Sucker Punch

von Volker Dohr

Sucker Punch in einem Satz: Ein Drittel Schulmädchenporno, ein Drittel Waffen-Videospiel-Gewalt-Porno (übrigens in auf PG13/FSK16 geschnittener Fassung, danke wie immer an Gorehound Eddy für die Info), das letzte Drittel der Versuch, ein wenig Story zu erzählen (gründlich misslungen). Insgesamt: Leider viel zu lahm, trotz Matrix/Fight Club/Inception-Anleihen und interessantem Dreh über die Riotgirl-Nummer. Ausführliche Kritik kommt soweit fertig und demnächst auch an anderer Stelle zu finden. Weil Blogs aber schneller sind, here it is.

Heldin im Faltenrock – “Sucker Punch”

Schulmädchen-Softerotik, Waffenfetischismus in Videospiel-Optik und Action jenseits aller Gesetze der Schwerkraft: Mit „Sucker Punch“ setzt Regisseur Zack Snyder nach den beiden Comic-Verfilmungen „300“ und „Watchmen“ erstmals eine selbst erdachte Geschichte um. Dabei bedient sich der ehemalige Musikvideo-Macher munter bei Genre-Größen von „Matrix“ bis „Inception“. Und scheitert grandios an den eigenen Vorbildern.

Immerhin: Die Geschichte hinter „Sucker Punch“ ist schnell erzählt. Nach dem Tod der Mutter verfrachtet der böse Stiefvater die namenlose Hauptdarstellerin (Emily Browning) in ein Sanatorium, um die junge Frau lobotomieren zu lassen. Ehe es dazu kommt, wechselt die Handlungsebene jedoch in die Phantasiewelt der Heldin. Hier ist die Irrenanstalt ein Bordell, die wehrlosen Insassinnen werden zur Prostitution gezwungen. Die bis dato unbekannte Heldin hat mit „Babydoll“ nun nicht nur einen Namen, sondern sieht sich auch einer neuen Bedrohung gegenüber: Dem Besuch des „Highrollers“, an den der skrupellose Bordell-Betreiber die Jungfräulichkeit der Heldin verkauft hat. Um dem drohenden Schicksal zu entkommen, schmiedet Babydoll einen Fluchtplan. Während sie einen hypnotischen Tanz aufführt, sollen ihre Mitinsassinnen vier Gegenstände stehlen: Eine Karte der Anstalt, ein Feuerzeug, ein Messer und einen Generalschlüssel. Ein fünftes, noch unbekanntes Objekt, soll danach folgen.

Hierfür springt „Sucker Punch“ eine weitere Handlungsebene nach unten. Das Auffinden der Gegenstände ist jeweils eine eigene Mission – „Inception“ lässt grüßen. Chronologisch finden die Trips in Babydolls Gedankenwelt im Ersten Weltkrieg, einem an „Herr der Ringe“ erinnernden Fantasy-Szenario und in einer futuristischen Welt statt. So viel Abwechslung die Settings auch bieten, inhaltlich geben sich die Aufträge bieder: Babydoll und Anhang treten in die Welt ein, ballern und metzeln sich ihren Weg zu den gewünschten Objekten frei und verschwinden rechtzeitig wieder. Damit es für ein PG13- beziehungsweise FSK 16-Rating reicht, hat Snyder übrigens ganze 18 Minuten aus dem Film herausgeschnitten. Wer also Splatter-Orgien erwartet, wird mit konventioneller Action enttäuscht. Vor allem an den Slow-Motion-Effekten während der Actionszenen hat man sich seit „Matrix“ nun wirklich satt gesehen. So bleiben perfekt choreografierte Sequenzen, die man in den letzten Jahren in ähnlicher Weise garantiert mehr als einmal betrachten durfte.

Auch an anderer Stelle sind die Querverweise an Actionfilme, die mit Parallelwelt-Thematiken spielen, schwer zu übersehen: Während die Realität in der Anstalt in tristen Grautönen gehalten ist, stellt sich Babydolls Phantasiewelt in leuchtenden Farben dar; aus der schwachen, verletzlichen Figur wird hier eine rasende Kriegerin, quasi ein von Edward Norton zu Brad Pitt in weiblicher Form. Schade, dass Snyder das Girlpower-Motiv nur dahingehend inszeniert, dass er seine Heldinnen in knappest möglicher Bekleidung auftreten lässt – und damit letztlich Altmännerphantasien bedient und in Geschlechter-Klischees verfällt. Wo „300“ noch herrlich überzeichnete Comic-Charaktere bot und „Watchmen“ mit Superhelden glänzte, die allesamt gleichermaßen unsympathisch waren, schafft es Snyder in „Sucker Punch“ nicht, eigenständige Charaktere zu erschaffen. Im Gegenteil: Spätestens in der Mitte des Films hat man sich an Babydolls Leidensmiene während der Feuergefechte satt gesehen und fragt sich, wohin die Reise dieser äußerst stereotypen Heldin im Faltenrock eigentlich gehen soll.

Vermutlich hat sich auch Snyder diese Frage gestellt und sie dahingehend beantwortet, einen Genre-Mix aus Samurai- und Baller-Action, Videospiel- und Comic-Ästhetik sowie einer Prise Girlpower mit bis dato unverbrauchten Darstellerinnen abliefern zu wollen. Eingebettet in eine packende Geschichte, versteht sich. Genau hier hat sich Snyder aber übernommen. Dass er unterhaltende Actionfilme abliefern kann, hat er mit „300“ bewiesen. Dass er mehr kann und auch komplexen, eigentlich als unverfilmbar geltenden Nerd-Stoff auf die Leinwand bringen, hat „Watchmen“ gezeigt. Nur eine Mischung aus beidem, wie sie „Sucker Punch“ werden sollte, will Snyder nicht gelingen. Es bleiben 109 Minuten mit durchaus ansehnlichen, aber leider in der Machart zu konventionellen Actionszenen und Heldinnen, denen es an allen Ecken und Enden an Eigenständigkeit mangelt. Sollte es Synders Absicht gewesen sein, fehlenden Inhalt durch sexy Outfits wett zu machen, sei dem Regisseur immerhin in diesem Punkt durchschlagender Erfolg beschieden.

Sucker Punch
Regie: Zack Snyder
Filmstart: 31. März 2011
Verleih: Warner Bros.
Darsteller: Emily Browning, Abbie Cornish, Jena Malone, Vanessa Hudgens, Jamie Chung