Moshpit


24
08 2010

festivalshizzle

Von Regenwetter über fliegende BHs bis zu Beleidigungen durch den “Papa Roach”-Frontmann: Beim “Open Flair” war’s übrigens so.

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11
08 2010

give ‘em the boot

Kein Grund zur Eile, am ersten Tag gibt’s wirklich nichts, das ich unbedingt sehen müsste. Mr. Irish Bastard waren noch nie meins, Sondaschule ebensowenig und Grossstadtgeflüster treiben mir auf zu peinliche Weise im Fahrwassser von Mediengruppe Telekommander und Konsorten, als dass ich deshalb unbedingt schon Donnerstag hin müsste um mir deren pseudogesellschaftskritischen Kram zu geben. Werde ich aber dennoch, einfach der nachmittäglichen Fahrt willen und dem Gefühl, allein über die Autobahn zu brettern und mittelprächtige Kassetten zu hören.

Freitag sieht das alles schon anders aus. No use for a name spielen für meinen Geschmack deutlich zu früh, gleiches gilt für Lagwagon. Aber gut, das ist immer noch kein must-see, denn das erste davon gibt’s erst gegen 16 Uhr mit Therapy?. Also schön viel Zeit, sich das alles gut anzutrinken. Gegen 18 Uhr dann Blumentopf und erst mal wieder Pause. Bleiben NOFX gegen 20 Uhr und damit war es das dann schon. Jan Delay konnte ich schon zu Beginner-Zeiten nicht ab, seither hat sich wenig dran geändert. Vielleicht doch bleiben, einiges mehr trinken und dann noch Götz Widmann und Mad Caddies mitnehmen. Wird man sehen, was der Abend bringt.

Samstag wird lässig. Broilers in jedem Fall, allein schon in Erwartung von Sachen wie “An all den Schmutz” oder “Anti Anti Anti”, meinetwegen auch die eher tanzbaren Stücke der “Vanitas”. Against me! genauso, egal wie airplaytauglich das letzte Album geworden ist, das ist immer noch Punk und die “New Wave” kann man gerne rauf und runter spielen, das macht sie nicht schlechter. Turbostaat genauso. Bleiben Gaslight Anthem und die Frage, ob’s der Distelmeyer dann sein soll oder nicht (vermutlich wird die Entscheidung zugunsten einigen Alkohols auf mehrere Jahre vertagt). Ska-P ohne Frage. Und dann Pause bis Dendemann (& Vorfreude auf “Es geht bergab”), den aber auf jeden Fall. The Hives bitte nicht, die können andere besser abfeiern.

Sonntag dann Papa Roach, irgendwie die Band, auf die ich mich vielleicht am meisten freue (eher die unbekannteren Tracks wie “Dead Cell”, “M-80″, “Done with you”, “Be free”, also generell älteres Zeugs). Vielleicht, weil man da gut beweisen kann, dass auch 55kg Gewicht einem gewalttätigen Arschlochverhalten im Moshpit nicht entgegenstehen müssen, sondern Entschlossenheit gepaart mit suizidaler Selbsthingabe so einiges anzurichten vermögen. Muss mir dessen vermutlich mal wieder gewahr werden. Und bei Bela B dann in aller Ruhe irgendwo sitzen und grinsen. Bleiben Bad Religion, die hoffentlich nur die besseren Stücke von “New Maps of Hell” spielen (also “Heroes & Martyrs”, “New Dark Ages” und “Honest Goodbye”). Fehlt noch was? Ach ja, Wir sind Helden und Fettes Brot. Weiß ich noch nicht, ob ich eine davon wirklich brauche, um volle Zufriedenheit zu erlangen. Vermutlich bin ich dann schon auf der Autobahn, neben mir eine Tüte McDonald’s-Fraß und gehöriges Piepen auf beiden Ohren.

Archaischer Festival-Bullshit, here we go.

Ach ja: Meinen Outlook-Abwesenheits-Assistenten hab ich sogar ganz versöhnlich gestaltet: “Ihre Mails werden nicht bearbeitet” statt “Ok du Businesskasper, pass mal auf: Dir hat man vielleicht mal gesagt, dass man auch im Urlaub erreichbar zu sein hat und du fühlst dich komisch, wenn du nicht mindestens täglich mal Outlook checkst, obwohl du im Himalaya, der Serengeti, dem Südpolarmeer oder dem Ost-Ural bist. Aber ich sage dir: Fuck that! Urlaub = Urlaub = nicht arbeiten = bewusst nicht erreichbar sein wollen = wichtig für Seelebaumelei = wichtig dafür, dass du auch morgen noch fleissig arbeiten kannst. Und Arbeitgeber, die dir anderes erzählen sind a) dumm, da sie dich langfristig verheizen und b) bemittleidenswerte Schweine. Also: Du verstehst schon, dass ich auf diese Mail sicher nicht antworten werde, richtig? Danke, bist’n Smarter. Cheers, gebt ihnen den Stiefel!”

So, und damit dann off bis Sonntag. Garantiert.

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10
08 2009

openflair

catcontent

Die Waschmaschine dürfte nach diesem Waschgang wohl selbst eine Wäsche vertragen.
Frisch geduscht und in sauberer Kleidung.
Koffer ausgeräumt, Bilder auf den Rechner geladen, ein wenig herumgesurft. Noch das Bild dieser Katze gefunden, die neulich beinahe übersehen worden wäre. Soviel Ruhe und “leck mich am Arsch ich chill hier”-Attitüde muss man erst mal erlangen. Tiefer Respekt.

Ich bin wieder zu Hause. Mehr gibt’s nicht zu sagen.

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14
06 2009

lauf nicht weg - und keinem nach

(”Geschichtenhasser”, Der W.) Obwohl die Beine vom Rumstehen noch ein wenig taub sind und das übliche Gepiepe in den Ohren noch nicht verschwunden, ein Paar Zeile zum “Rock Head” in Mainz gestern. Das hat zunächst mal nach Metal ausgesehen, wenn man alle Bands unterhalb der Headliner-Zeile so durchgeht: “U.D.O.”, “Primal Fear”, “Desperadoz”, klassisches Langhaarigen-Geschrammel. Wäre da nicht der Headliner, könnte man glatt glauben, da hängen nur Metalheads rum. So jedoch prangt über allen anderen ein großes “Der W.” - und damit ist klar, woraus sich das Publikum konstituiert.

Und das auch schon gegen 15 Uhr nachmittags, in der glühenden Hitze, bei Bier am Opel sonstwas stehend. Schön, Bier haben die Gastgeber auch dabei und drei später ist das alles auch ganz zweitrangig, man ist ja des Spaßes wegen hier. Den hat bislang sicher jeder bis auf die Bands. Denn vor der Bühne steht kaum eine Sau - und das liegt nicht an der Hitze. Ein Blick auf die T-Shirts schafft da schnell Klarheit: Onkelz, Onkelz, Weidner, durchinformiert wie eh und je. Gut, was war schon anderes zu erwarten? Vielleicht ein wenig mehr Publikum, aber es ist ja grade mal 17 Uhr mittlerweile und “Krieger” spielen, während im VIP-Zelt alles schön schattig ist und man sich das in Ruhe in einem recht bequemen Stuhl anschauen kann, ein wenig abseits von allem.

Ah, da sind ja doch ein Paar Jungs aus der Kuttenträger-Fraktion. Herrlich, mal wieder die eigenen Vorurteile bestätigt zu bekommen, wenn man sich das länger anschaut. So steht auch nach gestern wieder mal fest, dass Metal einfach nur kacke ist, spiessig bis zum Abwinken und bestenfalls dazu taugt, sich hemmungslos drüber lustig zu machen. Die Typen hier sind alt genug, um den Absprung nicht geschafft und gecheckt zu haben, dass ihre Musik schon lange keine Revolte gegen das Establishment ist - sondern mitten in selbigem angekommen. Die jüngste “Iron Maiden”-Veröffentlichung zeigt das doch noch am besten: In der eigens umgebauten Boeing durch die Welt touren, dabei Golf und Tennis spielen und dann abends, wenn die Sonne weg ist, die Mär vom Dagegensein verkaufen. Dass Realität und Dargebotenes ein wenig auseinanderklaffen, scheint man von Fanseite her verstanden zu haben, schließlich kann man die entstandene Lücke ja mit Bier füllen und sich in Prollereien ergehen - genau das ist Metal heute, mehr nicht. Ein herrlich anzusehender Anachronismus, dessen Beteiligte immer für einen milden Lacher gut sind.

Und dann der W. Mittlerweile tummeln sich etwa 1000, vielleicht 2000 Menschen auf dem staubigen Platz. Der sichtbar mehr Publikum vertragen hätte. Woran liegt’s? An den 40 Euro Eintritt? Könnte sein, schließlich hat die große Mehrheit der Anwesenden keinen Bock auf Metal (auch wenn “U.D.O.” wirklich gut gespielt haben), stattdesseen will man den W. sehen. Oder am besten gleich die Onkelz-Reunion. Fraglich ist derweil, ob zwischen beiden überhaupt ein Unterschied besteht, und so darf sich der in Designerklamotten gewandte Herr aus dem Frankfurter Nordend sicherlich die nächsten Jahre immer mal wieder fragen lassen, wie und womit er sich denn vom Werk seiner ehemaligen Band nun abhebt.

Zumindest in Sachen Fans ist alles beim Alten, da hat sich seit dem letzten besuchten Onkelz-Konzert im Jahr 2000 ganz offenbar nix geändert: Man kennt jeden Text auswendig, das ganze hat das Charisma einer Gruppentherapie für Menschen, die sich selbst ein wenig zu viel Außenseitertum attestieren und hier auf ganz viele Gleichgesinnte Loser treffen. Die Masse macht’s und so brüllt man bierseelig mit, was der Meister vorgibt. Und der ist sich seiner Rolle natürlich bewusst. Vielleicht hat er den ganzen Erfolg ja auch verdient nach dem, was in den Neunzigern an Dreck auf die Band geflogen ist. Mittlerweile ist man von all dem aber sichtlich entfernt und stellt dafür grenzenlose Selbstliebe zur Schau. Dass das alles nur Fake ist, weiß man ja dann, wenn man die Texte liest, die beinhalten schließlich Selbsthass, Verletzlichkeit und all das, was man eben kaschiert, wenn man nur laut genug Brüllen kann. Und das wurde hier ganz offensichtlich auf die harte Tour gelernt. Derartige Ehrlichkeit honoriert man ja dann doch, egal wie man zu der ganzen Geschichte um strohdumme Fans steht, die genau das darstellen, wogegen ihr Vordenker ansingt.

Und so ist die Show auch durchaus gelungen. Das Gesamtprodukt Weidner ist natürlich durchkonzipiert bis ins kleinste Detail, vollkommen im Professionellen angekommen und entsprechend dargeboten. Und letztlich nur auf eine Person konzentriert, da hilft es auch nichts, wenn beim vorletzten Song noch die einzelnen Bandmitglieder vorgestellt werden. Das hier ist so ein “Nine Inch Nails”-Ding, die bestehen auch nur aus Trent Reznor. Genau wie die “W”-Band, die handwerklich absolut überzeugend ist, letztlich nur eine Person beinhaltet, wegen der all die Menschen gekommen sind. Oder ein wenig megalomanisch: Wegen der das ganze Festival überhaupt stattfindet. Man will nur hoffen, dass die Summen, die da hinter vorgehaltener Hand über die Gage des Mannes geäußert worden, nicht so ganz der Wahrheit entsprechen, denn um das zu packen, waren wirklich zu wenige Leute da.

Ansonsten ein schönes Konzert, trotz all der Egomanie, all dem Gepose und der zahlreichen Hirnbefreiten. Kollateralschäden sind ganz offensichtlich unvermeidbar, dafür machen die Songs des Debuts (und es haben alle davon auf der Setlist Platz gefunden) Spaß, auch “Heiß” und “Komm schon”, die nicht auf dem Album enthalten sind, zünden ebenso gut wie die verdammt punkige Version von “Gewinnen kann jeder”. Bleibt zu hoffen, dass sich ein Paar der Menschen trotz all dem “wir sind sooo seelenverwandt wir Loser und da oben der, der sagt uns, dass wir dennoch was wert sind”-Getue zu Herzen nehmen, was das Idol verkündet: keinem nachlaufen. Schön wär’s, das mal auf so einem Konzert zu sehen.

(Bilder und Bericht im Mag kommen dann in den nächsten Tagen)

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26
11 2008

ain’t dead yet

Es kommen die Tage, wo du dich fragst, warum du dir den Mist eigentlich noch gibst. Die FH ist lange schon zu Ende, der Job eine Mischung aus Routine und Herausforderung, das Leben geht seine Bahnen. Du wirst älter, langsam schon fast sesshaft. Langweilig, könnte man sagen. Vor allem warst du hundert Mal dort. Ganz egal, was es war. Mit 18 standen wir auf die ganzen Proletenbands, Discipline, Biohazard, wie sie alle hießen. Später dann mal mehr Kommerz, mal mehr Untergrund. Alles gesehen von den ganz Großen bis zu Bonecrusher vor 20 Leutchen. Been there, done that. Und dann kommt der Part, den Klaus Farin damals im Interview gemeint hat, als es darum ging, der Szene den Rücken zu kehren: “Das endet häufig so um die 18 bis 20 herum, wenn man einen Job hat, oder Stress und es sich nicht mehr leisten kann. Ganz wichtig sind natürlich auch Beziehungen. Man hat eine Freundin, ist mit ihr zusammen und zieht dann auch nicht mehr in großen Gruppen umher.”

Alles Bullshit.

Es wird nicht weitergehen wie bislang, die Dinge ändern sich. Es hat einen anderen Sound, es bleibt der gleiche Spaß, mehr noch: es wird bewusster wahrgenommen. Und wenn “Fucked Up” Montagabend in Köln das wohl intensivste Konzert der musikalischen Laufbahn des B. dargeboten hat, dann sei das gut so. Denn so wird klar, dass es noch lange nicht die Zeit ist, um erwachsen zu werden. Da sind noch einige Jahre zu verschwenden und ich bin dankbar dafür, dass hin und wieder, eben auf jenen Konzerten, die aus der Masse herausstechen, deutlich zu realisieren. Abseits dessen, was Magazine ohne Inhalt totfeiern oder hochhypen, gibt es nach wie vor Bands, die etwas haben, dass sich nicht in Worte fassen lässt, sondern nur erfahren werden kann. Wenn der Preis dafür eine mittlerweile zweitätige, mittelschwere Taubheit ist, dann sei es verdammt noch mal so. Scheissegal, wie lächerlich man auf den Bildern vom Konzert aussieht. Statement ende.

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20
11 2008

bin dann mal krank

Zumindest am Dienstag. Denn Montagabend spielen die in Köln. Und wenn sich noch ein so ein Fotzenrocker da draußen fragt, was Hardcore ist, weil in seinen Magazinen immer nur von Trends die Rede ist, nie aber von Inhalten, hat er hier die Antwort. Ach ja, der Typ mit der Glatze, den kennt man übrigens auch, aber meist erst nach seiner Zeit mit “Vatican Commandos“.

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24
04 2008

things to do instead of diplomashit

millencolin_wiesbaden

Heute nicht mehr allzuviel drüber, bestenfalls das Schweden überhaupt mal die kewlsten Säue sind, was aber ohnehin schon klar war, tack so mycket und so weiter. Demnächst dann Beim Mag die tightesten Bilder dazu, wenn die Videos taugen auch diese. Ansonsten: Close but no cigar, inklusive Teenagepunkrockmitgröhlereien auf der Autobahn bei der Jagd nach zu dicht auffahrenden Dreckschüsseln aus sonstwo. Bonam Noctem.

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6
08 2007

Hardcorepride

madball
(Mitts/Hoya from Madball © VB)

Im Tourbus der NYHC-Legende, demnächst das Interview zu Themen wie Oldschool vs. Newschool, Politikshit, neue Platte, Südamerika, problematische Dokus, Henry Rollins, Ian MacKaye, Choke the Joke und die Vorzüge von Local Beer. Ach ja, und natürlich Hardcore, keepin’ it real, straight from the heart und so weiter. Kommt eventuell auch als Podcast, Bilder gibt’s natürlich auch. Bald.

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3
08 2007

mättboll

Was der B. am Wochenende so treibt (finde den Satz “Im Falle des Ausverkaufs wird es sofort auf unserer Homepage bekannt gegeben.” übrigens sehr doppeldeutig, handelt es sich doch um eine der Ur-NYHC-Bands und vor allem um jene, die alles geschafft hat, nur nicht die Weiterentwicklung ihres Stils..)

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22
04 2007

Emo-Kids, argh, fuck it.

Des Nachmittags beim Kaffee im schönen FFM gewesen, wo Kinder Anna-Lena heissen und Kinderwagen Bugaboo. Nebenan liess sich eine junge Person nieder, weiblich, violett gefärbte Haare, Emo-Kid. Ich mag keine Emo-Kids, nie getan. Damit stehen sie in einer Reihe mit profilierungssüchtigen Studis, Schmalspurbloggern und München. Die Gründe sind recht simpel: Emo-Kids machen auf HC ohne HC zu sein. Punkt. Damit ähnelt die Debatte in ihren Grundzügen so einigen anderen: Sobald jemand beansprucht, etwas bestimmtes darzustellen, sollte er/sie/es gewisse Kriterien erfüllen, basta. Was keinen Motor hat, kann kein Auto sein, was Döner futtert, ist kein Vegetarier und was Emo hört und so ausschaut, ist und bleibt kein Hardcore.

Mir gefällt das nicht, Dinge derart darzustellen und damit eine gewisse Verschlossenheit anderem gegenüber auszudrücken. Ich bin kein Szene-Polizist und hasse diese Bande von Heuchlern, die meinen, sich ein Urteil über andere bilden zu müssen, nur weil sie seit 20 Jahren dabei sind, ihre Plattensammlung Regale füllt und sie den derzeitigen Zustand, wo diese ganzen Pseudos “ihre” Konzerte übervölkern, ohnehin scheisse finden und auch nicht müde werden, von den guten alten Tagen zu schwärmen. Das ist Blödsinn, diese Leute sind Blödsinn, nichts ist erbärmlicher als die ganzen hängengebliebenen Mittvierziger-Punks, die heute noch was nachrennen, das schon seit mehreren Jahren tot ist und nicht wieder auferstehen wird, egal wie lange sie vor dem Supermarkt rumlungern und ihre großen Feinde, die Kapitalistenschweine, um milde Gaben anbetteln. Szene-Polizei spielen ist definitiv nicht meine Intention, alleine schon, weil ich keine Szene als “meine” betrachte, sondern mich als Teil verschiedener Szenen. Worum es hier geht, ist eine Szene, deren Ende seit mehr als 20 Jahren zurückliegt. Hardcore war nur ein Akkord in der Musiklandschaft des 20. Jahrhunderts und fand zu seiner Zeit lange nicht die Beachtung, die er heute hat. So betrachtet ist es auch sinnlos, eine Szene beschützen zu wollen, die es in ihrem wegweisenden Ursprungszustand gar nicht mehr gibt - was keinem der damals Beteiligten Leid tut, es war ein Spaß, DIY, der Versuch, etwas zu ändern. Mehr nicht.

Und nun Emo. Niemals ging es im HC um Style, Kleidung oder Frisuren. “For the fakes and frauds, it’s a fucking fashion show” fassen das SOIA richtig zusammen. Hardcore zeichnet sich gerade dadurch aus, dass seine Hörer rein optisch betrachtet ganz normale Menschen sein könnten - so (in etwa) beschreibt es Büsser. Emo dagegen ist Style, sehr viel sogar. Die Kleidung muss sitzen, die Hosenbeine korrekt umgeschlagen sein, das XS-Shirt enganliegen, die Haare brav zerwurschtelt, der Kajal ordentlich aufgetragen, Buttons richtig platziert, kurz: Bevor es überhaupt mal aus dem Haus geht, putzt man sich raus. So wird eine Szene zum Catwalk, wo keiner mehr das sein kann, was er eigentlich will, sondern jeder nur noch versucht, durch diese oder jene Kleinigkeit aufzufallen und sich von der Masse abzuheben. Gleichzeitig schafft man so eine gewisse Uniformiertheit, die zwar das Finden von Gleichgesinnten erleichtert (und daher in den meisten Jugendsubkulturen anzutreffen ist), gerade dem HC-Grundgedanken von größtmöglicher Individualität (und der Bereitschaft, für selbige auch zu kämpfen) diametral entgegentritt. Glatt gelogen? Well, wie viele Menschen, die man heute so durch die Großstädte schlendern sieht, sehen so aus? Eben.

Musikalisch sei kurz darauf eingegangen. HC zeichnet sich durch extrem schnelle Spielweisen aus, Motor der ersten Bands war es, stets noch schnellere, noch kürzere Songs zu schreiben. Eine durchschnittliche Platte der damaligen Zeit, beispielsweise etwas von Minor Threat, 7 Seconds, D.O.A. oder M.D.C. beinhaltet 20 Stücke bei meist weniger als 18 Minuten Spielzeit. Keine Griffbrettwichsereien, Schlagzeugsoli oder lange Zwischenparts. Emo steht auch dem entgegen, aber komplett. Auf die Texte sei nun gar nicht erst eingegangen, dieses Fass wird hier nicht aufgemacht, belassen wir es bei nem kleinen Witz: Warum müssen Emo-Kids immer um 22 Uhr aus der Disko? - Weil da die Happy Hour beginnt. Ha-Ha.

Stichwort Kommerzialität und Ausverkauf: HC war explizit antikommerziell eingestellt, Alben, die auf Dischord erscheinen, tragen heute noch keinen Barcode, können also nicht eingescannt werden. HC war immer DIY, Bands nahmen Plattencover auseinander, um herauszufinden, wie die Dinger gefaltet und geklebt werden - da man selbst gerade eine Platte in einem miesen Kellerloch von Studio aufgenommen hatte, die dann später für zwei oder drei Dollar vertickt wurde. Bei einem Konzert, das selten mehr als fünf Dollar Eintritt kostete. Alles aus der Szene, alles für die Szene, ein einfacher Deal. Der Support war da, die Sache funktionierte bekanntweise ja auch über mehrere Jahre gut. Nun die Frage: Wie kann eine Szene, die derart modeverhaftet und labelfixiert ist, anti-kommerziell eingestellt sein, wenn allein die Sneaker ein Schweinegeld kosten, die T-Shirts auch mal 30 Piepen billig sind und die Preise für Kajal, naja, lassen wir das. Wie kann eine Szene, deren Bands im großen Stil auf allen Musiksendern gedudelt werden, deren Platten in großformatigen Anzeigen beworben werden und deren Konzert-Tickets etwa soviel kosten wie Straßenpunkers durchschnittlicher Monatsverbrauch an Oettinger, ANTI-kommerziell sein? Sie kann es nicht und sie ist es nicht. Hier wird Geld gemacht, im großen Stil, hier hat jemand erkannt, wie er die Kids geködert bekommt - und die Kids haben sich ködern lassen. Hier wird verarscht nach Strich und Faden, dafür ist für jeden ein hübsches Sümmchen drin. Und wenn’s dann mal keine Sau mehr hören will, sucht man sich eben den nächsten Hype, dafür hat man ja Trendscouts, die werden schon was finden, und MySpace gibt’s ja auch noch, darüber bekommt man sicher auch die ein oder andere Peergroup angefixt. DAS ist Emo. Und nicht HC. Und um das festzustellen, muss man kein Szene-Polizist sein, es reicht, die Strukturen der jeweiligen Szenen auf einfachste Art zu vergleichen.

Ach, zum Schluss noch ein Disclaimer: Ich weiss, wer Embrace waren (schließlich hab ich das Ding besprochen) und Ian MacKaye ist. Rites of Spring hab ich ebenfalls, wir können also gerne drüber reden, dass Emo eine Antwort auf grassierenden Testosteron-Wahn in der HC-Szene war und damit auch dem Hardcore enstammt. Das wird hier nicht bestritten, aber: Worum es hier geht ist nicht mehr der ursprüngliche Emo, hinter dem noch eine gewisse Message stand (die ihre Fortsetzung in gewisse Art später in der Riot-Grrrl-Bewegung fand), hier geht es um Pop-Punk-Emocore Marke My Chemical Romance, Bullet For My Valentine und Konsorten. Die können mit ihrem Schwachsinn und den Idioten, die ihnen nachrennen, bleiben wo keine Sonne scheint und dort in aller Ruhe in ihrem Selbstmitleid ersaufen. Dagegen werde ich nichts sagen. Aber sobald man behauptet, HC zu sein gibt’s Einträge wie diesen, auch nach einem M.D.C.-Konzert in Frankfurt, das definitiv HC war und bei dem noch definitiver keine Emo-Kinderlein waren.

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