2.0 & Co.


19
07 2010

die Bäume werden doch auch von selber grün

(”Sag alles ab”, Tocotronic) Üblicherweise mache ich um das Fischwickelblatt für Halbgscheite und Gentrifizierungsgewinner ja ganz gerne einen Bogen, während ich - wie so viele Altersgenossen - natürlich täglich mehrfach und ziellos dessen Onlineableger ansurfe. Warum auch immer, anerlerntes Nutzerverhalten vermutlich. Diese Woche dagegen hat mich schon das Titelbild erwischt. Und die Story dahinter, auch wenn gerade einmal eineinhalb Seiten davon gelesen sind. Völlig egal, denn worauf es hinausläuft, kann man sich vorher denken: abschalten.

Richtige Einstellung. Heißt: Es gibt Arbeitszeiten und Zeiten, in denen nicht gearbeitet wird. Und eines darf nicht in das andere übergehen. Also nach Uhrzeit X keine e-Mails beantworten, rigoros und ohne Debatten darüber. Zeiten, in denen kein Anruf entgegengenommen wird, egal wer am anderen Ende der Leitung etwas will. Und vor dem Schlafengehen nicht mal “noch schnell online was checken, aber ich komm gleich ins Bett, Liebling!” als Ausrede für den Zwang, permanent Social Network, Kurznachrichtendienst und Blog mit neuen Inhalten zu versehen.

Ich habe demnächst zwei Wochen Urlaub, den ich nicht in Deutschland verbringen werde. Sobald ich gelandet bin, bleibt das Handy aus. Der Abwesenheits-Assistent des Mailprogramms wird nicht lauten “Ihre Mails werden in dieser Zeit nur sporadisch gelesen”, sondern “Ihre Mails werden in dieser Zeit weder gelesen noch weitergeleitet”. Immerhin: Auf das TV zu verzichten, fiel mir noch nie schwer. Und Leute mit einer unnatürlich hohen Anzahl an Tweets in Relation zur Dauer ihrer Twitter-Fanboischaft (sagen wir mal +5.000 in 12 Monaten), waren mir schon immer grundsuspekt. Ich hab also eigentlich das Zeug, ein richtig guter Offliner zu sein, wenn ich es sein will. Zeit, das auch mal konsequent durchzuziehen, mit dem rauchen aufhören war schließlich auch kein Problem.

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5
05 2010

statt SEO

broiler

Der Broiler ist zwar schon gestern verdrückt worden, aber das ist die Headline auch, zumindest, was meine gedankliche Auseinandersetzung mit der Thematik anbelangt. Dennoch: es nervt. So dermaßen, dass ein Punkt erreicht ist, an dem es Zeit wird, das zu tun, was immer getan wird, wenn etwas auf den Sack geht und verarbeitet werden muss: bloggen. Dafür ist das hier da, dafür wird das hier genutzt. In Gedanken ist der Text über etwas, das sich an was ranmacht wie Fliegen an die Scheisse, schon so gut wie fertig und bei ein paar Zeilen wird das sicher nicht bleiben. Aber gut, dann wird es raus sein, weg sein und vermutlich wird’s kaum einer Hurensuchmaschine weiter auffallen, da hier ja konsequent nicht SEO-optimiert wird. Komisch, wie kommt es nur, dass ich dennoch Leser habe?

Die Antwort darauf und eine sicher nicht neutrale, dafür aber immerhin glaubwürdige Auseinandersetzung mit etwas, das in einigen Jahren überholt sein wird und im großen Keller aller Netzirrtümer vor sich hinverrotten, demnächst.

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22
04 2010

repeat after me…

Beim Publisher Ubisoft bedankt man sich für die Herausforderung, der man sich mit Erfolg stellen konnte. Die Spielemacher sollten sich dennoch bitte auf das Spiel selbst und nicht auf die Erstellung von DRM-Mechanismen konzentrieren. Mit der Veröffentlichung des Cracks hätte Skid Row lediglich das Leben aller Spieler leichter gemacht. Der Online-Zwang sei laut der Gruppe nichts als der pure Horror.

… DRM is was bad for the customer.

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29
01 2010

5 Jahre

winter01

nein nein, aus dir wird nie etwas werden
anstatt zu werden wie du würde ich lieber sterben

(”Trauriges Leben”, Prinz Pi)

Irgendwann im Januar 2005, ich weiß den genauen Tag nicht mehr, ging diese Sache mit dem Bloggen los. Fünf Jahre sind es nun. Zeit, drüber nachzudenken, was sich seither geändert hat, was in all den Jahren mitgenommen wurde und ob’s was gibt, das man weitergeben möchte. Wird nun textlastig, Infohäppchensucher steigen bitte aus und gehen weiter im Minutentakt twittern.

Wir haben seinerzeit mit einem ziemlich einfachen System angefangen, Moveable Type 2.1, wenn ich die Versionsnummer recht in Erinnerung habe. Grauenhaftes System, wirklich denkbar unkomfortabel - aber es hat gereicht. Wir waren schließlich nicht in den Anfangstagen dabei, 2005 gab es Blogs bereits und das auch schon in nennenswerter Anzahl. Aber: Ich habe von jenen gelernt, die seit das Ding gestartet haben. Und dabei gemerkt, dass es sehr wohl wichtig ist, über Blogs und bloggen zu lernen, weil es eben keine Sache ist, die man in drei Powerpointfolien abhandelt, weil die Firma mal eben beschlossen hat, dass man sowas nun auch braucht (dazu kommen wir später noch sehr ausführlich).

Die wichtigsten Lektionen kamen von Andrea und Thomas. Letzterer hat die Basics rübergebracht, die Beiträge haben heute noch Gültigkeit. Von ersterer Adresse kamen die Tipps um das Drumherum, das Wissen darüber, wie man die Sache “richtig” macht - denn auch damals liefen schon genügend Schwätzer rum, die einem erzählen wollten, sie wären die einzigen, die wüssten, worum es da ginge und wie man damit die fette Awareness abkassiert. Well, die erste Lektion sei damit schon geliefert: Awareness bedeutet einen Scheiss. Zugriffszahlen, Trackbacks, Follower, völlig scheißegal. Das haben die Jahre und all die guten Texte in Blogs gezeigt, die keinen Pagerank von vier hatten und auch keine 3.000 Nutzer am Tag. Wer glaubt, hier ginge es um Zahlen, wird es nicht weit bringen - auch das ist immer noch gültig.

Da wir bei langen Texten sind: Dass Blogs dafür sehr gut taugen, war die nächste Lektion. Das hat den Ärger mit der Journaille begründet, die sich auch fünf Jahre später immer noch attackiert sieht, statt gegenseitigen Nutzen zu suchen, zu finden und das draus zu machen, was bislang so gut wie nie geklappt hat (eine der seltenen Ausnahmen ist die FAZ, die - wenn schon kein eigenes Wissen vorhanden ist - eben die Expertise von Könnern kauft und nicht auf preiswerte Berliner Möchtegernfachkräfte zurückgreift). Texte, das war und ist es, worum es geht. Meinetwegen multimedial aufgemacht, aber wichtig ist nur eins: Was schreibt eine/r, wie schreibt er es? Hier scheitern schon mal einige (auch dazu später mehr). Schön und gut, das war alles soweit im Januar 2005 schon so. Und dann kam Web 2.0.

Eigentlich war es ja schon da. Es hatte nur nicht den Namen und nicht die Reichweite in mittlerweile so gut wie jeden Winkel gesellschaftlichen Zusammenlebens. Nachdem der Boom, der Hype oder die logische Entwicklung (kann man sich nun aussuchen, als was von den dreien man das sehen möchte) losging, hat sich einiges verändert. Ein Beispiel: Ich war bei Fraport tätig und hatte einen Text drüber geschrieben. Das gab damals Ärger mit dem Chef. Heute bloggen die selbst (auf den ersten Blick allerdings sehr bemüht). So haben sich die Dinge entwickelt, plötzlich hat jeder gemeint, er müsse dabei sein. Und damit kommen wir zum Ärger an der ganzen Sache.

winter02

Zunächst mal ist es immer begrüßenswert, wenn Technik einer breiten Masse an Menschen zugänglich ist, da keiner ein Hoheitswissen aufbauen kann und man im Idealfall ja davon profitiert, dass mehr und mehr Menschen mitmachen, der Austausch größer und qualitativ besser wird und man irgendwann dann tatsächlich die bestmögliche Qualität der Diskussion erreicht, weil alle Meinungen vertreten sind. So, blenden wir den Soziologen und den Part mit der pluralistischen Politik mal aus, denn das war alles in der Theorie ganz schön und ist in der Praxis sicher auch vereinzelt passiert, aber es wurde nicht die Norm.

Stattdessen hat man gedacht, man könne althergebrachte Denkmuster auf ein Medium übertragen, das man noch heute nicht versteht. Das denkt man dann, man könnte seine Firma oder sein Produkt besser bekannt machen, wenn man einfach mal ein Blog dazu macht. Das haben ja schließlich alle und damit erweitert man seinen Marketingarm dann. Ist ja eine neue Möglichkeit, die kann man prima für alte Absichten nutzen. Der Prakti wird schon wissen, wie man das macht. Also mal losgelegt und voll daneben geschossen. Warum? Es gab und gibt so viele Gründe. Die meisten verstehen nicht, dass selbstreferenzielles Produktgelaber sie nicht weiterbringen wird, sondern spannende Geschichten das sind, was gefragt ist und ankommt. Dass es nicht funktioniert zu sagen “Hi, die börsennotierte Firma XYZ hat nun ein Blog” und dann zu glauben, die Klicks würden von selbst kommen (der niedrige Zuspruch zu zahllosen Firmenblogs illustriert das deutlich).

Am schlimmsten wird es dann, wenn plötzlich ein kritischer Kommentar im Blog steht. Da werden dann Meetings anberaumt und man bespricht hektisch, was zu tun sei und wie man am besten antwortet, die CC-Empfänger der entsprechenden Mails werden mehr und mehr. Und zuletzt passiert gar nichts. Klingt 2005? Schön wäre es, das haben wir auch 2010 noch. Immerhin: Patzer wie Jamba seinerzeit leistet sich besser keiner mehr, da ist man vorsichtig geworden. Man hat gemerkt, was passiert, wenn diese Szene an Bloggern auf einmal gegen die eigene Firma mobilmacht, man hat gemerkt, dass man gegen die nicht ankommt. Die Liste der Firmen, die das auf die harte Tour gelernt haben, ist lange geworden - und wird hoffentlich nie aufhören zu wachsen. Ich hatte da auch meinen Spaß (leider finde ich den entsprechenden Beitrag bei Andrea gerade nicht mehr, sonst gäb’s einen Link zu einem Text, der schön zeigt, was passiert, wenn ein Möchtegern-Webkenner als solcher geoutet wird und hilflos um sich schlägt).

Fassen wir das mal zusammen: Noch heute gibt es genügend selbsternannte Apologeten, die Gehör finden mit ihrem Bullshit. Sie wollen was erzählen von wegen neue Möglichkeiten, Coolness bei der jungen Zielgruppe, mehr Traffic und lauter solchen Dingen. Schön und gut - und auch umsetzbar. Nur - und da hakt es weiterhin - weiß man nicht so recht, wie. Und macht weiterhin sein Ding, hat nicht gelernt, dass Web 2.0 etwas ist, das davon lebt, dass man nicht nur sein Blog führt und wo auch immer möglich auf sein Blog oder sein Produkt verweist und dabei bitte bloß nicht vergisst, genügend Tags einzubauen, sondern mitmacht, bei anderen Blogs unterwegs ist, bei anderen Debatten kommentiert, sich vernetzt und das eben auch ehrlich meint und nicht aufgesetzt oder künstlich. Wieso hat man das nicht kapiert? Weil es davor nicht da war. Da ging eben die Pressemitteilung raus und die haben dann schon angerufen, wenn’s Fragen gab. Hier draußen, im Web, ruft jedoch keiner an und die (kritischen) Fragen über Firmen werden nicht auf deren Webpräsenzen abgehandelt, sondern auf den Blogs von Privatpersonen (was dann auch noch so ein Albtraum ist: “Oh nein, die schreiben was über uns im Internet!”). Nächste Lektion also: Wer glaubt, hingehen zu müssen mit seinem großen Firmennamen und dabei denkt, der Erfolg würde ihm zufliegen, irrt. Wer denkt, es reicht, wo immer nur möglich auf sich hinzuweisen, sich dabei aber aus dem, was anderswo abseites des eigenen Tellerrandes abläuft, heraushält, hat völlig zurecht keine Chance. Das sind Sätze, die ich auch schon mehrfach gegenüber Blog-Interessierten aus Unternehmen geäußert habe, weiterhin äußern werde, und deren Ehrlichkeit im Normalfall mindestens Nachdenken auslöst. Nicht selten merkt einer, dass er da von seinem bisherigen Beauftragten für derartige Fragen ziemlich verscheissert wurde oder selbiger keinen Plan hat. Danke, da helfe ich doch gerne aus.

Und die Patentlösung - so es sie denn gibt - lautet weiterhin: „Versuchen sie’s einfach.“ Nicht denken, keine großen Roadmaps, keine Roundups, Meetings oder Präsentationen. Just fucking do it. Irgendwie will ich gerade nicht glauben, dass dieser Satz, den ich auf einer Veranstaltung zum Thema “Nachfolger von Web 2.0″ vor über zwei Jahren mitgetippt habe, noch immer so verdammt wahr ist.

winter03

Ich will positiv schließen, denn nicht alles ist so schwarz, wie es die letzten Absätze darstellen mögen. Da draußen ist eine Menge Müll, ja. Ich sehe ihn täglich, ich erkenne ihn auf den ersten Blick und ich werde da nichts verlinken und dadurch mit Aufmerksamkeit würdigen, da gibt’s Blogs, die besser dafür geeignet sind (und die tägliche “Rebellmarkt”-Lektüre bleibt weiterhin das erste Highlight beim morgendlichen Kaffee). Mich berührt das wenig, denn ich weiß, dass es nichts werden wird mit derartigen Blogs, seien sie nun von Unternehmen oder Privatpersonen. Das erledigt sich mit der Zeit von selbst, egal wie gut oder schlecht die Zahlen oder die Präsenz im Netz ist. Denn: Richtig “ankommen” kann es niemals, wird es niemals. Das ist diese Art von Longtail, die völlig zurecht Longtail ist und die von jedem seriösen Blogger (und ja, auch die gibt es noch) nicht ohne Grund gemieden wird. Man hat gelernt, auf solche nicht hereinzufallen.

Und die guten Blogs ebenso zu erkennen.

Davon gibt es einige - deshalb endet dieser Beitrag hier auch positiv. Ich lese täglich etwa ein Dutzend davon und ich mag das, was dort geschrieben steht. Ich warte auf die Beiträge, wenn mal einige Tage nichts kommen sollte (übrigens noch so ein Dummgelaber von Ahnungslosen: Das geht ja nur, wenn mindestens täglich was neues kommt! Auf allen Kanälen! Ein Tag nix neues und wir sind raus!) - denn Qualität ist wichtiger und braucht Zeit zum Erstellen, da ist es also nur logisch, dass nicht im Stundentakt was kommen kann (gleichzeitig gilt dann auch der Umkehrschluss: Sieht man da Posts oder Tweets in auffälliger Häufigkeit, kann man mit recht hoher Wahrscheinlichkeit sagen, dass es sich bestenfalls um einen handeln kann, der fleissig von anderen kopiert, ein bekanntes, deutsches Blog mit “Nerd” im Namen sei hier mal das Paradebeispiel). Was ich in guten Blogs finde? Berichte über Reisen, Berichte über den Flughafenausbau, Kritik an Journalisten oder Boulevardzeitungen, Literaturkritik, Infos über neue Produkte, die mich interessieren könnten, oder einfach nur Reviews zu Games aus der Spieler- und nicht der “scheisse wir brauchen deren Werbekohle, bewertet das bloß gut!”-Perspektive. Sehr vieles.

Vor allem aber eines: Meinung. Profil. Ecken und Kanten.

Denn das ist und bleibt schon immer das zentrale Element der Sache: Subjektivität, eine eigene Meinung und die Art, wie man diese argumentativ belegt, wie man seine Figuren aufstellt, sich positioniert und - wenn nötig - verteidigt. Und wer das nicht drauf hat, sich nicht traut oder glaubt, im Namen seiner hochheiligen Firma derartiges nicht schreiben zu dürfen: Well, Darwin hat auch im 2.0 noch Gültigkeit, mit der Zeit verschwindet das von selbst. Und ich kann warten, in diesen fünf Jahren habe ich gewartet und einiges gehen sehen und recht behalten. In diesem Sinne: Auf die nächsten fünf.

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28
12 2009


das ist fünf jahre her. am 28. august 2001 wurde ich 29 jahre alt. ich arbeite als bankfuzzi im bereich capital markets operations einer großen, weltweit agierenden bank. ich hasse mein leben. das hier ist der abgeschmackte, langweilige versuch, mein scheitern zu dokumentieren. mir den status quo solange vor augen zu halten, bis ich daran etwas verändert habe.

Zum Glück gibt’s Web-Archive. Damit sowas wie Rounders auch nach dessen Ende nicht verloren geht. Unbedingt lesen.

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21
12 2009

Auf einem 24-Zoll iMac sieht es gut aus, auf einem 19-Zoll Redaktions-Monitor nicht so (Schrift zu fett / groß). Es ist klar strukturiert, einfach und nachdem ich ein ganz simples Plug-In geladen hab, auch noch mit Archiv in schwerst netter Optik (und englischen Monatsnamen..) versehen. Kurz: Neues Layout. Alles drin so far, vielleicht noch ein RSS-Button oder sowas, falls das überhaupt wer braucht. Ansonsten noch cleaner und einfacher als das letzte. Me likes.

edit: Geil, der IE 6 kann die Sidebar nicht darstellen. Gut, an alle Benutzer dieses antiquierten Browsers, die sich zufällig hierher verirrt haben: Bad luck!

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15
12 2009

sichten, gewichten, bebildern, verrecken

Kann man das so stehen lassen? Man könnte. Ein wenig was zu lachen bei diesem kalten Wetter. Nein, das ist zu gut. Das muss geteilt werden. Here we go:

Berauscht von den Möglichkeiten des weltweiten Webs vergaß man das Naheliegende, nämlich Geld zu verdienen.

So, hat man das wirklich? Wie kommt es dann, dass die Konkurrenten schon vor drei Jahren schwarze Zahlen geschrieben haben? Kann es sein, dass nur manche vergessen haben, ans Geld zu denken? Oder überhaupt nicht daran gedacht haben, ans Geld zu denken? Oder verdammt einfach: Überhaupt nicht gedacht haben, sondern nur gemacht?

Mit der ersten Krise gingen dann viele Internetfirmen pleite; Nachrichtenportale hielten sich nur, weil Verlage die Gewinne aus ihrem (Print-)Geschäft investierten.

Interessant. Nun möge mir bitte jemand erklären, was ein New-Economy-Startup mit dem Online-Angebot einer Zeitung / Zeitschrift gemein hat. Oder, von welchen “Gewinnen der Verlage” hier die Rede sein soll, wo Abozahlen (beispielsweise Spiele-Zeitschriften) schon seit Jahren extremst rückläufig sind und sich Verlage mehrheitlich mit neuen Angeboten (etwa DVD- oder Bücher-Serien) erst mal neue Gewinnbereiche schaffen mussten, um den Verlust vom Print zu kompensieren.

Denn Qualitätsjournalismus ist per se eben nicht kostenlos, sondern kostenintensiv. Wer Qualitätsjournalismus zum Nulltarif will, will keinen Qualitätsjournalismus. Jede Redaktion stellt etliche Arbeitskräfte für das Sichten, Gewichten, Bebildern und Schreiben von Nachrichten, für das Recherchieren von Geschichten, das Verfassen von Kommentaren, die investigative Reportage.

Ganz ruhig bleiben jetzt. Wirken lassen. Nicht gleich losprusten. Einfach mal die drei Top-platzierten Beiträge unter “Politik / Deutschland” anschauen, darunter ein DPA- oder AFP-Kürzel finden und dann nochmal vom Qualitätsjournalismus reden (nein nein, Copy / Paste gibt es hier ganz sicher nicht). Vom kostenintensiven Qualitätsjournalismus, dem Sichten und Bewerten und kopieren und einfügen von Pressemitteilungen. Der Recherche! Genau. Besser nicht dran denken, wie noch ein Absatz zuvor etwas von “Branchenkrise” zu lesen war - dieser Logik nach müsste das “Abendblatt” kurz vor dem absoluten Ruin stehen. Ist doch Krise und man hat doch so viel Geld für Recherche, Sichten, Bewerten etc pp gebraucht. Ach, eine Frage noch: Wenn das mit der Qualität, die kosten soll, denn stimmt: Wie kommt’s, dass ein Blatt wie die “NYT” schon 2007 ein Archiv mit dem Inhalt von 92 Jahren - dem kompletten Inhalt, wohlgemerkt - völlig kostenlos angeboten hat? Kann nur eins bedeuten: Die müssen Pleite sein. Oder 92 Jahre lang keinen Qualitätsjournalismus gemacht haben.

Trotz aller Twitterei und Bloggerei bedarf es einer Instanz, die prüfen und nachprüfen muss, die den Schein mit der Realität, die Plattitüde mit den Fakten, die Inszenierung mit der Wirklichkeit, das Schrille mit dem Relevanten abgleicht.

Genau. Nun haben wir es wieder. Die Blogger, diese Nixkönner. Kein Vergleich zum Journalisten! Der kann prüfen und nachprüfen, das bekommen diese Webfuzzis halt nicht hin. Komischerweise schaffen sie es dennoch zu einiger Popularität und graben dem seriösen “Abendblatt”-Mann damit das Wasser ab. Sind ja auch mitschuld am Untergang der Branche, am Verfall des Qualitätsjournalismus und überhaupt - wie blöd will man eigentlich kaschieren, dass man Blogs einfach nicht versteht, das Potential nicht erkannt hat und mit bloßem “die sind die Bösen!” keinen Blumentopf gewinnen wird? Scheinbar sehr blöd. Schon lustig, dass man mit dem “HSV-Blog” komischerweise ein offenbar ganz gut gehendes Angebot im Portfolio hat. Aber das wird sicher nicht von einem Journalisten betrieben.

Qualität hat ihren Preis; was nichts kostet, ist auch nichts wert.

Wollen wir das kommentieren? Müssen wir das noch kommentieren? Ich würde diesen Satz wirklich als Musterbeispiel für künftige Journalisten-Schulungen zum Thema “So geht’s im Web - nicht!” empfehlen. Das drückt diese Deutsche Stock-im-Arsch-Mentalität so wunderbar aus, das es nicht besser geht. Nee, das lassen wir jetzt mal so stehen.

Ist es zu viel verlangt, in Zeiten, wo aufgeschäumter Kaffee im Pappbecher drei Euro kostet oder das Telefonvoting für sinnbefreite Casting-Shows mindestens 50 Cent, für das Produkt Qualitätsjournalismus knapp 30 Cent am Tag zu bezahlen?

Ich würde zunächst raten, den Coffeeshop zu wechseln. Oder mal einen Gang ins Kaffeehaus zu wagen (hier findet sich ein wunderbarer Beitrag zu deren Geschichte, aber leider kostet der nix, also kann er nix wert sein, zu schade aber auch..). Telefonvoting? Da hat jemand aber ein komisches Bild von seiner Leserschaft. Gut, die Frage stellt sich nun freilich, ob Jogginhosentragende Castingshow-Votinganrufer bereit sind, 30 Cent zu löhnen für eine Zeitung im Netz. Das hätte man sich schon mal überlegen können. Oder neue Zielgruppen suchen. Aber gut, das wäre sicher zu viel verlangt, bei diesen Kaffeepreisen braucht das Recherchieren, Bewerten, etc pp sicher einiges an Zeit der hart arbeitenden Qualitätsjournalisten.

Aber was ist mit einem Bürgerbegehren in Alsterdorf, einem Umweltskandal in Billbrook oder einem umstrittenen Bauprojekt in Cranz? Welche Stimme im Netz ist in der Lage, objektiv Information zu sammeln, zu gewichten und bei Streitpunkten beide Seiten zu Wort kommen zu lassen? PR-Seiten, Blogs oder öffentliche Verlautbarungen können diesen Anspruch nicht erfüllen – und sollten es nicht.

Da haben wir es wieder. Die Blogger, diese Brut von Amateuren. Denen gehört mindestens das Maul verboten oder gleich auf selbiges gehauen. Schließlich - das wird weiter oben im Absatz erwähnt - hat man ja den Posten der vierten Gewalt besetzt. Da ist jetzt kein Platz mehr, hier sind schon wir, geh mal weg da, du schmieriger Blogger, du kannst das nicht, überlass das den Profis.

Zudem benötigen die Bürger verlässliche wie verletzliche Leitmedien, die das Geschehen bündeln und aus dem Meer von Informationen als Inseln der Relevanz herausragen.

Siehe “DPA- / AFP-Meldungen selektieren leicht gemacht. Ein Lehrgang für Praktikanten in drei Stunden”.

Vielleicht ist es aussichtslos. Vielleicht ist es selbstmörderisch. Vielleicht ist es auch unverschämt.

Selbstkritik! Leider keine ernst gemeinte. Sonst könnte man vielleicht noch miteinander reden. So jedoch bleibt nur, viel Spaß beim Bewerten, Selektieren, Auswerten und so weiter zu wünschen, darin ist man ja Profi, die anderen nicht und drum koscht’s nun - ohne dran zu denken, dass das zahlungsunwillige Klickvieh in wenigen Wochen weitergezogen sein wird. Die nächste Qualitätsjournalisten-Wiese wartet schon auf’s abgegrast werden.

Ach übrigens: Das “Abendblatt” gibt’s auch weiterhin für lau. Qualität und so.

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14
12 2009

Krise, Krise, Krise

2009 ist in einigen Tagen vorbei und die Nachrichtenlage der Medienbranche könnte nicht austauschbarer sein. Es ist eigentlich egal, ob es sich um 2009, 2008 oder 2003 handelt, das Problem ist immer noch das gleiche und die Klagen genauso. Hier will nicht für Inhalte im Web gezahlt werden, da erzählt man was von Anzeigenkrise und Blätter, die eben erst enstanden sind, stehen mehr oder weniger schon wieder auf dem Abstellgleis. Wenn’s nicht grade die Finanzkrise ist, die man als Sündenbock für Entlassungen von Mitarbeitern (selbstverständlich suchen wir weiterhin Praktikanten! Bieten unbezahlte 60 Stunden-Woche in topmotivierter Redaktion nahe München/Berlin/Hamburg!) hernimmt, sind’s die Internetnutzer. Diese Schnorrer, seit 2002 schon wollen die immer nur alles gratis und das möglichst noch umfangreich, investigativ, einzigartig und überhaupt: Wer soll denn das alles bezahlen? Ja, das liebe Geld. Das Geld, das man an Redaktionen sparen kann, ist ja Krise. Die ewig gleiche Leier jener, die immer noch nicht einsehen wollen, dass das keine Entwicklung ist, die man einfach mal so aufhalten wird oder gar umdrehen. Und mittendrin sind da immer wieder andere, die dann zeigen, wie es halt anders geht, wie man die Sache richtig macht.

Etwa “Nine Inch Nails”. Die nicht wie andere Bands Journalisten oder Fans mit Kameras gängeln, sondern auf ihrer (vermeintlich) letzten Tour eine open-camera-policy ausdrücklich gewünscht haben. Da treffen sich danach Fans im Web und schneiden zusammen, was aus verschiedenen Blickwinkeln aufgenommen wurde. Heraus kommt nicht nur ein einzigartiges Dokument über einen einzigartigen Moment (in der Geschichte der Band kam es nur zwei Mal vor, dass das komplette “Downward Spiral”-Album an einem Stück live durchgespielt wurde), sondern selbiges auch noch völlig kostenlos. Über Rapidshare und Torrents. Genau, die großen, roten Tücher der Musikindustrie. Die immer noch denkt, man könnte die eigenen Inhalte schützen und vergisst, wie smart ein 14-jähriger mit Pro-Account bei Rapidshare, Google und Download-Manager zu Werke gehen kann. Keine Chance, der Zug ist abgefahren. Dann lieber klagen, was ja bisweilen gar lukrativer sein soll als Plattenverkäufe. Das eigene Image? Drauf geschissen, diese Raubkopierer sind doch die Verbrecher.

Mal anders gedacht: Welchen Wert messe ich als Fan einer Sache wie der “Downward Spiral”-DVD bei, die ich binnen 40 Minuten kostenfrei und völlig legal aus dem Netz laden kann? Oder die kompletten Alben, die NIN gratis unter die Leute gebracht haben? Richtig: Das gibt ein fettes Plus. Und wäre ein Konzert in der Nähe gewesen, ich hätte eine Karte gekauft. Und dabei auch nicht drauf geschaut, ob sie 50 oder 75 Euro kostet. Schließlich bekomme ich außerhalb der Show die Musik und auch noch ein Video-Dokument kostenlos obendrauf. Und die Band macht mit der Tour Kohle. Das nennt sich Finanzierungsmodell, genau, die Sache, die im Web noch keiner so recht gefunden hat und die im Print, wo außer Anzeigen- und Kioskverkäufen wenig Möglichkeiten bleiben, gänzlich veraltet ist. Hier dagegen hat jemand mit dem Internet Kohle gemacht. Nicht im Internet, sondern mit den Möglichkeiten, die es bietet. Selbige sind nun wirklich lange genug bekannt, man muss doch heute nichts mehr darüber erzählen, wie Kreativität aus globaler Vernetzung, aus dezentralem Austausch und Breitband-Verbindungen als Übertragungsleitungen resultiert. Das ist so ein alter Hut, dass es fast schon weh tut zu sehen, wie einige es eben immer noch nicht verstehen. Schön, vielleicht kann man mit einem redaktionellen Angebot im Web keinen Cent verdienen, sei es noch so gut. Schön, vielleicht funktioniert es halt nicht nur über Anzeigen (oder schlimmer noch: Paid Content). Kann man hingehen und den Schnorrern die Schuld in die Schuhe schieben, dieser ungeduldigen Brut, die keine Verweildauer von 15 Minuten hinbekommt, sondern immer nur gierig nach dem nächsten Infohäppchen weiterzieht. Oder sich mal überlegen, ob man selbst vielleicht was falsch macht, in dem man zuviel von anderen abschreibt, zu wenig bietet, was Eigenständigkeit vermuten ließe und SEO wichtiger geworden ist als die Qualität redaktioneller Inhalte. Aber dieser Gedanke würde so ein wenig Selbstkritik voraussetzen. Und die findet man in den Chefetagen der Verlage scheinbar genauso wenig wie in jenen der Label-Bosse. Gut, man sieht, wie es letzteren ergangen ist und man sieht, wohin der Trend bei ersteren zeigt, schon lange genug.

Es ist so einfach, das neue Medium und/oder dessen Nutzer weiterhin zu brandmarken. Die eigene Blödheit darüber, nicht smart genug zu sein, die Möglichkeiten, die Bands wie NIN schon seit Jahren bestens zu Nutzen vermögen, auch aufs eigene Produkt anzulegen, kaschiert es leider kaum. Solche können meinetwegen gerne von der Bildfläche verschwinden - was in den nächsten Jahren vermutlich verstärkt passieren wird. Die Entwicklung ist noch lange nicht zu Ende und wer’s auch Ende 2009 nicht verstehen will, wird’s unter Umständen 2010 schon nicht mehr verstehen müssen, sondern stattdessen nach neuen Jobs Ausschau halten. In Berlin werden sicher Praktikanten gebraucht.

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8
12 2009

Nun kam schon vor einigen Tagen dieses Stöckchen rein und auch wenn sowas überlicherweise ja gar nicht meins ist, beantworte ich es halt doch mal. Here we go:

Warum bloggst du? Um allen, die da sagen, im Web gäb’s keine guten, langen Texte und / oder die würden eh keine Sau interessieren, hier und da den Gegenbeweis zu bringen. Außerdem will der Freundes- und Bekanntenkreis up to date gehalten werden und die lesen hier alle mit. Ansonsten: Seelenstrip, übersteigertes Mitteilungsbedürfnis oder einfach nur interessantes Leben dürften als Gründe genauso taugen.

Seit wann bloggst du? Seit dem Januar 2005.

Warum lesen deine Leser deinen Blog?
Alles Voyeuristen. Oder Typen, die komische Suchanfragen eingeben, wenn ich mir meine Analytics-Auswertung so ansehe..

Welche war die letzte Suchanfrage über die jemand auf deinen Blog kam? “Seit drei Alben schon” - in Anführungszeichen sogar. Werter Fanboi: Das hier ist (leider) nicht die K.I.Z.-Anlaufstelle.

Welcher deiner Blog-Einträge bekam zu Unrecht zu wenig Aufmerksamkeit? Glücklicherweise nicht die langen, sonst hätte ich in der ersten Antwort ja doch falsch gelegen. Wahrscheinlich irgendwas über Gaming, damit nerve ich den gemeinen Leser zuweilen ja arg.

Dein aktueller Lieblings-Blog?
Gibt zu viele, die täglich besucht werden.

Welchen Blog hast du zuletzt gelesen? Gamesload-Blog. Hatte berufliche Gründe.

Wieviele Feeds hast du im Moment abonniert? Zum Thema “Gaming” in etwa drei Dutzend. Zum Thema “Nachrichten” erstaunlich viele weniger, aber dank Copy-Paste-Journalismus verpasse ich ja nix.

An welche fünf Blogs wirfst du das Stöckchen weiter und warum? Maren (weil Maren), Eddy (weil Boomer), Bastyan (weil treuer Leser) und zwei namentlich nicht erwähnte.

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27
10 2009

you don’t understand who they thought I was supposed to be

(”Down in a hole”, Alice in Chains) Drei Kollegen wissen seit heute, wie das mit dem Twittern geht und was man da macht. Vor zwei Wochen kam eine Mail rein, ob ich beim Erstellen eines Blogs behilflich sein könnte. Und demnächst habe ich einen dritten Job, Quasi eine Art Betreuung diverser Social-Media-Geschichten. Wenn es das nicht ist, trifft man mich freitags in einer Veranstaltung namens “Sprache und Kommunikation im Web 2.0″, wo ich wohl dank viel zu vieler Meldungen meinerseits mittlerweile eher verrufen denn beliebt bin. Das ist alles ok so und irgendwie freut es mich, schließlich zeigt es, dass da was ist, das ich wohl kann, darüber hinaus noch mag und es zudem Menschen gibt, die mir da einiges zutrauen. Genug jedenfalls, um mir Geld dafür zu geben, oder zumindest böse Blicke in Proseminaren, was auch was wert ist. Alles schön und gut..

.. aber:

Ich bin kein Entwickler, kein Konzepter, kein Medienprohet, nichts dergleichen. Ich weiß nicht, wie man auf Twitter innerhalb von einigen Tagen tausende Follower generiert. Trafficsteigerungen oder -zuführung als Ziel eines Blogs sind mir suspekt. Und ob man dieses oder jenes braucht und / oder machen sollte, kann ich zwar beantworten, das jedoch nur aus dem Bauch heraus. Denn: Ich mache das hier nicht mit dem Geldbeutel, sondern mit dem Herzen. Dabei ist es mir egal, ob ich 40 Leser pro Tag habe oder 40.000, wie viele Backlinks hierhin führen und welchen Pagerank diese Seite hat. Ich freue mich stattdessen, wenn unter einem Beitrag ein neuer Kommentar erscheint, es ist mir mehr wert, Menschen zu so etwas zu bewegen statt Einnahmen über Ad-Impressions zu schaffen. Alles nicht meine Baustelle - und wer hierfür jemanden sucht, ist anderswo besser beraten.

Letztlich mache ich das alles nicht lange genug. Freunde sind Jahre länger dabei, ich bin hier eingeschlagen, als es schon Blogsoftwares gab (zugegeben, Moveable Type war echt scheiße), selbst Bloghosts wie “twoday” waren damals, im Januar 2005, schon am Start. Und diesen lästigen “Web 2.0″-Begriff, den gab es da auch schon. Ich bin auf einen Zug aufgesprungen, mehr nicht. Darin habe ich mir mein eigenes, kleines Abteil geschaffen und über das kann ich gerne erzählen. Da geht es dann beispielsweise darum, wieso es wichtig ist, auf Kommentare zu antworten, Quellen zu nennen und anderswohin zu verlinken. Was der Gedanke hinter diesem ganzen Vernetzen ist, woraus sich dieses Netz zusammensetzt und wie man das - meiner Meinung nach - richtig macht. Das ist nicht das, was Marketingmenschen hören möchten, das ist keine kurzlebige Angelegenheit, sondern eine Frage der Qualität und des Dranbleibens. Nicht ein Trend, dem man hinterherhechelt, weil es in der Agenda steht und alle das tun. Denn: Was alle tun, ist mir zunächst mal scheißegal.

Dennoch: Bringt jemand was in der Richtung an, bin ich dabei. Wenn es sein muss auch ohne Bezahlung (hierfür beispielsweise habe ich auch zwei Jahre danach noch nicht die vereinbarte Kohle gesehen). Denn es interessiert mich. Auf eine vielleicht eher soziologische Art. Ich will wissen, wie das alles die Menschen beeinflusst, wie es die Kommunikation verändert, den Journalismus, die Mediennutzung. All sowas. Da reichen ein paar Stichworte zum Thema und ich bin an Bord. Aber: Ich werde deshalb nicht zum Apologeten. Ich sehe es nicht als notwendig, 50 Mal täglich über verschiedene Kanäle kundzutun, was ich über dies und jenes denke, gehört habe und für unbedingt lesenswert erachte. Das ist nicht die Bühne, auf der mein Engagement stattfindet. Meine Herangehensweise an all das ist nach wie vor nicht, irgendwelchen (selbsternannten) Netzvordenkern nachzueifern, sondern das ganze im guten, alten DIY-Stil aufzuziehen: red nicht lange drüber, tu es. Und find raus, was gut ist, was für dich funktioniert, was dir an der Sache Spaß macht und womit du klarkommst. Mehr nicht, das ist das ganze Geheimnis, das ich da preisgeben kann. Meinetwegen auch ohne Bares. Denn ich sehe mich hier lediglich als eine Art Gefolgsmann (im Gegensatz zur “Hagakure”-Definition des Begriffs finde ich es allerdings nicht wirklich erstrebenswert und als größte Ehre, für meinen Lehnsherren draufzugehen), ein kleiner Baustein mit ein wenig mehr Wissen als andere Steine, aber deshalb noch lange kein tragendes Element in diesem mittlerweile viel zu verworrenen 2.0 oder Social Media oder wie auch immer man das nennen mag. Was ich von Menschen, die meinen Rat wollen, verlange, ist lediglich echtes Interesse. Wer stattdessen irgendwelche Roadmaps zu erfüllen hat, klopft bitte an anderen Türen. Gibt schließlich genug Ärsche, die sich für wenig Geld hinhalten. Meiner wird auch weiterhin keiner davon sein.

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