Work


21
08 2010

Gamescom 2010

“Die Spielebranche ist eine grausame und hirnlose Geldkloake, ein langer Korridor aus Plastik, in dem Diebe und Zuhälter tun und lassen, was sie wollen, und gute Menschen vor die Hunde gehen. Im Übrigen hat sie auch eine negative Seite”
- frei nach Hunter S. Thompson

Dienstag morgen, Bahnhof Darmstadt.

Ich habe faulheitsbedingt gar nicht erst alles aus dem Koffer geholt, sondern die Sachen, die ich noch brauchen werde, gleich drin gelassen. Spart Zeit und so. Und Zeit kann man nutzen, um sich an einem ekligen Yormas-Kaffee und einer Butterbrezel gütlich zu tun, während es auf dem Bahnsteig ganz schön kalt ist. Mütze auf und noch einige Seiten lesen, dann kommt auch schon der Zug. Die Fahrt nach Mainz ist so ereignislos, wie eine Fahrt nach Mainz nur sein kann. Dort in den ICE und ab nach Köln. Bislang passiert absolut gar nichts, außer dass die ersten Spiele-”Journalisten” zusteigen. Sie sind maximal 18, ihr Equipment ist noch nicht mal Prosumer, sie haben niemals eine journalistische Ausbildung genossen. Ihnen gehört in dieser Branche scheinbar die Zukunft, denn nirgendwo sonst sind die “Schreiber” derart jung und unerfahren. Später mehr darüber, noch ist das ja auszuhalten.

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Köln, auch nicht gerade wärmer hier. Der Taxifahrer sieht an der Ampel eine überdimensionale Werbung zu “Mafia 2″ und meint “Ah, Mafia. Ganze Welt is Mafia, nimmt jeder Geld vom anderen weg.” Ich lasse das unkommentiert und bin wenig später bei Microsoft, wo ich durch die Halle gedrückt werde, mir irgendwo eine Cola und ein Fresspaket abgreife und Menschen beim Kinect-spielen zusehe. Das sieht schon gut aus, besser jedenfalls als das, was man bislang von der Konkurrenz gesehen hat. Und ich kann’s mir immer noch nicht in meiner Bude vorstellen, vermutlich bin ich einfach so Controller-fixiert, dass dieser Part der Spielebranche immer nicht meiner sein wird. Gleiches gilt für “Halo: Reach”, das sieht aus wie eh und je. Dafür macht “Fable 3″ einen guten Eindruck und ich freue mich drauf. Das neue Xbox Live-Interface werde ich einige Tage später ohnehin nochmal ausführlich vorgeführt bekommen, insofern beschließe ich nach einer dreiviertel Stunde, gen Hotel aufzubrechen. Die Frau vor dem Gebäude meint noch, ich solle da bloß kein Taxi nehmen, das koste locker 35 Euro. Ich sage, dass das kein Problem ist, mein gut betuchter Arbeitgeber übernähme dies gerne. Wie sich herausstellt, scheint die Frau nicht allzu oft Taxi zu fahren (vermutlich einkommensbedingt…), denn die Fahrt kostet gerade mal 12 Euro, Trinkgeld inklusive. Drei Uhr, ich bin im Hotel. Noch etwas mehr als zwei Stunden, bis es weitergeht.

RTL schauen und drüber wundern, wie dumm die Menschheit doch ist. Auch wenn’s gefaked ist, man weiß ja doch, dass es so täglich stattfinden könnte in Deutschland, so auch täglich stattfindet und damit eben doch nicht so fernab der Realität ist. Zappen auf MTV, dort läuft Lady Gaga und ich finde das Video gar nicht mal übel, auch wenn es alles klaut, was Madonna in den 80ern gemacht hat. Aber gut, ich muss nur Zeit totschlagen und irgendwann ist das auch erledigt. Auf zur Sony-Pressekonferenz.

Die findet am anderen Ende der Stadt statt und dort ist - same procedure as last year - mal wieder eine fette Schlange. Also warten, hier und da “Hi” sagen zu Leuten die man kennt oder zu kennen glaubt oder irgendwo mal gesehen hat. Dann rein und Heineken. Sony-Pressekonferenz und drüber ablachen, dass der Teleprompter sichtbar oberhalb des Publikums hängt und man somit locker lesen kann, was gesagt wird, noch ehe es auf der Bühne gesagt wird. Zusammenfassend: Keine weltbewegenden Neuankündigungen abseits des Move-Bundles und dem Release-Termin von “GT 5″ (3. November), ansonsten wie immer klotzen statt kleckern, etwa in dem man den Mike Shinoda von Linkin Park auf die Bühne holt zum “Medal of Honor” spielen. Da wir die PK genau eine Minute vor deren Ende verlassen, sind wir am Buffet die Ersten. Das Abendessen besteht mehr oder weniger nur aus Fleisch, das extrem lecker schmeckt. Dazu noch mehr Heineken. Dass es langsam genug damit ist, merke ich beim Spielen eines Box-Games. Mit diesen Move-Teilen in den Händen und einer 3D-Brille auf der Nase kommt man sich schon latent dämlich vor, aber es macht Spaß. Und ist schweißtreibend. Genug für heute, Heimweg.

Wäre da nicht vor der Tür noch so viel Gelegenheit gewesen, sich festzusaufen. Gut, so wird ein viertelstündiges Gespräch draus und nun kenne ich Menschen, die Menschen kennen, die Scooter gemanagt haben, nun weiß ich, dass die Atzen gar nicht so atzig sind wie ihr Image, sondern stattdessen hart arbeitende Musiker, denen es vor allem um die Kohle geht (was ich nicht nur außerordentlich ehrlich, sondern geradezu ehrenhaft finde, besser in jedem Fall als die ganzen verlogenen Indie-Bands). Sowas passiert halt wirklich nur auf Sony-Feiern, soviel ist sicher. Goodie-Bag abgegriffen und dann aber wirklich heim. Absacker in der Lobby, gute Nacht.

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Mittwochmorgen, Hotel.

Frühstück taugt. Bacon, Eier, Früchte, Brötchen, Joghurt, Kaffee, O-Saft, schließlich wird für weitere Mahlzeiten den Tag über nicht allzu viel Zeit bleiben. Richtung Messe, wo gegen neun schon die ersten Termine warten. Bei Sony, wo leider scheinbar einige Menschen zu viel hin wollen. Gut, da ich ohnehin vom Vorabend weiß, worum es sich bei dem “geheimen tba-Titel” handelt (neues “Ratchet & Clank”), kann ich das stecken. Und mich samt Kollegen in die Halle 8 bewegen, wo Astragon die erste PK der Firmengeschichte gibt (sämtliche eher lächerlich wirkenden Dialoge der Marke “Chef: “Und was hältst du so davon?” - Produktmanager “Ja, ich finde das ganz toll!”" inklusive) und dort natürlich auch den neuen “Landwirtschafts-Simulator” vorstellt. Muss mich das interessieren? Ja, muss es, denn das Teil hat sich in Deutschland mehr als eine halbe Million Mal verkauft, verstehe das wer will - aber genau damit wird es zu einer Nachricht, genau das gibt ihm einen Wert und drum muss man halt auch mal anschauen, was man sonst nichtmal mit der Kneifzange anfasst.

Und dann zu Jowood, das neue “Gothic” gucken. Sieht ok aus, ist soweit aber auch nicht grade die Neuerfindung des Rades. Man mag hoffen, dass sie es ohne Bugs rausbringen und damit endlich diese Scheisse loswerden, die der Serie nun schon viel zu lange anhaftet. Dann zu Warner, “F.E.A.R. 3″. Und die Frage aus dem Publikum, ob man das so wirklich in Deutschland veröffentlichen wolle. Will man. Sauber, das gibt eine tiefrote 18, ist für meinen Geschmack aber zuviel Action statt Horror. Der Koop-Part wirkt interessant, aber ansonsten im Westen nicht derart viel Neues.

Halbe Stunde Pause. So oder so ähnlich, denn der Fussmarsch ins nahegelegene Radisson steht an, wo Sony mit “Infamous 2″ wartet. Das macht einen deutlich niceren Eindruck als das, was die Stunden davor so zu sehen war und ich frage mich mal wieder, warum ich keine PS3 habe. Sollte das vermutlich ändern oder drüber nachdenken, das zu ändern. Dann nochmal zu Warner und “Lego Universe” anschauen, das wirklich Eindruck macht. Eigene Kreationen basteln, dazu eigene Figuren bauen und diese auch noch animieren - definitiv kein Kinderspiel. Sondern genau das, was wir früher auch ohne Bildschirm hinbekommen haben und daher sei die Frage gestattet, warum ich das Game brauche, wenn ich auch einfach die Kiste mit den Bausteinen irgendwo auf dem Dachboden finde. Aber gut, Online-Rollenspiele sind Trend und während sie bislang im großen und ganzen alle an “WoW” gescheitert sind, hat das hier halt wirklich Potenzial. Lego sei Dank.

EA geht mir definitiv auf den Sack. Nicht wegen der Games, sondern der Frau am Schalter. Das ist hier so ein Problem, das den ganzen Tag schon fett nervt: Da liegt eigentlich nur eine Liste, auf der muss sie nur den Namen raussuchen, die Zeit und die Games und fertig. Irgendwie scheint man dazu aber nicht so recht in der Lage, und das bei anderen Publishern genauso. Woran liegt’s? Vermutlich der Optik und der Garderobe der Einlass Begehrenden. Denn kämen wir im Anzug an, wäre sicher alles lässig, das hier ist schließlich das Business-Center und sie sind alle da: die “ich bin wichtig, ich darf mich hier vordrängeln”-Spackos, die iPhone-Spazierenträger (wer richtig was zeigen will, hat übrigens ein iPad, alles andere ist mittlerweile so Mainstream wie Mando Diao), die Blackberry-Fraktion, die Business-Kasper, die vom Spielemarkt soviel Ahnung haben wie ich von Quantenmechanik, aber dennoch einen auf dickste Hose machen. Hach, hab ich das vermisst. Not.

Gut, an der EA-Frau vorbei ist dann doch nicht so heikel. Man bleibt ja freundlich, egal wie dummdreist man angemacht wird. Immer freundlich bleiben, das trifft sie am härtesten. Zieht immer, trifft immer, prima. Bei EA fix “Dead Space 2″ angeschaut und dann wieder raus.

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Nintendo ist das genau Gegenteil: Freundliche Menschen überall, die Ahnung haben und genau das tun, was einen guten Termin ausmacht: Nicht zu viel labern, stattdessen selbst spielen lassen. Das tun wir dann auch 60 Minuten lang. Fazit: Der 3DS fasziniert und steht auf der Weihnachtsgeschenke-Wunschliste nun weit oben, die neuen Wii-Games machen teilweise verdammt viel Spaß, sind oft aber auch nur Abklatsch von Bekanntem. Egal, denn hier hat’s echt Spaß gemacht, vermutlich auch, weil der Gesprächspartner Ahnung von der Materie hatte und nicht gefragt hat, wann man denn mit Reviews rechnen könne, ob man vielleicht noch Lust auf ein Gewinnspiel hätte und ähnliche Hurerei-Angebote. Nichts davon hier, stattdessen nur Games. Und darum geht es, darum sollte es gehen und alles andere ist einfach scheisse nochmal nicht meins, das sollen andere mal machen, ich mag dann damit doch nix zu tun haben. Nicht meine Tasse Tee. Stattdessen besitze ich nun eine Nintendo-Tasche, die aus einem Nintendo-Werbeplakat gefertigt wurde und damit ein Unikat ist, was sogar noch in Form eines Zertifikats beiliegt. 400 Stück davon gibt es und damit wird das Ding einiges an Kohle bei eBay bringen. Verkaufen ist in meinem Fall leider ausgeschlossen, das Teil wird wie immer verschenkt an denjenigen, den ich für am geeignetesten erachte.

Gamescom Fachbesuchertag zu Ende.

Abends verliere ich bei einer Wette zehn Euro, denn die Kollegin schafft eben doch ein 280g Steak samt Kartoffeln, Vorspeise und Garnelenspiess, auch wenn ich ihr das nicht zugetraut hätte. Was mich die erwähnten zehn Euro kostet. Der Rest des Abends ist superwitzig, durchzogen von derbsten Sprüchen, einigen Bieren und einem Absacker, mit dem dann um halb eins aber auch wirklich gut is. Sollte man meinen. Ich dagegen wälze mich im Bett hin und her, Probleme mit dem Magen. Nein, nicht vom Alk, sondern irgendwelcher Säure, die sich merkbar den Weg nach oben bahnt. Es brennt wie Sau, Wasser trinken hilft nicht und so wird getan, was getan werden muss. Schön, dass ich so aufgrund reiner Willenskraft kotzen kann, das dann tue und schlussendlich gegen drei Uhr einschlafe. Vier Stunden Schlaf, here we go.

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Donnerstag morgen, Hotel.

Heute kein oppulentes Frühstück. Und kein Kaffee. Der Magen ist noch nicht so ganz wieder da. Also Schwarztee und Früchte. Wird schon gehen. Der erste Termin ist um neun und wieder einer der guten Sorte. “F1 2010″ ist ein prima Rennspiel, steht sofort auf der “Kaufen”-Liste und “Nail’d” mag zwar böse an “Baja” und Konsorten erinnern, macht dank Numetal-Soundtrack und Krawall-Gameplay aber irgendwie doch Spaß. Der Tag fängt gut an. Selbst der Weg durch die Menge (es ist der erste Besuchertag) ist nicht so wild und so latsche ich schon wieder zum Radisson. Dieses Mal wartet “Little Big Planet 2″ und das fasziniert derart, dass ich extrem gut gelaunt zurück laufe. Und prompt Stress mit einem Security habe, der mich nicht durch den Seiteneingang reinlassen will, da ich keinen Ausstellerausweis habe. Stimmt nicht, ich habe einen entsprechenden Stempel. Das rafft der nicht und so kommt es zum längst überfällen Gefühlsausbruch dem vielfach einfach nur bescheuerten Personal gegenüber. Ich sage ihm einiges und ich glaube, er war als ich ihm den Rücken zudrehte und wegging sogar bereit, mich reinzulassen. Irgendwas in der Richtung brüllt er zumindest nach, als er noch nicht so recht glaubt, dass ich ihm grade den Mittelfinger entgegenstrecke und ihn stehen lasse. Verdammter Wichser, mehr gibt es da einfach nicht zu sagen.

Meine Wut hat glücklicherweise nur ne kurze Halbwertszeit und ich ohnehin nicht die Muße, mich dem lange zu widmen. Atari steht an, also “Majin” und “Inversion”. Hier ist das Personal äußerst freundlich, kompetent und die “Inversion”-Entwickler mal derbe Säue, was reden und präsentieren angeht. Das Game ist zwar der schlimmste “Gears of War”-Klon, den man sich vorstellen kann, aber es scheint Spaß zu machen. “Majin” ist leicht “Ico”-inspiriert, was ausdrücklich als Pluspunkt zu verstehen ist. Und ich habe danach sogar noch Zeit, bei THQ vorbeizuschauen, “Homefront” zu sehen und mit dem Kollegen, der mit mir unterwegs ist, zwei Wrestling-Games zu zocken. Plus das Wacom-ähnliche Zeichenbrett für die Wii. Das ist alles ganz lässig heute und der Magen ist mittlerweile auch wieder willens, Nahrung aufzunehmen.

14 Uhr, dtp. Wir reden schon über Games, aber nicht nur. Das macht den Termin eigentlich zum angenehmsten der Messe. Und wie das so ist mit genießen: Man schweigt drüber.

Es bleibt ein Gespräch mit dem Macher von “Plants Vs. Zombies”, das so extrem gut war, dass ich mich schon jetzt auf das noch anstehende Transkript freue. Es ging viel um Raubkopien, DRM, Unterschiede zwischen Casual und Hardcore, was Games ausmacht und und und. Und die Antworten waren einfach nur gut. Ein prima Abschluss des ersten Besuchertages. Bleibt die Branchenparty, aber da gibt es nicht viel zu erzählen außer dass sie war, dass das Essen gut war, das Kölsch auch und die Taxifahrt zurück zum Hotel ziemlich lustig. Der Abend endet gar nicht mal so spät an der Bar und ich freue mich auf den darauf folgenden, denn dann geht es nach Hause.

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Freitagmorgen, Hotel.

Das Frühstück ist wieder ähnlich oppulent wie Mittwoch, Nahrungsaufnahme funktioniert blendend. Drei Abende lang ordentlich getrunken, drei Morgen danach keinen Kater gehabt - yes we can. Und gepackt, wie immer mit der Feststellung, dass der Koffer deutlich schwerer ist als zum Anreisezeitpunkt. Mit Sack und Pack Richtung Messe um neun. Termin bei Astragon, der allerdings eher aus reden denn aus spielen besteht. Passt. Heute wirds überhaupt ruhiger werden. Microsoft stellt Kinect vor, wir finden das dazugehörige Partygame lustig und gleichzeitig ist es blöd, dass man “Gears of War” nicht zeigen will, mit einer Veröffentlichung hierzulande ist ja nicht zu rechnen und so. Schon klar. Nochmal Microsoft, dieses mal mit dem neuen Xbox Live-Interface, dass sich dank Bewegungssteuerung in etwa so bedienen lässt wie iPhone, iPod touch und iPad. Kennt man also. Bleibt “Halo: Reach” und ja, auch das hat man so oder so ähnlich schon mehrfach gesehen. Aber es ist “Halo”, es wird sich verkaufen, es ist unglaublich komplex, durchdacht bis ins letzte Spielelement und natürlich perfekt ausbalanciert. Zwar nicht mein Game, aber mehrere Millionen Menschen werden das in einigen Wochen anders sehen.

Was mein Game ist: “Fallout New Vegas”. Das spielt sich wie “Fallout 3″, packt genauso schnell und lässt noch schneller nicht los. Wäre ich nach der halben Stunde im dank Klimaanlage eklig kühlen Raum nicht aufgebrochen, hätte ich den Rest der Tages dort verbracht. Ging mir aber mit dem Vorgänger nicht anders. Einziger Unterschied: Dieses Mal wird gleich zur Importversion gegriffen, keine Lust auf Cuts ohne Ende. Kommt noch “Deus Ex” dazu, das nächste, große Messe-Highlight. Die Möglichkeiten, die das Spiel bietet, fesseln sofort. Entweder Stealth in die Polizeistation einbrechen oder den Weg brachial freiballern oder einfach reden und schauen, wie weit man damit kommt - das funktioniert, das sieht komplex aus, das verspricht einiges.

“L.A. Noire” von Rockstar ebenso. Aber das ist gar nicht vor Ort und wir nur beim Entwickler, weil man mal reden will. Das sind die schönen Momente dieser Messe, wo man einfach mal Zeit für ein Gespräch hat. Und es wird ein sehr gutes, etwa über das Image der Firma als enfant terrible, über Medien und deren Macher, die oftmals nicht die nötige Professionalität haben. Eben die Kids, die man hier überall sieht. Ich hatte das eingangs erwähnt und es fällt heftig auf. Viele von ihnen haben vermutlich noch nicht mal das Abi fertig. Aber schon eine Kamera, Diktiergerät, Foto und Notizbuch in der Hand. Einerseits finde ich das schön, es ist Grassroots, das ist wichtig, da steckt viel Liebe zum Sujet drin, echte Hingabe. Andererseits geht es um meinen Job. Den ich studiert habe, gelernt. Den ich mit Gedanken daran ausübe, welche Worte ich wähle, welchen Einstieg und welche Darstellungsform. Das ist der Unterschied. Und natürlich ist das nicht mehr derart gefragt, stattdessen sind schnelle Infos wichtiger, stattdessen will man Videos, Bilder, First-Hand-Stuff, all das. Wie wird es weitergehen? Die Spielebranche ist schon von der Thematik her am besten dazu geeignet, Citizen-Journalism und wie man all das nennen mag, stärker als andere Medienbranchen anzuziehen. Man stelle sich nur mal 17-Jährige in einer Wirtschaftsredaktion vor, das würde nicht gehen. Bei Games ist es anders. Und wird es andere Auswirkungen haben. Einerseits spannend, andererseits bedrohend und oftmals nur nervig.

Innerhalb der Branche nimmt man das ähnlich wahr. Gut, wir haben derweil ein tolles Gespräch, eben eines jener, dass Journalisten bekommen und die Kids nicht, denn denen gewährt man nicht grundlos keinen Zugang zu manchen Bereichen und Informationen. Dafür überlässt man ihnen andere Teilbereiche gerne und dankend. Ich denke, wir werden künftig prima miteinander können, sollten mit einem gegeneinander aber besser gar nicht erst anfangen - da können beide Seiten nur verlieren.

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Ich derweil nenne nach dem Gespräch einiges zum Thema “Red Dead Redemption” mein Eigen. Da wäre ein Shirt, dass tatsächlich in Größe S vorhanden war (allein dafür gehört Rockstar geadelt), ein ziemlich gut aufgemachtes Poker-Deck zum Spiel, Würfel mit Rockstar-Logo in einem Leder-Etui, ein Notizbuch, der Soundtrack zum Spiel und noch ein Stück Seife (wer den Titel kennt, versteht die Anspielung). Was ich damit tun werde? Das Shirt trage ich gerade, sitzt gut. Der Rest wird neue Besitzer finden. Menschen glücklich machen ist immer noch das Beste, das man nach einer Spielemesse tun kann.

Und selbige ist fast vorbei. Es bleibt noch genau ein Spiel. Und das soll sich als absolutes Highlight entpuppen.

“Bioshock: Infinite” wird in einem Raum präsentiert, der übelst auf 20er-Style getrimmt ist. Tabakfarbene Chesterfield-Couches die so bequem sind, dass ich fast darin einschlafe, dazu gefakte Propaganda-Plakate der neuen Spielumgebung “Columbia”, eine Stadt in den Wolken, nicht wie in den beiden Vorgängern unter Wasser. Dazu dezente Sounds, die schwerst nach Schellack klingen. Wunderbar. Und das Spiel - einfach nur über jeden Zweifel erhaben. Ich will das Teil zocken, jetzt, hier, unbedingt, überhaupt, scheisse sieht das gut aus, scheisse sind die Kämpfe packend, damn kann man da abgehen und immer wieder diese unglaubliche Optik! Want! Aber gut, bis zum Release werden noch einige Monate vergehen.

Nicht mehr viel Zeit bleibt dagegen, bis mein Zug fährt. Also Sachen packen, Kollegen verabschieden und raus.

Die Rückfahrt ist nicht wirklich spektakulär. Es ist heiß draußen, ich führe das eine oder andere Telefonat und beschließe, nicht zu arbeiten. Es gäbe genug zu tun, ein halbes Dutzend Previews müssen getippt werden, mehrere hundert Megabyte an Daten verarbeitet, mehrere Dutzend Videos geladen, ein Interview abgetippt und bearbeitet werden und und und. Nichts dergleichen heute.

Im ICE ist es wunderbar kühl. Ich höre Musik, die neue “Against me!”, eine Joe Cocker Best-of und K.I.Z.

Dann bin ich in Mainz. Dort läuft mir mein Ex-Mitbewohner aus der ersten WG über den Weg. Wir fahren zusammen nach Darmstadt und reden ein wenig.

Wieder zu Hause. Höchste Zeit für geregeltes Nichtstun. Und die Gamescom 2010 abhaken. Das war es und es wird als “schön” in Erinnerung bleiben, einfach weil ich mich sehr oft sehr wohl gefühlt habe mit dem was ich tue, mit den Menschen, die mich umgeben und mit denen ich zu tun hatte und mit der Branche, in der ich tätig bin und der Art, wie sie sich entwickelt. Klar, es gab Schattenseiten, einige davon haben Eingang in diesen Beitrag gefunden, andere werden im Hinterkopf unter der Ablage “Arschloch” gespeichert (die noch nie die leerste war), wieder andere wandern direkt in “Red dich über solche Nichtskönner einfach nicht auf, Alter”. Aber die schlechten Erlebnisse wiegen die guten nicht auf. Nicht dieses Mal. Und das ist ein verdammt schönes Gefühl.

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17
08 2010

& gone

Da ist noch der Beitrag über’s Open Flair, der fast fertig ist und demnächst im Magazin zu finden. Wird nachher im Zug geschrieben, zumindest wenn ich es schaffen sollte, “Kill your friends” auszulesen. Ist allerdings schon zu großen Teilen fertig. Vorab: War sehr nice, trotz Regen am Sonntag. Der Distelmeyer war für mich persönlich die Überraschung, ansonsten viel routiniert Gutes (NoFX, No use for a name, Broilers, Papa Roach), die eine oder andere Überraschung (Blumentopf, Ska-P, Against me!) und natürlich auch eher Enttäuschendes (Jan Delay, Gaslight Anthem). Als Bad Religion gespielt haben, war ich schon auf der Autobahn, aber die Brauch ich für irgendwelche Punkrock-Kredibilitäts-Geschichten ohnehin nicht mehr. Ach ja: Spot the B.

Ansonsten werde ich heute einige Stunden aus dem Zugfenster schauen oder die etwas mehr als 25 Termine, die da in den kommenden Tagen warten, gedanklich vorbereiten. Der iPod ist geladen und damit das wichtigste Reisezubehör einsatzbereit, die zweieinhalb Stunden bis Köln werden ganz locker. Dann Taxi, dann Microsoft, dann Hotel, dann Sony, dann Bahn, dann Bier, dann gute Nacht. So der Dienstag. Was die beiden letzten Punkte betrifft, werden auch Mittwoch und Donnerstag so laufen, da stehen noch einige Gründe für Kaltgetränke an. Nein, nicht solche “Hi, ich bin der Hoschi x von Firma y aus der Medienstadt z, lass uns networken!”-Businesswichser-wichst-Businesswichser-an-Veranstaltungen, da halte ich mich auch 2010 fern. Aber ich kenne in Köln noch Leute, deren Gesellschaft alleinschon mangels Zugehörigkeit zu dieser Branche, die mich einerseits weiterhin fasziniert und andererseits nicht mal mehr abzufucken in der Lage ist, sehr erwünscht ist. Gamescom, letse go.

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6
08 2010

von Eichen und Schweinen

machinarium

“We released the game DRM free which means it doesn’t include any anti-piracy protection, therefore the game doesn’t bother players with any serial codes or online authentication, but it’s also very easy to copy it. Our estimate from the feedback is that only 5-15% of Machinarium players actually paid for the game. If you decide to buy the game, you can be sure you’ll support directly the developers, not any big publisher or distributor.”

Das mit den fünf bis 15 Prozent zahlenden Kunden ist natürlich eine äußerst optimistische Schätzung. Aber: Man kann auf zweierlei Arten darauf reagieren, dass es Raubkopien gibt. Man kann hingehen und schreien “Die bösen Schweine, alle verknacken!” und absolut nichts ausrichten. Man kann DRM-Maßnahmen entwickeln, die ehrliche Käufer gängeln und dem Image von sowohl Firma als auch Produkt langfristig schaden (auch wenn kurzfristige Gewinne drin sind). Was bringt es? Gar nichts. Raubkopierer lachen sich schlapp, umgehen jede DRM-Maßnahme und zocken schon, während sich Käufer, die bezahlt haben, drüber ärgern, dass sie zum spielen permanent online sein müssen und der Dienst des Publishers ihren Registrier-Code nicht fressen will. Sehen wir es also ein: Es ist und bleibt schlecht für den Kunden. Und: Es wird Raubkopien geben, keine Maßnahme hat das bislang verhindert. Damit kommen wir also zu Möglichkeit zwei: Leben wir mit Raubkopien und ziehen wir unsere Lehren draus. Das hier wird ein Beitrag genau darüber.

Was der Entwickler von “Machinarium” im eingangs zitierten Blogbeitrag sagt, ist nicht gerade unverschachtelt. Zunächst ist da die Rede von “doesn’t bother players” - sprich: Es nervt nicht mit dem, was Ubisoft, EA und Co. abziehen. Man weiß sehr wohl um die Gültigkeit von “DRM is bad for the customer”. Richtiger Schritt. Konsequenz: Man kann es kopieren - “very easy”. Heißt: Andere Games kann man genauso kopieren, nur nicht so leicht. Konsequenz: Kopiert werden kann alles, wird über kurz oder lang alles und zu glauben, man könne dem zuvorkommen, man könne Mechanismen entwickeln, die diese Entwicklung unterbrechen, ist schlicht und ergreifend nur dumm. Davon abgesehen, dass das derart investierte Geld letztlich genau dann sinnlos wird, wenn der Erste das Programm geknackt hat.

Am meisten beeindruckt hat mich der letzte Satz: Das Geld geht an die Entwickler und unterstützt diese, es geht nicht an einen Publisher. Einen Publisher etwa, der Geld für sinnlose DRM-Maßnahmen herauswirft. Oder Werbekampagnen, deren Erfolg äußerst zweifelhaft sind. Oder Social-Media-Strategien, die von Leuten entwickelt werden, die nichts können außer ihr Nichtskönnen gut zu verkaufen. Alles schon viel zu oft selbst mitbekommen. Die Parallelen zur Musikindustrie könnten größer nicht sein, denn auch in der Spielebranche werden Flops sehr wohl einkalkuliert, auch hier setzt man lieber auf Massenkompatibliltät (und damit erhoffte, sichere Umsätze) und Gefälligkeit statt auf kreative Produktionen. Statt Geld in letztere zu stecken und sich damit bei einer erwachsen gewordenen Spielergemeinde einiges an Kredibilität zu holen - die sie übrigens liebend gerne jedem zuschreibt, der ein entsprechendes Produkt abliefert! - setzt man auf Jahresupdates zum Vollpreis. Und wundert sich, wenn sich Kunden verarscht fühlen, wenn mangelnde Innovation kritisiert wird. Oder Spiele raubkopiert, denn auch das sind illegale Kopien oftmals (selbstreded nicht ausschließlich): Ein durchgestreckter Mittelfinger für eine Industrie, der nichts Neues mehr einfällt.

Stattdessen sucht man als Spieler, der sich nicht nur erwachsen fühlt, sondern auch als erwachsen wahrgenommen werden will, nach Alternativen, etwa im Independent-Bereich. Genau dort kommt “Machinarium” her. Und es ist verdammt logisch, dass man wenn man ein Indie-Game abliefert auch auf etablierte Vertriebsstrategien scheisst. Wie die Alternativen aussehen? Ganz simpel: Über das Netz. In dem man einer mündigen Spielergemeinde ein gutes Produkt vorsetzt und nicht einen halbgaren Blockbuster mit Multimillionen-Budget. Klingt nach Wunschdenke? Gut, dann zeichnen wir doch einfach mal meinen Kauf von “Machinarium” nach:

16:00 Uhr: Ich lese diese News und lache. Ich klicke auf den Blogbeitrag dahinter. Und ohne ihn zu lesen (schließlich weiß ich aus der 4P-News ja schon, was drin steht), klicke ich auf den Kauflink.

16:02: Etwas mehr als vier Euro will man dort von mir, für die Vollversion (die für PC, Mac und Linux bereit steht) und den Soundtrack. Kein Geld, denke ich. Und sehe, dass ich mich für den Kauf nicht mal irgendwo registrieren muss.

16:03: Kreditkartendaten eingegeben, Download gestartet.

16:20: Alles da. Kauf abgeschlossen.

Was ich zuvor schon wusste: “Machinarium” ist ein schönes Spiel (die Demo dazu kann man auch online zocken).

Was wir von 16:00 Uhr lernen: Gute Produkte brauchen keine fette PR. Nicht, wenn man das Netz zu nutzen versteht. Dann nämlich entstehen solche News über Aktionen, die von Menschen gelesen werden und bei diesen eine Reaktion hervorrufen. Letztere ist wichtig, denn darauf folgt - im Idealfall - der Kauf. Und ich will kaufen, ich kann kaufen. Und es gibt viele Menschen in meinem Alter, denen es genauso geht, allerdings an Reizen mangelt. Und im Ernst: DRMs sind nun wirklich nicht attraktiv, es sei denn man steht drauf, für einen Tritt in die Hoden auch noch zu bezahlen.

Was wir von 16:02 Uhr und 16:03 Uhr lernen: Der Preis ist wichtig. Spiele dürfen nicht umsonst sein, aber ein erwachsener, einigermaßen smarter Kunde weiß, warum er für manche Produkte nicht 50 oder mehr Euro bezahlt, etwa wenn er im Vorjahr den gleichen Scheiss schonmal vorgesetzt bekam (hallo an “Modern Warfare” und “Fifa”). Das mit dem Preis wissen wir seit iTunes: Kunden kaufen kein ganzes Album für 15 Euro, sehr wohl aber einzelne Songs für 99 Cent. Und dieses Kleinvieh macht in der Masse verdammt viel Mist. Und noch etwas: Es gibt ein Extra, nämlich den Soundtrack. Macht zwei Kaufreize. Zuletzt am Wichtigsten: Kein umfangreicher Kaufprozess. Daten eingeben, laden, fertig. Mehr darf es nicht sein, sonst laufen die Leute weg. Denn genau das ist es, was Rapidshare und Co. allen Verkaufsplattformen voraushaben: Die Zugänglichkeit und vor allem Geschwindigkeit ihrer Server ist immer und überall garantiert. Ich weiß: Ein Klick, die File lädt mit Highspeed. Und nicht mehr. Denn mehr will ich nicht, ich bin als typischer, moderner Kunde schon schnellebig genug. Heißt: Du hast etwa 30 bis 60 Sekunden (SEHR optimistisch geschätzt!) meiner Aufmerksamkeit - also überzeuge mich besser schnell.

Was nun?

Ich werde einige Zeit mit “Machinarium” verbringen. Während ich das hier tippe, läuft der Soundtrack, den ich sehr gut finde.

Ich habe diesen Blogbeitrag geschrieben und damit eine Verkaufsempfehlung ausgesprochen (einfach oben auf den Link klicken und direkt zuschlagen). Damit mache ich kostenlos Werbung für den Entwickler. Warum ich das tue? Weil ich von seinem Produkt überzeugt bin. Was uns das über das Web 2.0 sagt? Gib den Leuten nicht irgendetwas, sondern gib ihnen etwas Gutes. Und sie werden dafür sorgen, dass es sich verbreitet. Stichworte: Authentizität, Herzblut, Innovation. Wenn das hier nur zehn Leute lesen und von diesen zehn nur zwei das Spiel kaufen, sind bereits zehn Dollar Umsatz gemacht. Potenzieren wird das, nehmen wir noch Weiterverbreitung über Twitter und Facebook, Digg und Co. hinzu - und wir haben eine Menge Geld, die sich verdienen lässt. Sofern das Produkt überzeugt - und nur darauf kommt es an. Beweise für diese Theorie? 23.000 Leute haben die Webseite zum Spiel auf ihrer Pinnwand bei Facebook gepostet, mehr als 540 bei Google Buzz. Das sind unverfälschte, direkt messbare Erfolge, keine gefakten oder geschönten Presseclippings, keine Click-Through-Raten oder Ad-Impressions. Und noch obendrauf: Schauen wir einfach mal, wie die Rabatt-Aktion etwa bei Twitter ankam - und sehen alles andere als einen Misserfolg.

Was noch?

Raubkopien gab es schon, bevor die Debatte auftauchte. Es wurden Videos, Disketten, CD-Roms und ganz früher sogar Bücher kopiert. Wir können diesen Prozess nicht aufhalten. Verfielfältigung war nie so einfach wie heute, da das Produkt nicht mehr haptisch ist und damit der Wert vielfach auch abhanden gekommen. Auch der Prozess der Produkt-Aquise ist nicht mehr derart komplex: Die Dinge sind zugänglich, liegen quasi auf der Straße. Das jedoch nicht nur für Raubkopierer, sondern auch für jene, die Geld verdienen wollen. Etwa, in dem sie Raubkopierer nicht verteufeln, sondern einen Blogbeitrag wie den anfangs zitierten verfassen, der letztlich augenzwinkernd sagt “Hey, ihr habt’s geklaut, wir wissen’s doch auch. Aber hier habt ihr es für kleines Geld, also kauft’s doch einfach und es sei euch vergeben.” Kein Herangehen wie ein prügelnder Vater, der den Sohn nach dem Diebstahl im Tante-Emma-Laden windelweich schlägt, sondern mehr ein aufeinander zugehen. Nochmal: Wir können Raubkopien nicht verhindern. Aber funktionierende Alternativen schaffen. Die schon bei iTunes funktioniert haben. Und bei “Machinarium”. Oder zig anderen Independent-Produktionen aus dem Spiele-, Film- oder Musik-Bereich. Die Liste der Erfolgsmodelle, deren Modell letztlich nur das Netz gepaart mit Kreativität sind, wird länger. Und sie zeigt uns: Wir brauchen keine fetten Budgets, kein DRM. Wir brauchen gute Produkte, gute Preise, Verfügbarkeit, kurze Zeiträume von Kaufentscheidung bis Kaufabschluss. Und schon ergibt sich alles weitere ganz von selbst.

Es wird lange dauern, bis das so in den Köpfen angekommen ist. Ich sehe sehr viel Borniertheit, faschistoide Argumente, Dummheit, Angst. Sehr viel alte Denke, sehr wenig Mut. Aber gut, die Geschichte lehrt uns, dass solche Konstellationen auch früher schon vorhanden waren. Es braucht Zeit. Etwa, um ein Umdenken zu erreichen oder um zu warten, bis die entsprechenden Personen entweder in Rente sind oder sich anderen Geschäftsfeldern (man hört, mit Abmahnungen lassen sich prozentual mehr Euros verdienen als mit CD-Verkäufen) zuwenden. Denn sie haben letztlich in der Medienbranche nichts verloren, sie schaden nur, letztlich ihren Arbeitgebern oder Produkten. Es werden Leute nachrücken, die Dinge werden sich ändern. In einigen Jahren werden wir diese Debatten auf anderen Ebenen führen, mit mehr Wissen hoffentlich.

Bis dahin habe ich mir einige Minuten Zeit genommen, um über etwas zu schreiben, das nun schon einige Wochen und Monate heraus wollte und überfällig war. Ich freue mich auf die Zeit in einigen Jahren. Und kann bis dahin warten, getreu der Maxime, dass es die Eiche nicht kümmern muss, wenn sich das Schwein an ihr kratzt.

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23
07 2010

good & gone

mit einem lachenden und zehn weinenden Augen… fare thee well!

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19
07 2010

die Bäume werden doch auch von selber grün

(”Sag alles ab”, Tocotronic) Üblicherweise mache ich um das Fischwickelblatt für Halbgscheite und Gentrifizierungsgewinner ja ganz gerne einen Bogen, während ich - wie so viele Altersgenossen - natürlich täglich mehrfach und ziellos dessen Onlineableger ansurfe. Warum auch immer, anerlerntes Nutzerverhalten vermutlich. Diese Woche dagegen hat mich schon das Titelbild erwischt. Und die Story dahinter, auch wenn gerade einmal eineinhalb Seiten davon gelesen sind. Völlig egal, denn worauf es hinausläuft, kann man sich vorher denken: abschalten.

Richtige Einstellung. Heißt: Es gibt Arbeitszeiten und Zeiten, in denen nicht gearbeitet wird. Und eines darf nicht in das andere übergehen. Also nach Uhrzeit X keine e-Mails beantworten, rigoros und ohne Debatten darüber. Zeiten, in denen kein Anruf entgegengenommen wird, egal wer am anderen Ende der Leitung etwas will. Und vor dem Schlafengehen nicht mal “noch schnell online was checken, aber ich komm gleich ins Bett, Liebling!” als Ausrede für den Zwang, permanent Social Network, Kurznachrichtendienst und Blog mit neuen Inhalten zu versehen.

Ich habe demnächst zwei Wochen Urlaub, den ich nicht in Deutschland verbringen werde. Sobald ich gelandet bin, bleibt das Handy aus. Der Abwesenheits-Assistent des Mailprogramms wird nicht lauten “Ihre Mails werden in dieser Zeit nur sporadisch gelesen”, sondern “Ihre Mails werden in dieser Zeit weder gelesen noch weitergeleitet”. Immerhin: Auf das TV zu verzichten, fiel mir noch nie schwer. Und Leute mit einer unnatürlich hohen Anzahl an Tweets in Relation zur Dauer ihrer Twitter-Fanboischaft (sagen wir mal +5.000 in 12 Monaten), waren mir schon immer grundsuspekt. Ich hab also eigentlich das Zeug, ein richtig guter Offliner zu sein, wenn ich es sein will. Zeit, das auch mal konsequent durchzuziehen, mit dem rauchen aufhören war schließlich auch kein Problem.

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17
07 2010

London V

08:22 Uhr, irgendwo über Frankreich.

10F ist einer dieser Fensterplätze mit Notausstieg und damit haben wir nun so eine Fight Club Situation. Ich habe mir die Instruktionen genau angeschaut und fühle mich von den fünf einfachen Schritten, die im Notfall für das Fortbestehen zahlreicher Mitreisender dringlichst nötig sind, heillos überfordert. Aber gut, wir malen mal nicht den Teufel an die Wand, die statistische Wahrscheinlichkeit, im Flieger draufzugehen, ist bekanntermaßen nicht die allerhöchste. Und das ist der fünfte Flug nach London, der dritte allein in diesem Jahr. Ich sollte noch einige Minuten die Augen zumachen, aber fühle mich gerade nicht in der Lage dazu.

flughafen

04:43 Uhr, Darmstadt. Ich wache zwei Minuten, bevor der Wecker geklingelt hätte, auf. Ich bin nie pünktlich, sondern stets viel zu zeitig dran. Heute ist da keine Ausnahme. Gähnen unter der Dusche, das Bad sollte mal wieder geputzt werden. Draußen kein Laut zu hören, die Stadt schläft noch. Da ich selbstverständlich auch deutlich zu früh an der Bushaltestelle bin, beschließe ich, einige Meter zu laufen. Also eine Bushaltestelle weiter. Immer noch mehr als genug Zeit, bis der Bus kommt. Also noch mal eine, denn da ist eine Bäckerei nebenan und ich spekuliere auf frühaufsteherfreundliche Öffnungszeiten. Nix da, aber gut, es ist schließlich noch nicht mal 05:15 Uhr.

Hauptbahnhof. Hier gibt’s Kaffee und der schmeckt wie erwartet grausam. Erfüllt seinen Zweck dennoch, außerdem sind es nur noch wenige Minuten, bis der Bus kommt. In selbigem höre ich “Straight Flush Ghetto”, das dritte Studioalbum der Bones und überlege, wann ich die das letzte Mal gehört habe. Oder überhaupt angefangen habe, die zu hören. Scheint ewig her. Im Osten Sonnenaufgang.

06:15 Uhr, Flughafen Frankfurt. Das ich lediglich 45 Minuten vor Boarding am Flughafen ankomme, ist für mich schon fast sowas wie Punkrock, schließlich rebelliere ich damit ja kräftig gegen dieses ekelhafte “immer viel zu früh da sein”-Ding. Konsequenz: Der Automat erkennt meine Ticketnummer nicht und verweigert den Check-in. Gut, ruhig bleiben, Typen fragen was tun, Typ sagt, zum Schalter gehen. Dort ist natürlich eine ganz ordentliche Schlange, aber keine Panik, es ist noch genug Zeit. Die Schalterfrau ist so freundlich, mich gleich noch für den Rückflug einzuzecken und fragt, wo ich sitzen möchte. Ich entgegne “Möglichst da, wo man nach der Landung schnell rauskommt”, sie rückt meine Wortwahl dahingehend zurecht, dass sie schlicht “Vorne, meinen Sie” entgegnet. Geld wechseln, zwei McCroissant (durchaus eklig, aber satt machend) und eine “Welt Kompakt” genommen. Wegen dem Format, das ist wirklich praktisch. Und so schwer wie die FR ist das Blatt weder dem Gewicht nach noch inhaltlich.

08:37 Uhr, Landeanflug durch Wolkendecke.

Immer noch “Sun Kil Moon” im Ohr, deren “April” ist definitiv ein höhrenswertes Album (und so gar nicht in Einklang zu bringen mit den Bones, soviel sei gewiss). Ich sitze hier immer noch alleine in dieser Reihe und frage mich, ob die hir alle absichtlich nicht sitzen wollten. Kann nicht sein, denn im Gang gegenüber ist auch eine Notausstiegsluke und da sitzen zwei Menschen. Unter mir taucht England langsam aus den Wolken auf. Immerhin war der Kaffee im Flieger besser als am Hauptbahnhof, dafür hat das Sandwhich oder wie die das Brötchen mit Zeug drauf nennen, das vorranig nach Luft featuring Geschmacksverstärker schmeckt, alles andere als getaugt. Zu dieser Geschichte mit dem Tomatensaft ringe ich mich freilich weiterhin nicht durch, das ist und bleibt in meinen Augen eine ausgemachte Ekligkeit.

london

09:48 Uhr, Heathrow Express
Schon vor der Passkontrolle von Cops aufgehalten worden, die wissen wollen, woher ich komme, wie lange ich bleibe und bla. Schön, seh ich halt verdächtig aus. Dann bei der Passkontrolle aufgehalten worden, weil die Maschine meinen Pass nicht lesen konnte. Glücklicherweise gibt’s die EU und ich habe meinen Perso ja auch noch dabei. Dazu kommt’s aber gar nicht, denn es lag mal wieder an der Maschine. Das Pack scheint sich heute gegen mich verschworen zu haben. An den Customs dann noch mehr Cops die böse gucken. Fürs rumstehen und böse gucken bezahlt werden, scheint ein Traumjob zu sein. Bahnticket gekauft, zum Bahnsteig gegangen, Weg blind gefunden. Nun im Zug und wie immer der Pflicht nachkommend, diesem Land seine maximale Degeneriertheit in jederlei Hinsicht dahingehend sichtbar zu machen, dass ich Scooter höre. Back in the UK, so. Sieht bewölkt aus hier, doch eine gute Entscheidung gewesen, auf Hemd zu setzen. In etwas mehr als einer Stunde geht der Spaß dann los. Sollte locker zu schaffen sein und ich erwische mich gerade dabei, mich einmal nicht selbst zu stressen oder von irgendwas anderem stressen zu lassen.

12:50 Uhr Event
Ich durfte dem Taxifahrer mal wieder drei Mal erklären, wo ich hin muss. Entweder mein Englisch ist nicht gut genug (kann nicht sein), oder ich bin des hiesigen Dialektes einfach nicht mächtig, beziehungsweise unwillens, da groß auf Pseudo zu machen und es mit dem Cockney dann mal zu versuchen. Aber gut, ich bin eh zu früh hier. “Hier” ist ziemlich downtown, eine ex-Kirche, deren Vorraum nun voller Bond-Devotionalien steht. Golden Gun, PPK Silenced, das Beisser-Gebiss, das Drehbuch zu “Goldeneye” und so weiter. Und kein Kaffee.

Warten. Smalltalk. Noch mehr warten, immer mehr Menschen kommen, dazu Kameras, Fotoapparate, noch mehr Kameras und jede Menge Smartphones. Hierzulande ist das iPhone definitiv so weit verbreitet, dass es vermutlich cool ist, wenn man keines hat. Immerhin gibt’s nun Kaffee, aber der schmeckt wirklich grausam. Also Juice, der auch nicht viel mehr hermacht. Dafür sind die Frühstücks-Häppchen ganz angenehm und ich stelle fest, dass ich auf Reisen eigentlich permanent am Fressen bin.

aston_martin

Pressekonferenz kurz nach elf. Joss Stone wird das Bondgirl im Spiel. Das Spiel wird “Blood Stone” heißen und sieht aus, wie eine Mischung aus Racer, 3rd-Person-Shooter und Zwischensequenz. Davon werden einige gezeigt, dazu Trailer und Spielszenen. Ich kann’s nicht ändern, aber das Game davor hat mich mehr interessiert: “Goldeneye”.

Vielleicht, weil es spielbar hier herumsteht. Und sich schnell vier Leute für ein Match finden. Und da ist es wieder, das alte Flair, während man durch das neu gestaltete “Archives”-Level hetzt und auf Kanonenfutter wartet. Es passt einfach alles und die Rezeptur ist denkbar einfach: Nimm vier Jungs, setze sie davor und sie erledigen den Rest. Sachen wie Herkunft, Musikgeschmack oder stilvolle Kleidung sind hier scheissegal - interessanter Ansatz eigentlich, wenn man das mal so bedenkt: Videospiele als integratives Element, quasi kulturübergreifend, da kulturignorierend. SO oder so ähnlich. Ich finde es jedenfalls nicest, auch wenn ich mittlerweile eher der Typ bin, der umgelegt wird. Gut, aus dem Training. Die alten N64-Tage lassen sich definitiv wieder beleben, wird wohl Zeit.

Mittlerweile ist es 14 Uhr. Es gab jede Menge Nahrung vom Grill, eiskalte Coke, das erste Interview ist geführt, zwei kommen noch. Draußen vor der Tür stehen zwei Aston Martin, DB5 und Vanquish. Ich gebe ersterem den Vorzug, obschon mein Blick am ersten, echten Helden des Tages und dessen Fixie hängenbleibt. Als hätte ich nicht genau sowas erwartet, schon klar. Wetter schlägt ein wenig um, hoffentlich bleibt’s bei Wind ohne Regen. Ich freue mich auf die Rückreise, später dann.

singlespeed_london

Später
Interview mit Joss Stone. Und dem Hund auf Joss Stones Schoß. Keine weiteren Kommentare.

Noch später
Interview mit dem Entwickler von “Blood Stone”, dem neuen Bond-Game.

Sehr viel später
Interview mit dem Entwickler von “Goldeneye” und großes Fanboi-raushängenlassen. Der Mann versteht es und versichert, dass die Kernelemente des heißgeliebten N64-Übergames enthalten sein werden, der Titel nur für Hardcoregamer geeignet ist und und und. Balsam für die Casualdreck-geplagte Seele.

Fast ganz spät
Reden mit dem Security-Mann. Regel Nummer eins bei Veranstaltungen jeder Art: Halte dir das Personal warm, das sind die Leute hinter den Tresen, vor und neben den Türen, an der Rezeption. Ehrliche Menschen, die eigentlich eher dein Fall sind als diese Anzugmenschen. Drum warmhalten. Davon mal abgesehen servieren sie dein Essen und bestimmen hier und da durchaus, wer was wann in welcher Menge bekommt. Und der Securitymann ist verdammt freundlich, verdammt schlau und mit ihm einige Worte wechseln in der lauen Vorabendsonne ist äußerst angenehm. Dazu italienisches Bier, weniger angenehm.

Die Rückfahrt zum Flughafen verläuft eher stressig. Weniger als 30 Minuten bis Boarding, als ich den Flughafen erreiche. Aber auch da kein Grund zu stressen, es reicht sogar noch für Shopping und ohnehin dauert hier alles länger, der Abflug verzögert sich und und und. Also alles Easy.

me

Grade extrem angenehme Turbulenzen. Das Pack zu meiner Rechten könnt’s gerne in nem Crash erwischen, selbstgefällige, kurzzschwänzige Managerhackfressen die nur auf Dänglisch über ihren COO, CEO, Projekte und Erfolge labern. Vor allem das Alphamännchen hat garantiert nicht nur nen erbärmlich Kurzen, sondern auch noch ein mieserabel hässliches Hemd das nicht zur Hose passt und nebenbei nen Sprachfehler. Den zu demontieren wäre so einfach und lustig, dass ich es beim Gedanken daran belassen möchte und heimlich in mich reingrinse.

Ausserdem ist der Akku bald leer. Und ich demnächst in Frankfurt. Langer Tag fast vorbei. Bettvorfreude. Alles, was vergessen wurde, dann ein andermal.

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17
07 2010

golden_gun

Ein nicht ganz so dezenter Hinweis, worum es bei der heutigen, fünften Visite in London ging. Da ich gerade hoffnungslos übermüdet bin, bekomm ich den eigentlich fertig geschriebenen Beitrag nicht mehr hier eingefügt, korrigiert, etc. Deshalb - und mit dem Verweis auf weitere Bilder - die Vertröstung auf das Wochenende. Das Wetter draußen ist ohnehin viel zu gut, um sich mit Blogs aufzuhalten.

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2
07 2010

hope you guessed my name

sonnenaufgang

(”Sympathy for the Devil”, Rolling Stones) 07:19 Uhr. Zwei Kaffee drin, ein Toasties und Rolling Stones hören geht auch. In zweieinhalb Stunden dann Blattkritik machen. Ich wäre meine Präsentation ja gerne nochmal durch, aber ich habe gerade keinen Zugriff via Outlook-Web-Access. Und finde das eigentlich ganz prima.

Vor einiger Zeit hatte ich ein Gespräch mit einem Freund, dessen Arbeitgeber darüber nachdachte, genau so ein System einzuführen. Ich habe ihm dringlichst geraten, dagegen zu votieren und grob skizziert, was passieren kann, wenn Mitarbeiter allzeit Zugriff auf ihre e-Mails haben. Die Grenzen zwischen Arbeit und dem, was nicht damit zu tun hat, sind auch ohne so etwas schon verschwindend gering geworden. Dass wir mittlerweile Begrifflichkeiten wie “Work-Life-Balance” verwenden, illustriert das deutlich. Meine Generation arbeitet wo sie lebt, kocht zwischendurch mal das Mittagessen und patchworkt sich ihren Lifestyle zusammen, fernab jeder Festanstellung. Soweit, so bekannt. Aber: Es wird höchste Zeit, dabei die Geschwindigkeit etwas herauszunehmen.

Deshalb muss ich auch um halb acht morgens meine Präsentation nicht nochmal durchgehen. Sie wird sowieso gut, denn ich kann das, ich mache das sogar ganz gerne. Und drum kein Grund für Stress. Während die Morgensonne drüben auf die Nobelaltbauten knallt, wird mal wieder klar: Jeder ist an dem, was er sich an Stress gibt, zu Teilen selbst schuld. Denn manchmal sollte man einfach die Chuzpe haben, den Erwartungen, die an das eigene ich gestellt werden, den durchgestreckten Mittelfinger zu zeigen. Work-Life-Balance my ass.

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19
06 2010

Arbeitspferd

platten

Noch sechs Plattenbesprechungen (drei davon dürften dank langweiligem Material schnell erledigt sein), noch eine Gamesbesprechung (nicht hier, aber anderswo, um dort eine neue, noch nicht fertige Rubrik vor dem Start mit entsprechend Material zu versehen), dazu noch ein Geschenk kaufen für heute Abend. Ach ja, das Leben abseits der Bildschirms gibt’s ja auch noch. Etwa am anderen Bildschirm, wo einige Stunden “Red Dead Redemption” gerade arg reizvoll erscheinen. Und hier und da dann mal die Frage, wie ich das hinbekomme, mich all dem eigentlich zu widmen und das nicht nur im Vorübergehen, sondern auch intensiv. Vor allem: wann.

Erstaunlicherweise klappt’s ganz gut. Vermutlich, weil ich mag, was ich tue und es nicht als Pflicht oder gar Job sehe, sondern als Spaß. Weil es irgendwo auch mehr als ein “mögen” ist, vielmehr ein “brauchen”. Das ist das, was ich kann, das ist das, was ich tun will. Was kümmert mich da die Frage nach der Zeit. Der Hut, unter den ich das alles bekommen muss (gibt ja auch noch Freunde, Liebe, Nahrungsmittel kaufen und Geldverdienen), ist schließlich groß genug. Und: Nixtun ist etwas, das ich noch nicht erlernt habe. Mangels Interesse, gab schließlich besseres zu tun.

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7
03 2010

London III

ticket

Ich frage mich, ob ich es in diesem Leben mal schaffen werde, ganz “normal” nach London zu fliegen. Das dritte Mal steht nun an und wie die Vorgänger eins und zwei geht’s um Games. Da ich am selben Tag hin- und zurückfliege, ist mein ansonsten ohnehin nicht gerade voluminöses Gepäck reduziert auf eine Tasche und gut is. Könnte ich mal einen oder zwei Tage länger bleiben, käme auch ein leerer Koffer mit, der dann voll zurückgebracht würde. Man hat ja durchaus noch den einen oder anderen Konsumwunsch, der grade preiswert zu haben sein dürfte. Aber gut, so wird’s mal wieder nix. Immerhin geht der Rückflug dieses Mal nicht von Terminal 5, sondern 1. Und Lufthansa ist auch ein echtes Upgrade, möchte gar nicht wissen, was die für den Flug gelöhnt haben (weiß es neugierig wie ich bin aber und bin… impressed). Egal, in Terminal 1 werde ich mich in Ruhe nach einigen Games umschauen, die billig mitnehmen und mich dran freuen. Das mit dem Anzug, den Schuhen und dem halben Dutzend Hemden wird dann ein andermal erledigt.

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