Von Regenwetter über fliegende BHs bis zu Beleidigungen durch den “Papa Roach”-Frontmann: Beim “Open Flair” war’s übrigens so.
Tunes
11
08 2010
give ‘em the boot
Kein Grund zur Eile, am ersten Tag gibt’s wirklich nichts, das ich unbedingt sehen müsste. Mr. Irish Bastard waren noch nie meins, Sondaschule ebensowenig und Grossstadtgeflüster treiben mir auf zu peinliche Weise im Fahrwassser von Mediengruppe Telekommander und Konsorten, als dass ich deshalb unbedingt schon Donnerstag hin müsste um mir deren pseudogesellschaftskritischen Kram zu geben. Werde ich aber dennoch, einfach der nachmittäglichen Fahrt willen und dem Gefühl, allein über die Autobahn zu brettern und mittelprächtige Kassetten zu hören.
Freitag sieht das alles schon anders aus. No use for a name spielen für meinen Geschmack deutlich zu früh, gleiches gilt für Lagwagon. Aber gut, das ist immer noch kein must-see, denn das erste davon gibt’s erst gegen 16 Uhr mit Therapy?. Also schön viel Zeit, sich das alles gut anzutrinken. Gegen 18 Uhr dann Blumentopf und erst mal wieder Pause. Bleiben NOFX gegen 20 Uhr und damit war es das dann schon. Jan Delay konnte ich schon zu Beginner-Zeiten nicht ab, seither hat sich wenig dran geändert. Vielleicht doch bleiben, einiges mehr trinken und dann noch Götz Widmann und Mad Caddies mitnehmen. Wird man sehen, was der Abend bringt.
Samstag wird lässig. Broilers in jedem Fall, allein schon in Erwartung von Sachen wie “An all den Schmutz” oder “Anti Anti Anti”, meinetwegen auch die eher tanzbaren Stücke der “Vanitas”. Against me! genauso, egal wie airplaytauglich das letzte Album geworden ist, das ist immer noch Punk und die “New Wave” kann man gerne rauf und runter spielen, das macht sie nicht schlechter. Turbostaat genauso. Bleiben Gaslight Anthem und die Frage, ob’s der Distelmeyer dann sein soll oder nicht (vermutlich wird die Entscheidung zugunsten einigen Alkohols auf mehrere Jahre vertagt). Ska-P ohne Frage. Und dann Pause bis Dendemann (& Vorfreude auf “Es geht bergab”), den aber auf jeden Fall. The Hives bitte nicht, die können andere besser abfeiern.
Sonntag dann Papa Roach, irgendwie die Band, auf die ich mich vielleicht am meisten freue (eher die unbekannteren Tracks wie “Dead Cell”, “M-80″, “Done with you”, “Be free”, also generell älteres Zeugs). Vielleicht, weil man da gut beweisen kann, dass auch 55kg Gewicht einem gewalttätigen Arschlochverhalten im Moshpit nicht entgegenstehen müssen, sondern Entschlossenheit gepaart mit suizidaler Selbsthingabe so einiges anzurichten vermögen. Muss mir dessen vermutlich mal wieder gewahr werden. Und bei Bela B dann in aller Ruhe irgendwo sitzen und grinsen. Bleiben Bad Religion, die hoffentlich nur die besseren Stücke von “New Maps of Hell” spielen (also “Heroes & Martyrs”, “New Dark Ages” und “Honest Goodbye”). Fehlt noch was? Ach ja, Wir sind Helden und Fettes Brot. Weiß ich noch nicht, ob ich eine davon wirklich brauche, um volle Zufriedenheit zu erlangen. Vermutlich bin ich dann schon auf der Autobahn, neben mir eine Tüte McDonald’s-Fraß und gehöriges Piepen auf beiden Ohren.
Archaischer Festival-Bullshit, here we go.
Ach ja: Meinen Outlook-Abwesenheits-Assistenten hab ich sogar ganz versöhnlich gestaltet: “Ihre Mails werden nicht bearbeitet” statt “Ok du Businesskasper, pass mal auf: Dir hat man vielleicht mal gesagt, dass man auch im Urlaub erreichbar zu sein hat und du fühlst dich komisch, wenn du nicht mindestens täglich mal Outlook checkst, obwohl du im Himalaya, der Serengeti, dem Südpolarmeer oder dem Ost-Ural bist. Aber ich sage dir: Fuck that! Urlaub = Urlaub = nicht arbeiten = bewusst nicht erreichbar sein wollen = wichtig für Seelebaumelei = wichtig dafür, dass du auch morgen noch fleissig arbeiten kannst. Und Arbeitgeber, die dir anderes erzählen sind a) dumm, da sie dich langfristig verheizen und b) bemittleidenswerte Schweine. Also: Du verstehst schon, dass ich auf diese Mail sicher nicht antworten werde, richtig? Danke, bist’n Smarter. Cheers, gebt ihnen den Stiefel!”
So, und damit dann off bis Sonntag. Garantiert.
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08 2010
Bierdeckel-PR

Sei nicht immer so ein vorurteilsbehafteter Nörgler, B. Denn: Die PR kann dir auch Gutes tun, etwa dich mich solchen Promo-Items versorgen! Auf denen kannst du dein kühles Bier abstellen, dass du dir grade genehmigst aus Gründen, die hier darzulegen glücklicherweise nicht nötig ist, denn das Leben ist eigentlich ganz prima. Und “Black Flag”-Anspielungen auf Bierdeckeln ein Grund, zu lächeln. Und das Album mal anzuhören, schließlich ist es ja schon seit einigen Tagen draußen und man könnte immer noch ein Review dazu tippen. Nach der neuen “Against me!” dann, die ist angenehm gut (allen voran “Suffocation”, “High Pressure” und “Rapid Decompression”. Fast schade, dass sie das Niveau nicht die komplette Platte über halten konnten). Und die spielen dann in einigen Tagen auch auf dem Festival, dessen Besuch langsam konkrete Formen annimmt. Kurz: Nur weil’s Montag ist, sollte man nicht gleich aufgeben. Gibt viel Besseres.
19
06 2010
Arbeitspferd

Noch sechs Plattenbesprechungen (drei davon dürften dank langweiligem Material schnell erledigt sein), noch eine Gamesbesprechung (nicht hier, aber anderswo, um dort eine neue, noch nicht fertige Rubrik vor dem Start mit entsprechend Material zu versehen), dazu noch ein Geschenk kaufen für heute Abend. Ach ja, das Leben abseits der Bildschirms gibt’s ja auch noch. Etwa am anderen Bildschirm, wo einige Stunden “Red Dead Redemption” gerade arg reizvoll erscheinen. Und hier und da dann mal die Frage, wie ich das hinbekomme, mich all dem eigentlich zu widmen und das nicht nur im Vorübergehen, sondern auch intensiv. Vor allem: wann.
Erstaunlicherweise klappt’s ganz gut. Vermutlich, weil ich mag, was ich tue und es nicht als Pflicht oder gar Job sehe, sondern als Spaß. Weil es irgendwo auch mehr als ein “mögen” ist, vielmehr ein “brauchen”. Das ist das, was ich kann, das ist das, was ich tun will. Was kümmert mich da die Frage nach der Zeit. Der Hut, unter den ich das alles bekommen muss (gibt ja auch noch Freunde, Liebe, Nahrungsmittel kaufen und Geldverdienen), ist schließlich groß genug. Und: Nixtun ist etwas, das ich noch nicht erlernt habe. Mangels Interesse, gab schließlich besseres zu tun.
21
04 2010
das Problemchen wird vertagt
(”Es geht bergab”, Dendemann) Ich hab mir ja dieses Mal vorgenommen, brav immer hinzugehen, nix mehr zu schwänzen, ordentlich zu lernen und wirklich mal ein ernsthaftes Studium zu betreiben. Zumindest das Sommersemester über (dessen Abkürzung mit SS ich immer noch scheiße finde, aber gut..). Das war so vor zwei Wochen. Seither habe ich zwei Vorlesungen in Mikroökonomie vorzeitig verlassen und eine Übung im selben Fach wohlwollend und in vollem Bewusstsein meiner Faulheit nicht besucht. Da stellt sich jetzt schon raus, dass das ein Hassfach sondersgleichen wird, besser noch: schon ist. Das hat auch einen ganz einfachen Grund: Mathe.
Ich mag Mathematik nicht. Ganz und gar nicht. Noch nie. Scheissfach, langweilig, linear, immer nur eine Lösung, die richtig ist, kein Spielraum. Der kleinste gemeinsame Nenner von mir und Mathe ist 0, schon seit ich denken kann. Das fängt ja schon bei bloßen Zahlen an, etwa meinem Kontostand oder dem, was da drauf- und weggekommen ist. Will ich nicht wissen, will ich mich nicht mit beschäftigen. Oder Abrufzahlen von Webseiten, Conversion-Rates und all sowas - ist mir genauso wurscht, meine journalistischen Qualitätskriterien liegen da anderswo, die Nachhaltigkeit und das Feedback geben mir und nicht den Zahlen recht. Am Schlimmsten aber sind derzeit diese ekelhaften Funktionen in Mikroökonomie. Nein, das wird niemals etwas werden, da braucht man auch keinen verhaltenen Optimismus oder Wunschdenken. Das muss realistisch gesehen werden.
Verdammt, es gibt auch einfach zu viel Schönes abseits: Etwa Bier trinken und dabei die Steuerberaterin treffen, die deutlich sichtbar Nachwuchs erwartet und deshalb keine Flugreisen antreten will. Oder die neue “Cypress Hill” hören, die so ein Brett ist, dass nach einigen Minuten hören zumindest in Gedanken auch eine Zweitkarriere als Glock-im-Hosenbund-Träger infrage käme. Übermorgen kommt zudem “Nobody’s daughter” von “Hole”, mal schauen, was das taugt. Und überhaupt, damn it: Es war grade mal eine Übung und ein wenig was von zwei Vorlesungen, das ich verpasst hab. Das hol ich schon wieder auf. Studieren ist halt nicht nur hingehen und lernen, sondern auch rausfinden, was man eigentlich will im Leben - und in der Hinsicht sind die Fortschritte in den letzten Tagen schon merklich gewesen. Läuft also alles.
15
04 2010
r.i.p.
Peter Steele hat vor einigen Jahren schonmal seinen Tod vorgetäuscht, damals war auf der Type-o-Negative-Webseite ein Bild von einem Grabstein zu sehen. Das ganze war ein Scherz, typisch für Steeles Humor, typisch für die zynischen, durchaus bösen und doppelbödigen Texte der Band. Ganz egal ob “Black No. 1″, “Christian Woman” oder “I don’t wanna be me”, die Liste an Songs, die mich die letzten Jahre über immer mal wieder begleitet haben, ist nicht kurz. Dazu kommt mit Carnivore noch eine frühe Schaffensphase, die heute kaum mehr bekannt ist, obwohl die beiden Alben mittlerweile auch in Deutschland erhältlich sind und “Sex and Violence” (gut gecovert von Biohazard) ein ausnahmslos guter Song ist, mit dessen Textzeilen (”If you can’t eat it or fuck it - then kill it!”) man noch heute für verstörte Gesichter sorgen kann. Überhaupt: Es fanden sich immer wieder interessante Schnittpunkte mit der NYHC-Bewegung und ich denke heute noch lachend an ein Interview im “Rock Hard” zurück, wo Steele angab, Häagen-Dasz-süchtig zu sein. Soweit ich mich erinnere, habe ich Type-o-Negative nie live gesehen. Dazu wird es auch keine Gelegenheit mehr geben.
Der Todesmeldung von heute ist offensichtlich kein Fake. Peter Steele ist nur 48 Jahre alt geworden. Rest in peace, die ersten zehn Bier des Abends gehen auf einen großartigen Musiker, der immer wieder gut provozieren konnte und dessen Art von Humor leider viel zu selten angetroffen wird. Verdammt schade.
12
02 2010
a race for rats to die
(”Slave to the wage”, Placebo) Zum Wochenende nix Großes, nur den obigen Song. Soll mal jeder in Ruhe drüber nachdenken - und es danach nicht beim bloßen Denken belassen. An die eigene Nase fassen, fragen, was man hier eigentlich tut, wie es soweit kam und ob’s nur noch ein Schritt ist, bis dann doch eher das zutrifft.
Anyway, die Klausur ist über die Bühne. Der Stress geht weiter. Vorteil: Man wird nicht krank, weil der Körper gar keine Gelegenheit dazu bekommt und auch keine Zeit fürs Kranksein da ist. Das schlägt dann voll durch, wenn das nächste Mal alles ruhig ist und nix zu tun. Zwei Wochen. Nachteil: Manchmal fragt man sich schon, wie man es eigentlich schafft, all das hinzubekommen. Vor allem, wenn dann noch eine Einladung zu einer Launch-Party nach Paris kommt und man sich nur denkt “well, es ist krank, es wird lustig, ich habe weder Zeit, noch schaffe ich dann die Klausur - allright, let’s do this!” Hat nicht geklappt und ich überlege, ob ich das als Warnschuss interpretieren soll - ein glücklicher, zufälliger Umstand, der mir da sowas sagen soll wie “Mach mal langsam, Alter”. Wenn’s so sein sollte: Hat die letzten 25 Jahre nicht funktioniert, wird die nächsten 25 nicht funktionieren. Wenn da eine Gelegenheit ist, noch etwas mehr zu machen, noch etwas mehr mitzunehmen und noch etwas mehr gesehen zu haben, dann wird das wahrgenommen. Alt werden kann ich geistig wie körperlich immer noch später. Und damit ab in ein schönes Wochenende.
13
11 2009
I’m dying behind these tired eyes
(”Miracle”, Foo Fighters) In Anbetracht aller möglichen Faktoren wäre es das Vernünftigste, heute zu hause zu bleiben. Der Geldbeutel würde es danken (die hiesige Gastronomie nicht), ich könnte in Ruhe am Veteran- oder Hardened-Mode von “MW2″ arbeiten (oder schlimmer noch: ein Review darüber tippen), vielleicht auch einfach nichts tun, Foo Fighters hören, darüber nachdenken, warum “In Your Honor” mit jedem mal hören besser wird und gegen elf dann ins Bett. Geschafft genug wäre ich allemal, die Woche war alles andere als kurz. Von Redaktionsalltag über Wohnungsbesichtigung, Kleinkramerledigung bis hin zu Dingen, die so wichtig oder unwichtig waren, dass ich sie schon wieder vergessen habe, war da genug Anlass, sich gestresst zu fühlen. Und natürlich “MW2″ seit Montag abend. Und die Uni. Die mittlerweile eben nicht mehr nur die Flucht vom sicheren Langeweiletod im Berufsleben darstellt, sondern einen arbeitsintensiven Komplex, bestehend aus Veranstaltungen, Vor- und Nachbereitungen und jeder Menge Eigenverantwortung. Das muss wohl so, ist ja schließlich ein “richtiges” Studium und nicht mehr die FH. Noch ist das alles eine Mischung aus Eingewöhnungsphase mit all den Emotionshochs und positivem Stress und auf der anderen Seite der Befürchtung, dass da noch ganz schön viel Arbeit kommen wird, es nicht locker ist und man den Arsch besser hochbekommt statt drüber nachzudenken, wie man grade Zeit vertrödeln könnte. Das klingt so verdammt spiessig, irgendwie. Aber gut, so sollte der Weg aussehen, nun wird es Zeit, einzusehen, warum man die steinige Variante gewählt hat und diese auch gehen sollte. Immerhin: Der Kaffee schmeckt und die Menge an gerauchten Luckies pendelt sich auf einem ganz erträglichen Niveau ein. Vermutlich würde jeder einigermaßen vernünftige Mensch mir dennoch zu einem ruhigen Abend raten. Steht ja genug an für die nächste Woche: Zwischen Arbeit und Uni kommt ein Kurztrip nach London, weniger als zwei Stunden nach der Landung in FFM wartet die Textvorstellung an der Uni, die dann natürlich auch noch meine ist. Aber gut, man lernt, mobil zu arbeiten und nimmt zwischen Hemden und Deostick (den Fehler mit dem Spray mache ich dann doch nicht nochmal) eben zwei Reader, einen grünen und blauen Marker mit und schaut, dass man statt aus dem Fenster zu schauen und sich daran zu erfreuen, wie interessant fliegen doch immer wieder aufs Neue ist, eben ein paar Seiten liest. Oder am Handout arbeitet. Wenn’s das nicht ist, bleiben hoffentlich einige Minuten für “Angriff auf die Freiheit”, das hiermit ausdrücklich (und mit Dank an den Verleiher) empfohlen sei (was man sagen kann, noch ohne es durchgelesen zu haben), schließlich behandelt es eine Sache, die gar nicht wichtig genug genommen werden kann und gerade von den Menschen meiner Generation vielfach als zu selbstverständlich hingenommen wird.
Höchste Zeit für weniger ernste Dinge. Nix mit chilligem Abend. Da wartet schließlich immer noch ein Sozialleben. Und das bleibt von allem das Wichtigste.
5
11 2009
versuch nicht mich zu halten, versuch mich zu verstehn
(”Weisses Licht”, Broilers) Zwei Dinge bleiben heute Abend hängen:
1. Hier und da dauert es einige Zeit, bis man diesen oder jenen Song so mag, wie er es eigentlich verdient hätte. Da ist so vieles, das man mal gehört hat und dann wieder vergessen, um dann während einer zehnminütigen Bahnfahrt durch die Nacht darüber zu stolpern und sich einfach nur an der Schönheit einzelner Passagen so dermaßen zu erfreuen, dass klar ist, dass dieser Song niemals wieder übersprungen wird, sondern künftig viel öfter gehört. Das trifft heute Abend zu auf “(Ich bin) bei dir” (Broilers) und die Beatsteaks-Alben Nummer drei und vier (bislang war ich mehr der “48/49″- und “Launched”-Fan, weil der Sound auf beiden noch ziemlich roh und nicht so chartkompatibel wie auf späteren Veröffentlichungen geklungen hat), daraus vor allem “A-way” und “Above us” (beide “Living Targets”) und “Everything” (”Smack Smash”).
2. Unglücklich verliebt sein ist gar nicht so schlimm. Punkt eins bügelt da einiges aus. Hornby-Scheisse zwar, aber man kann darauf klarkommen, ohne groß darüber zu flennen oder ernsthaft daran zu denken, vor den nächsten Zug zu springen. Wird schließlich Winter, höchste Zeit, dass auch die dazugehörigen Gefühle auftauchen.





