der Bankangestellte, der mich vor wenigen Tagen erst gefragt hat, ob denn mein monatliches Einkommen gewisse Sparpläne (um den Begriff “Investments” hat er sich sichtlich gedrückt) zulassen würde, kann mit einer derartigen Summe sicher was anfangen. Sagt er zumindest. Ich habe mich lediglich gefragt, ob er diese Frage ernst meint. Naja, vielleicht liest er keine Zeitung. Oder eine der Schlechteren.

Alles Bullshit.

Lösung: Ausgeben, alles. Wer einigermaßen gut rechnen und planen kann, weiß, wieviel er zum Leben braucht, wieviel übrig bleibt von dem, was rein kommt. Auch über Monate im Voraus. Und das betrifft sämtliche Bereiche, also Nahrung, Kleidung, monatliche Rechnungen, mit ein wenig Verstand kann man sich sogar denken, wie lange es der Wagen vor der Tür noch macht, sollte nicht ein Betonpfeiler den Weg kreuzen (gar keinen Wagen zu haben vereinfacht das alles natürlich ungemein). Auf den Betrag dessen, was monatlich den Besitzer wechselt, werden nochmal zehn Prozent der Summe addiert, damit es Spielraum gibt. Und der Rest wird ausgegeben. Egal wofür, die Auswahl ist groß genug. Genau das passiert aktuell auch. Es gibt noch genügend Comics, die ins Regal gehören, noch mehr als genügend Filme, die gesehen werden wollen. Der Montblanc fühlt sich zudem etwas einsam, also kauft man einen zweiten, am besten gleich eines der Sammler-Stücke, die dürften auch morgen noch was wert sein. Eine Uhr ist auch immer gut, aber keines der Teile, die nur dick aussehen, nein, gleich in die vollen gehen, IWC sollte es schon sein (deren Werk übrigens in Schaffhausen liegt, kann man also prima mit einem Abstecher in die Schweiz kombinieren). Zehn Paar Schuhe, wenn’s auch 20 sein können? Die natürlich nicht vom Billigheimer, sondern aus der Traditionsmanufaktur. Damit kann man dann immerhin im Winter die Füße warm halten, sollte die Kohle nach der Krise mal nicht mehr für Gas oder Strom reichen. Überhaupt Kleidung, davon gibt es im qualitativ hochwertigen Bereich eine ganz gute Auswahl, da sollte man nun auch entsprechend zuschlagen. Ach ja, Strellson hat einen Fabrikverkauf in Kreuzlingen, das liegt auch in der Schweiz. Um alles dann einen passenden Schrank, eines jener Modelle, die auch nach 200 Jahren noch aussehen wie neu.

Es gibt nur eines, was gerade Sinn macht: Ausgeben für Qualitätsware. Jeden einzelnen Cent, den man ansonsten sparen oder einer Bande von Koksern, die gerade mal eine handvoll Jahre älter sind, in den Rachen schmeißen würde. Denn wenn es nun schon bergab gehen soll, wenn sie nun alle die Quittung bekommen sollen und wenn es nun schon nicht das Ende, sondern nur der Anfang von selbigem ist, dann soll der Untergang wenigstens einigermaßen würdig vonstatten gehen, mit guter Nahrung, richtigen Klamotten und einigem Stil. Den Weg abwärts geht man nicht in Turnschuhen, sondern gefälligst in anständigen Budapestern. Nicht ernst gemeinte Lehrstunde in Sachen Investments beendet.

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25
06 2008

Schlaaaaaand

schland
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8
10 2007

is it luv?

xbox

Nee, Armer, no luv, just money. So verbringen die dick gepolsterten Mittelschichtjungs ihre Abende, während du Wein aus dem Tetrapack säufst. Man betrachte den dezent angebrachten Fünfziger.

(Ich glaub, das mach ich zu meinem antikapitalistischen Statement, gleich mal eine neue Rubrik aufmachen.)

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8
10 2007

ihr da unten, ich da oben

moneymoney

Richbitch-Studentenleben ist schon hart. Pasta mit Tomatensauce fressen können die andern, die in den seelenlosen, 12qm-Zimmer-Neubau-WGs, die Couchsurfer und Backpacker-Blumenkindchen. Ich dagegen frag mich: Soviel Kohle, so wenig Zeit - wohin nur mit?

Das?
Das?
Oder das?

How to spend it?

Vielleicht gar nicht. An all die Armen denken. Die geistig Verarmten genauso wie die Weltlichen. Einem PRler spenden. Oder eine örtliche “Eure Armut kotzt mich an”-Gruppe zur Bekämpfung von Sozialschmarotzern, Asis und Mittellosen gründen. Oder noch mehr Kohle machen, als eh schon da ist. Noch mehr Bankberater abwimmeln, die da mit ihrem “Herr Der-B., legen’s doch bei mir an”-Gesabbel kommen. Noch mehr Kohle für Müll ausgeben, der eh nicht gebraucht wird und nur dazu da ist, zu illustrieren, wer’s hat - und wer’s gern hätt’. Haben wir das nötig?

No good, lieber einige Bücher kaufen, die dann jenen spenden, die sie bitter nötig haben und gut is. How to spend it? Ohne mich, dafür gibt’s doch jene, die mir in wenigen Tagen schon wieder täglich begegnen. Ich hatte erwähnt, wie sehr ich mich auf das neue (glücklicherweise letzte) Semester freue, oder?

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